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Test
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09.12.2015

­Zoom iQ7 Test

M/S-Stereo-Mikrofon für iOS-Geräte

Flexible Stereotechnologie für kleines Budget

Seit nunmehr 30 Jahren liefert die Firma Zoom aus Japan verlässliche und günstige Audiohardware-Lösungen für Musiker und Tonstudios. Von Tretminen-Effekten für Gitarristen, über Sampler und Drum-Machines, bis hin zu den beliebten Field-Rekordern wie zum Beispiel dem H6 oder dem H4n, sind die Zoom-Produkte aus der Musik- und Audiowelt nicht mehr wegzudenken. Mit dem iQ7 bietet die japanische Audiogeräte-Schmiede nun eine flexiblere Lösung als Alternative zu ihrem iQ6-iMikrofon an, die großartig klingen und gleichermaßen für Musik- wie für Video-Aufnahmen geeignet sein soll. 

Details

Was wird geliefert?

Das Zoom iQ7 wird in einer nach durchschnittlichen Elektromarkt-Produkten ausschauenden Plastikverpackung ausgeliefert. Das kleine Mikrofon steckt optisch frei schwebend im oberen, durchsichtigen Teil der Packung, sodass man sich das Teil, ohne es auspacken zu müssen, genauer ansehen kann. Es sieht nach einem edlen, silbergrauen Metallgehäuse aus, und besitzt zwei kreisrunde, abgesetzte Kapseln, ein schwarzes Drehrad mit einer Skala, eine dreiteilige, kleine LED-Anzeige, einen kleinen Schalter sowie eine Miniklinkenbuchse. Dem kleinen Bruder, dem iQ6, sieht es nicht ganz unähnlich; zumindest der Sockel sieht zum Verwechseln ähnlich aus. Sobald ich das Mikro aus dem Plastiksarg befreit hatte, musste ich, wie auch beim iQ6, feststellen, dass das iQ7 kein schweres Metall-, sondern ein sehr leichtes Plastikgehäuse besitzt. Es ist ca. 6x3x5 Zentimeter klein, und wiegt gerade mal 30,5 Gramm. Mitgeliefert werden eine Bedienungsanleitung und ein schwarzer Schaumstoff-Windschutz.

Das Mikrofon

Das Mikro ist in der sogenannten M/S-Mikrofon-Anordnung aufgebaut, das heißt, es besteht aus zwei Kondensator-Kapseln, die durch eine raffinierte Konstellation und Verschaltung eine nachträglich in der Stereobreite beeinflussbare Aufnahme ermöglichen. Eine Mikrofonkapsel mit Nierencharakteristik wird in Aufnahmerichtung positioniert, um das Mittensignal aufzunehmen, eine zweite Kapsel mit Achter-Richtcharakteristik im rechten Winkel dazu ist für die Seitensignale von links und rechts zuständig. Um das mit Mikrofon nun entsprechend der Anwendung korrekt ausrichten zu können, lässt sich die Kapselkonstruktion um jeweils bis zu 90 Grad in Längs- und Querrichtung verdrehen. Eine kleine Beschriftung, bestehend aus einem schwarzen Pfeil für die Haupteinsprechrichtung, und den beiden Buchstaben L und R dient, oben auf der Mittenkapsel thronend, quasi als Zielvorrichtung, um mit dem Mikro in die gewünschte Richtung mit korrekter Panorama-Austarierung aufzunehmen.

Die Kapseln können bis maximal 120 dB SPL verzerrungsarm verarbeiten, und beziehen ihren Betriebsstrom natürlich aus dem angeschlossenen iOS-Gerät. Damit man das Zoom iQ7 auch mit iDevices verbinden kann, die in einer Schutzhülle stecken, lässt sich am Lightning-Stecker des Mikrofonsockels ein kleiner, schwarzer Abstandhalter demontieren. Soll das Mikro auf ein blankes iDevice ohne Schutzhülle aufgesteckt werden, so muss man den Abstandhalter aber bitte dran lassen, damit die Steckverbindung nicht zu viel Spiel besitzt. Obwohl das Zoom iQ7 ausschließlich mit Hilfes des Lightning-Steckers am iDevice hält, ist dieser Halt fest genug, um selbst kopfüber Aufnahmen machen zu können, ohne dass das Mikrofon abfällt. Hier ist es von Vorteil, dass es sich bei der Gehäuse-Konstruktion um ein leichtes Plastikgehäuse handelt. In puncto Anfälligkeit gegen Störsignale wäre ein solides Metallgehäuse sicherlich besser gewesen, wäre dann aber wieder schwerer und müsste wahrscheinlich stabiler befestigt werden.

Record-Gain ist über ein Drehrad an der Rückseite des Mikrofon-Sockels justierbar

Um die Aufnahmelautstärke des Mikrofons einstellen zu können, spendierten Zoom dem iQ7 ein kleines Einstellrad auf der Sockelrückseite, welches sich auf einer Skala von 1 bis 10 stufenlos einstellen lässt, und eine Verstärkung um bis zu 40 Dezibel zulässt. Dies ist ein nicht zu unterschätzendes Features, wenn man das Mikrofon mit einer Dittanbieter-App benutzen möchte. Bei vielen anderen iMics gibt es eine solche manuelle Pegelmöglichkeit erst gar nicht, und man ist dann gezwungen auf Apps zurückzugreifen, die eine softwareseitige Gainregelung ermöglichen. Beim Videofilmen mit Hilfe der iGeräte-Kamera beispielsweise ist dieser mechanische Gainregler besonders hilfreich, da die iOS-Kamera-App keine Pegelsteuerung vorsieht.

Über einen Dreifachschalter wählt man zwischen zwei Öffnungswinkeln oder M/S-Raw-Aufzeichnung

Rechts neben dem Gainregler befindet sich ein kleiner, unscheinbarer Schalter, mit dem man zwischen drei Mikrofon-Optionen wählen kann. Die Schalterstellungen „90“ und „120“ setzen den Aufnahmewinkel in Grad auf den jeweils gewählten Wert. Rastet man den Schalter auf der untersten, mit „M-S“ bezeichneten Position ein, so wird das M/S-Signal ohne Dekodierung aufgezeichnet. Im aufgenommenen WAV- oder AAC-File befindet sich dann auf dem linken Kanal das Mittensignal der Nierenkapsel, und auf dem rechten Kanal das Seitensignal der Acht. Hiermit hat man es selbst in der Hand, die gewünschte Stereobreite im Nachhinein zu bestimmen. Entweder in einer externen Postproduction oder in der Zoom Handy Recorder App. Hat man eine Aufnahme im Format MS-Raw ausgewählt, so erscheint neben den Transportbuttons der Zoom-App plötzlich ein zusätzlicher Slider, mit dem man die Stereobreite stufenlos von „Focus“ (0 Prozent Breite = mono) bis „Wide“ (100 Prozent Breite = full stereo) einstellen kann. Alternativ kann man sich dieses pure M/S-File irgendwo hin exportieren, um es in anderen Programmen entsprechend zu dematrizieren und weiter zu verarbeiten.

Eine dreiteilige LED-Anzeige informiert über die Pegelverhältnisse

Ebenfalls direkt im Blickfeld des Aufnehmers befinden sich drei kleine LEDs, die als dreistellige Pegelanzeige fungieren. Die unterste LED leuchtet grün, sobald ein Pegel höher als -42 Dezibel anliegt, die mittlere ebenfalls grüne LED gesellt sich bei Pegeln oberhalb von -12 Dezibel mit dazu. Sobald man über -0,25 dB kommt, leuchtet die oberste LED in rot und signalisiert „Obacht, gleich clippt es!“. Von einer sonderlich hoch auflösenden Pegelanzeige kann man bei drei Segmenten noch nicht sprechen, aber zusammen mit dem analogen Gainregler ist man dank dieses Meters bei den Aufnahmen mit dem Zoom iQ7 unabhängig vom iDevice-Display.

Windschutz

Zoom hat dem iQ7 einen kleinen Windschutz in Form eines schwarzen Schaumstoffballs mitgegeben. Im Außeneinsatz oder bei Sprachaufnahmen aus nächster Nähe sollte man niemals ohne dieses Zubehör arbeiten, da die Kondensator-Kapseln ohne diese Abschirmung selbst aus dem kleinsten, direkt auf die Kapseln treffenden Windhauch massivste Störgeräusche mit Maximalpegel erzeugen können. Sollte man einen noch stärkeren, effektiveren Windschutz benötigen, so kann man auf ein entsprechendes Sonderzubehör der Firma Zoom zurückgreifen, nämlich einem Kunstfell-Überzug namens WSU-1.

Die inneren Werte

Mit dem dem iQ7 lassen sich Aufnahmen in 16Bit/44,1kHz oder 16Bit/48kHz realisieren. Das entspricht immerhin CD-Qualität, die auch bis heute noch als qualitativ gut genug angesehen werden kann. Am vordersten Glied der Aufnahme-Kette, dem Mikrofon, hätte man aber natürlich gerne zumindest 24 Bit Auflösung am A/D-Wandler zur Verfügung, um auch bei kritischen Pegeln nicht im untersten Bit im Rauschen abzusaufen. Es ist mit Sicherheit eine Geldfrage, ob man mit 16 oder 24 Bit wandelt, und hier hat sich Zoom für die günstigere Variante entschieden, aber für den alltäglichen, normalen Gebrauch sollte man mit 16 Bit auch noch bestens zurecht kommen. Als maximalen Schalldruck soll man nicht mehr als 120 dB SLP auf die Kapseln drücken lassen. Das ist ganz ordentlich, und dürfte für den ein oder anderen Proberaum- oder Konzertmitschnitt reichen.

Die kostenlose App „Zoom Handy Rec.“ ist genau richtig für das iQ7

Viele dürften sich im Laufe der Zeit auf ganz bestimmte Aufnahme-Apps eingeschossen haben und können diese auch weiterhin uneingeschränkt mit dem Zoom-Mikro benutzen. Die Zoom-eigene App bietet allerdings ein paar schöne Features und Arbeitserleichterungen, dass ich sie an dieser Stelle wärmstens weiterempfehlen möchte. Sie ist nicht nur kostenlos erhältlich und sieht noch dazu einigermaßen schick aus (fast wie ein Field-Recorder), sondern hat ein paar produktspeziefische Tricks auf Lager. Mit der Funktion „Direct Monitoring“ lässt sich die geringe, aber manchmal dennoch einige Millisekunden lange Latenz des Gesamt-Signalweges umgehen, indem das Eingangssignal des Mikrofones direkt auf die Kopfhörer-Buchse geroutet wird. Sehr angenehm, wenn man Gesangs- oder Instrumental-Aufnahmen machen und dabei einen Kopfhörer tragen möchte. Außerdem kann man mit der Zoom-App zusätzlich zum WAV- auch direkt im platzsparenden AAC-Format aufnehmen. Besonders cool finde ich, dass die gewählte Stellung des Dreifachschalters neben dem Gainrad mit in die Namensgebung der aufgenommenen Dateien fließt. Die Dateinamen haben entsprechend jener Schalterposition dann jeweils Appendizes namens „MS90“, „MS120“ oder „MS_RAW“. I love it!

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