Hersteller_Yamaha
Test
3
23.12.2013

Praxis

Voices

Natürlich sind es wieder mehr Klänge geworden: Im Speicher des Tyros5 liegen 1279 Voices, 480 XG Voices und 37 Drum/SFX Kits. Die Tonerzeugung ist allerdings nach wie vor 128-stimmig polyphon mit vier live spielbaren Parts (Right 1-3, Left). Was die Klangfamilien angeht, gab es eine Umstrukturierung: Der Tyros5 hat zwei getrennte Taster für akustische und elektrische Gitarren, sowie auch für Drums und Percussion. Dafür wurden die Trompeten mit in die Brass-Section verlegt und die Saxofone mit in die neue Abteilung „Woodwinds“, die jetzt alle Holzbläser beinhaltet.

Unter den 300 neuen Sounds sind beispielsweise einige überzeugende moderne Synthesizer-Sounds für aktuelle Hits. Auch die E-Pianos wurden durch neue Rhodes- und DX7-Klänge erweitert. 

Die Anzahl der seit dem Tyros4 so beliebten SA2-Voices („Super-Articulation-2“) wurde von 15 auf 44 gesteigert. Diese Voices verfügen über spezielle Samples für verschiedene instrumententypische Spielweisen, die entweder automatisch eingefügt werden, oder sich mit den beiden Tastern links neben der Klaviatur steuern lassen. Hier zwei neue Natursounds, die mittels der beiden blauen Knöpfe beeinflusst werden können:

Ensemble

Viele neue SA2-Voices sind Bestandteil eines ganz neuen Bereichs: sie werden in einer sogenannten „Ensemble Voice“ verwendet, um besonders authentische Klänge zu liefern. Yamaha geht hier einen neuen Weg, den es in dieser Form noch nicht in einem Keyboard gegeben hat. Betätigt man im Voice-Bereich die Taste „Ensemble“, so werden alle vier Livespiel-Parts, also Left und Right 1-3, mit den verschiedenen Einzelsounds eines Ensembles belegt. Spielt man jetzt mehrstimmig auf der Klaviatur, so wird jede Stimme automatisch einem dieser Sounds zugeordnet. Bei einem Streichquartett wird der tiefste Ton also vom Cello, der höchste hingegen von der ersten Violine gespielt. Die dazwischenliegenden Töne spielen Bratsche und zweite Violine. Verglichen mit herkömmlichen Ensemble-Sounds, bei denen alle Instrumente in einer Voice vereint sind, kann man mit dieser Ensemble-Funktion wesentlich realistischere Klänge erzeugen. Zum Vergleich hört ihr hier den „normalen“ Streichersound „Stringquartet“ und dann die neue Ensemble-Voice „StringQuartet“:

Die Möglichkeiten gehen aber noch weiter: Beim folgenden Beispiel werden die gespielten Noten durch die Ensemble-Funktion auseinandergezogen, der tiefste Ton wird eine Oktave tiefer, der höchste eine Oktave höher wiedergegeben. Zum Vergleich zuerst die „normale“ Voice „Chamberstrings“, dann die Ensemble-Voice „Open Quartet“.

Außer Streicherensembles werden in der Ensemble-Kategorie Blechbläser, Holzbläser, Chöre und Mischformen angeboten. Auch der Ensemble-Chor klingt im Vergleich zu einem herkömmlichen Chorsound verblüffend echt: 

Nutzt man zusätzlich die Harmony-Funktion des Arrangers, so genügt das einstimmige Spiel der rechten Hand, um ein zum Akkord der linken Hand passendes, meistens überzeugendes Ensemble-Arrangement zu erzeugen.

Insgesamt enthält die Kategorie 55 Ensemble-Presets, die als Grundlage dienen. Über die Taste Edit gelangt man in das Menü, in dem sich weitreichende Änderungen vornehmen lassen. Veränderte Ensembles können im internen User-Speicher abgelegt werden. Die grafische Darstellung des Ensemble-Bereichs ist sehr ansprechend, auch dieses Menü wird sehr anschaulich dargestellt. Mithilfe von vier kleinen Tastaturen wird visualisiert, wie der Algorithmus funktioniert. Der Parameter „Key Assign Type“ bestimmt den Algorithmus, nach dem die gespielten Noten den Stimmen zugewiesen werden. Natürlich hat man die Möglichkeit die Voices der vier Parts zu verändern, wobei auch gemischte Ensembles entstehen können, also beispielsweise Streicher und Bläser nebeneinander. Durch geschicktes Panning der Instrumente entsteht ein breiter Raumklang. Interessant ist auch das Menü „Humanize“, in dem sich der Klang des Ensembles mit leichten Ungenauigkeiten in Timing und Intonation „vermenschlichen“ lässt: 

Interessant ist die Ensemble-Funktion sowohl für das Livespiel als auch für die Musik-Produktion im Studio. Man muss allerdings erwähnen, dass der Ensemble-Effekt beim schnellen polyphonen Spiel und bei Verwendung eines aufwändigen Algorithmus manchmal ein wenig „hakt“. Der Bedarf an Rechenleistung ist in diesen Momenten so groß, dass die Stimmvergabe in Echtzeit nicht ganz sauber erfolgen kann. Das hängt aber auch von der Spielweise ab.

Organ World

Die Klangkategorie „Organ Flutes“ des Tyros4 wurde im Tyros5 konsequent ausgebaut. Jetzt stehen die fünf Grundtypen Vintage, Home, Euro, Concert und Theatre zur Verfügung. Jedes Orgelmodell wird mit seinen charakteristischen Bedienelementen grafisch ansprechend dargestellt. Das Modell “Vintage” modelliert eine Hammond B3, “Home” eine amerikanische Heimorgel und mit “Euro” werden Wersi-mäßige Klänge abgerufen. “Theatre” bezeichnet eine Wurlitzer-Orgel, wie sie in den 30er-Jahren in Theatern eingesetzt wurde. Für die “Concert”-Orgel wurde das Instrument der Mercatorhalle in Duisburg gesampelt. Beeindruckend ist hier die Fülle des Sounds auch in den tiefen Lagen. 

Styles

Auch im Bereich Styles wartet der Tyros5 mit wichtigen Neuigkeiten auf. Bei 40 neuen sogenannten “Audio Styles” werden die Drums und Percussions nicht wie bisher durch Midi-Spuren generiert, bei denen einzelne Drumsamples durch die Midi-Events angesprochen werden. Vielmehr laufen bei den Audio Styles Drumloops mit, die live von lebendigen Schlagzeugern eingespielt wurden. Die Loops werden per Slicing und Timestretching an das jeweils gewählte Tempo angepasst. Dadurch klingt der Style natürlicher und druckvoller. Hier eine kleine Auswahl von Audio-Styles: 

Zusammen mit den sehr authentischen Voices klingen die Audio Styles sehr gut und sind eigentlich fast nicht mehr von einer Live-Band zu unterscheiden. Gerade im Latin- und Jazz-Bereich war es immer sehr schwer, das Microtiming der Schlagzeuger als Midifile „einzufangen“. Jetzt hört man jede Nuance! Auch Besen-Grooves – traditionell über Midi nur sehr eingeschränkt realisierbar – sind nun kein Problem mehr.

Weil hier Audio-Material mitläuft, muss der kleine Nachteil in Kauf genommen werden, dass sich das Tempo des Styles nicht beliebig, sondern nur in gewissen Grenzen verändern lässt. Wird ein Audio Style beispielsweise extrem langsam wiedergegeben, so gibt es hörbare Artefakte. Auch lassen sich aus gespielten Audio Styles keine Midi-Songs erstellen, da ja die Schlagzeugspur nicht mehr als Midi-Information vorliegt. Zum Erstellen kompletter Songs muss in diesem Fall der Audio-Recorder benutzt werden.

Eine neue interessante Funktion ist der „Style Recommender“, der schon aus den aktuellen Modellen der Yamaha CVP-Serie bekannt ist. Hier schlägt der Tyros eine Auswahl von “optimalen” Styles vor, die am besten zu einem ein- oder zweitaktigen Rhythmus-Pattern passen, das man zuvor auf der Tastatur gespielt hat. Man kann Drums eingeben (Bass Drum, Snare und Hihat), oder Piano. Das Ergebnis ist nicht immer passend, aber gerade für Spieler, die den Überblick im Style-Jungle verloren haben, ist der Style Recommender eine Art Pfadfinder, der Orientierung geben kann.

Im Menü „Style Setting“ kann die Akkorderkennung jetzt auch für die rechte Hand ausgewählt werden. Wählt man zusätzlich „Manual Bass“, so kann man mit der linken Hand den Bass-Sound aus dem Style manuell dazu spielen. Das entspricht schon fast der bei Korg so praktischen Manual-Bass-Taste. Schade, dass es bei Yamaha nicht auch hardwaremäßig umgesetzt wurde.

Audio Link

Beim Tyros 1 bis 4 startete man mit den Multipad-Tastern reine Midi-Sequenzen, die Voices und Drumkits aus dem Tyros ansteuerten. Beim neuen Modell ist es jetzt möglich, auch Samples oder ganze Audio-Songs im wav-Format auf die Pads zu legen. Diese Funktion wird Audio-Link genannt. Im folgenden Beispiel habe ich die Audio-Link-Funktion eingesetzt, um ein Intro für einen Song zu realisieren. Ich habe “Ain't Nobody” von Chaka Khan als wav-File auf den ersten Multipad-Taster gelegt. Ich starte zunächst dieses Audio-File, und nach 4 Takten per Hand den Style R&BPopDiva, der anscheinend genau für diesen Song neu erstellt wurde. Nach weiteren vier Takten blende ich das Original langsam aus, während der Arranger weiterläuft und ich live die Stringline spiele. Jetzt könnte die Sängerin einsetzen...

Über die Sync-Start-Funktion lassen sich Style und Multipad-Sample zeitgleich starten. Leider sind bei den Audio-Links aber nur One-Shots möglich, das heißt die Samples können nicht geloopt werden. Auch die bei herkömmlichen Midi-Multipads übliche Akkordanpassung funktioniert hier natürlich nicht. Schließlich kann immer nur ein Audiofile zur Zeit „abgefeuert“ werden – das gleichzeitige Abspielen mehrerer Pads ist nicht möglich.

Effekte

Auch die Effektsektion wurde im Tyros5 überarbeitet. Mit Yamahas VCM (Virtual Circuitry Modeling) Technologie, die auch in den bekannten Yamaha Digitalpulten eingesetzt wird, wurden neue Effektgeräte und Gitarrenamps modelliert. Dabei ist auch die grafische Umsetzung sehr gelungen. Die Effekte sind voll editierbar und können jeder Voice individuell zugeordnet werden. Im folgenden Audiobeispiel habe ich die Effekt-Parameter des E-Gitarren-Sounds “Vintage Heavy” während der Aufnahme verändert. Durch die ausgefuchste Grafik fühlt man sich dabei fast wie ein Rockgitarrist, der beim Soundcheck auf der Bühne an seinem Verstärker herumschraubt. 

Aber nicht nur die Gitarren-Effekte, auch die Qualität der Master-Effekte ist verbessert worden, was sich im Gesamtsound spürbar niederschlägt. Der neue Real Reverb erzeugt durch neue Algorithmen einen noch feineren natürlicheren Hall.

Kompatibilität

Als Yamaha den Tyros5 vor einem Monat vorstellte, gab es zunächst Verwirrung, was die Abwärts-Kompatibilität anging. Es war vielen Anwendern nicht ohne weiteres möglich, Voices und Styles aus Premium Packs und von Drittanbietern in den Tyros5 zu laden. Dieser Voice-Transfer vom Tyros4 zum Tyros5 wird – so Yamaha – bis zum Sommer 2014 endgültig möglich sein. Die meisten Voices sind jetzt schon ladbar. Dafür benötigt man die Computer-Software Yamaha Expansion Manager (YEM). Bisher ist nur eine Windows-Version online, im Februar soll eine MacOS-Version folgen. Mit dem YEM ist der Transfer von für den Tyros4 gekauften Yamaha Premium Packs in den Tyros5 möglich. Im Mai 2014 soll die Software in der Version 2.0 dann auch umfassende Voice Edit Funktionen enthalten, die an die Stelle des internen „Voice Creator“ des Tyros4 treten. Dann wird auch erstmals eine Erstellung von eigenen Voices auf der Basis von eigenen Samples für den Tyros5 möglich sein. Im Juli 2014 soll die Custom Voice Konvertierung dann vollständig möglich sein.

Schon jetzt ist Yamaha wegweisend, was die drahtlose Internetverbindung des Tyros5 angeht. Der mitgelieferte USB-WLAN-Adapter wird an der Rückseite eingesteckt und sorgt für eine schnelle Einbindung in ein bestehendes Netzwerk. Es gibt schon jetzt mehrere Apps für iPad und iPhone, die sich mit dem Tyros5 austauschen. Mit dem „Repertoire Finder“ kann man Registereinstellungen anderer User für einen bestimmten Song im Internet suchen oder eigene Einstellungen mit anderen Spielern teilen. Ein kurzes Tippen auf dem iPhone und die komplette Registerbank stellt sich im Tyros wie von Geisterhand auf den gewünschten Song ein. Das schreit geradezu nach iPad-Apps zur Steuerung und Editierung des Tyros im Livebetrieb... Mit der App „MusicSoft Manager“ steht ein praktisches Tool zur Dateiverwaltung zur Verfügung. Backups zum Computer oder in die Dropbox werden bequem vom iPhone aus gesteuert. 

2 / 3
.

Verwandte Artikel

User Kommentare