Test
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29.05.2019

Praxis

Grundsätzliche Bedienvorgänge wie das Einschalten am Powertaster, über „Select“ einen der 29 internen Sounds wählen, oder die Lautstärke einstellen, gehen ohne ein Blick in das Handbuch von der Hand. Auch die via „Function“-Taster erreichbare Einstellungsebene ist nahezu selbsterklärend: Durch mehrmaliges Drücken die entsprechende Funktion auswählen und dann über den Select-Knopf den betreffenden Parameter ändern. Ein bisschen schwammig wird die Bedienlogik im Bereich der Effekte: Ruft man eines der Presets auf, werden auch die mitgespeicherten Effekte aufgerufen. Diese regelt man im Zusammenspiel aus Effekt-Schiebeschalter und anschließendem Justieren über das Effekt-Control-Poti nach.

Man muss also zum Ändern mehrerer Effekte im schlimmsten Fall alle Position des Schiebers einmal anfahren. Und leider werden die gemachten Einstellungen nicht gespeichert. Ebenfalls nicht ideal: Zwischen der Zero-Einstellung (off) und dem Einsetzen des Effektes gibt es eine kleine, aber hörbare Lücke. Neben den Preset-Effekten (Filter, Dynamics, Reverb und Chorus), die fest auf den Schieber adressiert sind, findet sich als letzte Position auch noch „Other“. Hier lässt sich aus den folgenden DSP-Effekten wählen: Distortion 1/2, Chorus, Flanger, Phaser, Tremolo, Rotary Speaker und Low-/Highpass-Filter.

Ebenfalls im Funktionen-Menü verstecken sich die Parameter für den integrierten Equalizer (Speaker, Boost, Line-Out und Mild), der Wirkbereich des Pitchbenders (0-12 Halbtöne) und das Portamento. Schön wäre es gewesen, hätte Yamaha dem Sonogenic SHS-500 in diesem Zusammenhang auch noch eine Mono-Funktion spendiert, die für das Spielen eines Lead-Synth eigentlich Pflicht ist. Auch versteckt – aber durch die drei Demo-Songs schon verraten: Das SHS-500 ist ein vollwertiger GM-Klangerzeuger. Warum Yamaha das nicht explizit erwähnen bleibt ein Rätsel. Jedenfalls lässt sich das Keyboard auf allen 16 MIDI-Kanälen ansprechen und Sounds können via Programm-Change-Kommando gewechselt werden.

Was die mechanischen Qualitäten angeht, und sieht man einmal vom eingangs erwähnten etwas wackeligen Stand ab, trägt sich das Umhängekeyboard durchaus gut, was nicht zuletzt an dessen geringen Gewicht liegt. Auch das ergonomische Spielverhalten mit Pitch und Modulation in der linken Hand geht in Ordnung, gleichwohl es schön gewesen wäre, wenn der Daumen eine Art Griffmulde vorfinden würde, um bei heftigen Modulationsbewegungen ein bisschen mehr Kontrolle am Hals auszuüben.

Man sollte sich beim Umhängen allerdings immer vergewissern, dass die Ösen des Gurtes nicht verdreht sind. Hängt man sich das Keyboard nämlich so um, wie auf dem folgenden Bild gezeigt, rutscht der Gurt sehr leicht aus der Lasche und das Instrument landet auf dem Boden. Ebenfalls nicht ideal: Die Position des Volume-Reglers am rechten Rand. Denn oft kommt man – will man die Lautstärke nachjustieren – mit der Hand an das Select-Poti und verstellt dort aus Versehen den Sound.

Klang

Die Klangerzeugung basiert auf Yamahas solider AWM-Sampling-Synthese. Die interne Polyphonie leistet 48 Stimmen und hält den gesamten GM-Vorrat an Sounds bereit. Aus den 48 Stimmen bedient sich allerdings auch die Jam-Funktion (dazu im Folgenden mehr).

Soundtechnisch wird hier solide Mainstream-Kost geboten: Alle Sounds sind  mit funktionierender Anschlagdynamik programmiert und klanglich dem entsprechend, was man sich darunter vorstellt. Besonders gut gefallen haben mir die Solo-Instrumente ‚Harmonica‘, ‚E-Piano‘ und ‚Jazz Guitar‘ sowie der expressive Synth-Sound ‚Quack Lead‘, weil sie gut mit der Spielbarkeit der Tastatur harmonieren. Viele der Solo-Sounds sind mit einem deutlichen Vibrato in der Sustain-Phase ausgestattet, was dem Realismus hörbar zuträglich ist:

Video: Alle Sounds im Schnelldurchlauf:

(Video: Numinos)

Jam-Funktion

Betätigt man die „Jam“-Taste wechselt das SHS-500 in selbigen Modus. Hier kann man dann zu einem der drei Demo-Songs munter vor sich hin solieren. Wem es an der nötigen Griffsicherheit fehlt, der kann einen der fünf assistierenden Modi aktivieren (1 Finger, Backing, Melody A/B/C). Sie bewirken, dass alle gespielten Noten automatisch an die Skala des aktuellen Akkords angepasst werden.

Unklar blieb mir allerdings, wie man dem SHS-500 eigene Jam Tracks in Form von MIDI-Dateien einverleibt. Zwar bietet die „Chord-Tracker“ App (mehr dazu gleich) die Option „Send To Instrument“, quittiert das Auslösen allerdings mit der Meldung, dass das Instrument diese Daten nicht empfangen kann.

Chord-Tracker App

Für iOS bereits erhältlich und für Android angekündigt, ist die kostenlose App „Chord-Tracker“. Und die hat mich wirklich überrascht, denn damit ist es möglich, jeden beliebigen Audiotitel, der sich auf dem Mobilrechner befindet, oder den man der App via Dropbox-Link zur Verfügung stellt, harmonisch und metrisch zu analysieren. Ist das erfolgt, visualisiert die App den Akkordverlauf und das wahlweise als Noten, Akkordsymbole, Tabulatoren oder als Tasten. Mehr noch: Das Starten und Pausieren der Wiedergabe lässt sich über den Play-Taster im Griffbrett des SHS-500 fernsteuern, zudem werden die Akkordsymbole parallel zum Songverlauf im Display angezeigt.

Video: Chord-Tracker App

(Video: Numinos)

Hier greift dann (bei Bedarf) auch die „Jam“-Funktion korrigierend ein. Flankierend versucht ein optionaler „Melody Suppressor“-Algorithmus Melodie-Anteile im Audiomaterial zu maskieren, was allerdings eher bescheidene Ergebnisse liefert. Dennoch macht es ziemlich viel Spaß, sich – begleitet durch die App – mit wählbarer Geschwindigkeit, Transposition und sogar einer brauchbaren Loop-Funktion, durch Songs zu hangeln. Zumindest im Apple-Store wird keine Überprüfung vorgenommen, ob man denn auch Besitzer eines SHS-500 ist, so dass ich die Empfehlung ausspreche, sich die App einfach mal runter zu laden, da sie extrem hilfreich ist, um Songs zu analysieren.

Konnektivität

Wie eingangs erwähnt, liegt eine besondere Stärke des Keyboards in seiner Anschlussvielfalt: Audio-Eingang und Ausgang sind ebenso vorhanden wie MIDI über drei verschiedene Wege (DIN-, USB-, Bluetooth-MIDI). Verbindet man das SHS-500 mit dem Rechner, zeigt sich, dass es sogar eine vollwertige Stereo-In/Out Soundkarte ist. 

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