Gitarre Bass Workshop_Folge
Workshop
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05.06.2017

Workshop Songtexte schreiben lernen #1

Tipps, Tricks und Inspirationen

1.1 Worüber schreibe ich?

Die zentrale Fragestellung am Anfang des Songwriting-Prozesses - und damit auch der Startpunkt unseres Workshops Songtexte schreiben - ist natürlich das Thema, über das man schreiben wird. Da jedoch die Interessen, Geschmäcker, Fantasien und persönlichen Erfahrungen von Menschen höchst unterschiedlich sind, ist es so gut wie unmöglich, hier ganz konkrete Ratschläge im Einzelnen zu geben. Doch ein paar allgemeine Anhaltspunkte gibt es. Alle drei Interview-Partner raten grundsätzlich dazu, Themen zu behandeln, die einen selbst ansprechen. Und dass es wichtig ist, zu fühlen, was man schreibt. Man sollte ehrlich sein und besonderen Wert darauf legen, wie man eine Geschichte erzählt. Keine große Rolle spielt es demnach, ob man autobiografisch, rein fiktiv oder einen Mix aus beidem schreibt. Die Erzählung soll eine Realität, eine Welt entstehen lassen, und von der Tatsache, dass viele Themen unter Umständen schon von anderen zuvor gewählt worden sind, sollte man sich nicht weiter beeindrucken lassen. 

Themen, über die man schreiben kann, gibt es genug. Vielleicht muss man seine Sensibilität schulen, damit man sie auch findet. Augen und Ohren auf heißt es deswegen, denn grundsätzlich sollte alles, was man erlebt, alles, was Gefühle auslöst, für ein Songtext-Thema geeignet sein. Aber auch bei anderen Künstlern sollte man gut zuzuhören, bei Geschichten, die andere erlebt haben, im Freundeskreis, ein Gesprächsfetzen am Nebentisch oder in der S-Bahn kann der zündende Funke sein, Dialoge in Filmen, Themen aus Büchern, aus den Medien oder auch der Werbung ... die Welt ist voller Informationen und Denkanstöße. Stoff für Geschichten gibt es reichlich!

Simon Triebel

Wie kommst du auf deine Themen, was inspiriert dich?

Simon Triebel: "(...) der Alltag, was man so erlebt ... auch Geschichten, die ich von Freunden höre. Man wird ja öfters mal gefragt, wie man so etwas Berührendes schreiben könne, dabei denke ich, ist das eigentlich gar keine so große Kunst. Man muss nur in sich hineinhorchen und es in ehrliche Worte verpacken. Am Ende des Tages haben wir alle die gleichen Probleme oder Sehnsüchte. Denke ich."

Schreibst du immer autobiografische Texte?

Simon Triebel: "Ja und nein. Oft kommt zum "Persönlichen" noch die Fantasie dazu und macht die Geschichte, die ich erzähle, noch anders. Es ist wie im Kino: Eine Geschichte, die gut erzählt wird, muss nicht unbedingt selbst erlebt worden sein (...)"

Sasha

Hast du eine bestimmte Arbeitsweise deine Texte zu schreiben? Womit beginnst du beispielsweise?

Sasha: "Ich bevorzuge eigentlich immer die Strategie des "auf offenem Ozean Fischens", um dann zu gucken, wo die dicksten Fische sind. Sprich, ein Thema finden und sich von Bildern und Assoziationen, die einem dazu einfallen, inspirieren zu lassen. Mit einem etwas allgemeinen "Arbeitstext" beginnen, um ihn dann Stück für Stück zu verfeinern. Alles wegtun, was nicht so gut ist, und dann bleibt irgendwann ein Kern übrig. Das kann man sich auch vorstellen wie einen Trichter, der immer enger wird."

Bevorzugst du eine bestimmte Umgebung um Ideen zu bekommen?

Sasha: "Am liebsten fahren wir weg und mieten uns für zwei Wochen eine Finca auf Mallorca oder so. Fleißarbeit kann man auch zu Hause machen, was bei uns zugegebenermaßen die Texte sind. Aber die Grundideen wie Thematiken oder erste Ansätze für einen Chorus machen wir meistens woanders. Ich fahre auch gern zu meinem Bandkollegen und Produzenten Olli Rüger nach Frankfurt. Da bin ich dann auch woanders, es für mich wichtig "weg" zu sein. Am liebsten bin ich dort, wo die Ablenkungsgefahren nicht so groß sind. Am liebsten ohne Handy, W-Lan und so weiter. Natürlich kann ich auch in der Großstadt schreiben, aber das ist anders, da kommt etwas anderes bei heraus, denn man ist ständig abgelenkt. (...)"

Was ist dir wichtig in deinen Texten?

Sasha: "Früher waren es auf jeden Fall andere Dinge als heute. "If You Believe" beispielsweise ist ein schönes Lied, aber der Text ist dann doch auch sehr einfach. (...) Ich war damals ja außerdem auch mehr Co-Writer, die meisten Songs hatte mein Produzent geschrieben. Heute dagegen will ich lieber mehr von mir erzählen, meine Erfahrungen oder die, die ich aufgesammelt habe, in Worte und Melodien fassen."

Bosse

Wie kommst du auf deine Themen, was inspiriert dich?

Bosse: "Das kann ich gar nicht so sagen, also ich blättere jetzt nicht Zeitschriften durch, lese nicht die GEO oder so. Ich finde, es gibt auch so wenig tolle Geschichten in Zeitschriften. Ich habe das eine Zeit lang mal probiert, als mir nichts eingefallen ist. Habe angefangen, Bücher zu lesen und so weiter ... Letztlich finde ich es aber immer besser, einfach abzuwarten. Irgendwas passiert dann schon! Wenn ich für mich selbst schreibe - ich schreibe ja auch für andere Künstler - sind das Sachen, die mir persönlich wichtig sind, von denen ich irgendwie zehre. Und das ist meistens eine Gefühlswelt. Wie man das dann verpackt, in Bildern, in Geschichten, das ist dann die eigentliche Arbeit am Text. Und die Themen handeln doch immer von den gleichen fünf, sechs, sieben Dingen, die mir wichtig sind.Ich habe letztens einen Song geschrieben, der "Wartesaal" heißt. Er handelt davon, dass man als Mensch immer auf irgendetwas wartet, in irgendwelchen Sälen. Aber am Ende des Songs kommt dann halt die Wendung, dass die beiden Personen, die da sitzen, eben im "Wartesaal zum Glücklichsein" sitzen. Und dann geht die Tür auf und so weiter. Diese Idee entstand, als ich beim Arzt im Wartezimmer saß, zwei Stunden lang die Gala durchgeblättert habe und dachte: "Das nervt mich hier alles!" Diese Ideen sind mir dann eigentlich immer die liebsten! Was ich nicht so gerne mag, sind so "tolle Wörter" zu haben wie "Sommerregen", und dann darüber ein Lied zu schreiben, nur weil ich das Wort gut finde."

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