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28.01.2020

Workshop: Drum Loops kreativ nutzen!

Tutorial: Chopping, Sampling, Sounddesign – mit DAW-Mitteln Loops bearbeiten

Zerhack‘ die Drums!

Drumloops sind das Groove-Salz in jeder Beatsuppe. Kick, Snare und Hihat sind schnell programmiert, eingespielt und quantisiert, richtig funky wird’s dann aber meistens erst, wenn man die Loops aus echten Drums oder Percussion-Instrumenten mit dem eigenen Beat kombiniert. Bevor eure Loop-Libraries jetzt aber die Terabyte-Grenze überschreiten, damit ihr wirklich ALLE Shaker-Variationen beisammenhabt, zeigen wir euch, welche verschiedenen Möglichkeiten euch schon ein einzelner Drumloop bietet.

Drumloops sind im Producer-Alltag eine echte Falle. Zum einen kann es zur Sucht werden, Loops zu suchen, finden, kaufen, sammeln und sortieren, die Festplatte um Festplatte zumüllt, uns vom eigentlichen Musikmachen aber abhält. Zum anderen wird man beim Kombinieren von Drum- und Percussionloops mit dem eigentlichen Beat schnell dazu verleitet, zu viele und viel zu unterschiedliche Loops auszuwählen. Akustisches Chaos ist vorprogrammiert. Das muss aber nicht sein, denn moderne DAWs bieten derart viele Möglichkeiten, Audiomaterial zu bearbeiten und zu verfremden – aus einem Loop lassen sich bereits unendlich viele neue Sounds und Kombinationen erzeugen.

Für diesen Workshop wurde Ableton Live verwendet, die hier gezeigten Möglichkeiten könnt ihr aber auch ohne große Probleme in eure DAW übertragen. Grundsätzlich könnt ihr diese Techniken außerdem natürlich auch auf allen anderen Loops, Samples und Aufnahmen anwenden, sogar auf euer gesamtes Projekt. Einmal alles bouncen, die fertige Audiodatei wieder ins Projekt importieren und sich selbst remixen. Oder ihr nutzt das Slicen, um an einer Stelle einen besonderen Fill oder Break zu erzeugen. Der ganze Track läuft rückwärts für einen Takt, die Tonhöhe geht nach oben und so weiter. 

Der Loop stammt aus dem Pack „Break Beats Volume One“ von Circles Drum Samples und wurde auf Splice gefunden.

Editing – schneiden, rückwärtsdrehen und umbauen

Bei unserem Drumloop, der – wenn man sich das Timing und die variierende Lautstärke der Schläge anschaut – ganz offensichtlich nicht programmiert ist, versuchen wir nun, den Rhythmus umzubauen. Mit den Schnittwerkzeugen eurer DAW schneidet ihr einzelne Kick-, Snare- oder Hihat-Schläge aus, verschiebt sie im Raster, könnt dazu die Tonhöhe der Schnipsel noch variieren und sie, wenn ihr ganz verrückt unterwegs seid, sogar noch rückwärtslaufen lassen.

Je nachdem welches Programm ihr benutzt, ist es super wichtig, Fades zu setzen, wenn ihr Audio zerschneidet. Bei manchen DAWs wie beispielsweise Ableton passiert das automatisch. Geschieht das nicht, kann es bei derart rustikalem Zerschneiden beim Abspielen knacken. 

Die polyrhythmische Pan- und Pitchkombi

Keine Sorge, man muss für dieses Thema nicht Rhythmuslehre für Fortgeschrittene belegt haben, ganz im Gegenteil. Eine sehr simple Methode, um aus einem einfachen Loop schnell neue Ideen zu zaubern, ist folgende Kombination. Dupliziert die Spur mit dem Loop, sodass ihr zwei Spuren mit demselben Loop an derselben Stelle habt. Jetzt eine Spur nach ganz links pannen, die andere nach ganz rechts und – anknüpfend an die vorherige Technik – die Tonhöhe eines der beiden Loops um beispielsweise drei Halbtöne nach oben verändern. Dürfte bis jetzt nicht besonders spektakulär klingen.

Wenn ihr jetzt aber einen der beiden Loops im voreingestellten Raster, meistens sind es Sechzehntel, um ein Sechzehntel oder Achtel nach vorne oder hinten verschiebt, bekommt das Ganze in Kombination mit dem breiten Panning und den verschiedenen Tonhöhen einen ganz eigenen Groove. Noch interessanter (oder chaotischer) kann es werden, wenn ihr das Raster auf eine triolische Zählzeit umstellt und den Loop so verschiebt. Im Soundbeispiel wurden insgesamt drei Kopien des Loops erstellt: Eine links, ohne Veränderung. Eine rechts, drei Halbtöne höher und um eine Sechzehntel verschoben. Eine Kopie in der Mitte, drei Halbtöne tiefer und um eine Achtel verschoben.

Algorithmus-Musik – extremes Timestretching

Diese Technik geht eher in Richtung Sounddesign als Audiobearbeitung, kann aber je nachdem welchen Algorithmus eure DAW nutzt, sehr ungewöhnliche, unerwartete Ergebnisse bringen. Alle modernen DAWs bringen Algorithmen mit, die Timestretching möglich machen, also die Tempoveränderung von Audiomaterial, ohne dass sich dessen Tonhöhe mitverändert. In Ableton Live heißt diese Funktion beispielsweise Warping, in Logic Pro-X heißt sie Flex, in Cubase VariAudio und in Pro Tools Elastic Audio. 

Die Idee ist jetzt, diese Funktion an ihre Grenzen zu bringen. Die meisten DAWs teilen ihre Algorithmen auf, je nachdem ob rhythmisches, melodisches oder polyphones Audiomaterial gestretcht werden soll. Einfach mal den „falschen“ Algorithmus auswählen, jetzt das Projekttempo auf die langsamste Geschwindigkeit stellen (meistens 20 bpm) und das Resultat auf einer neuen Audiospur aufnehmen. Zurück zum normalen Tempo habt ihr jetzt einen Loop, der vollkommen anders klingt und unter Umständen sogar interessanter ist als vorher. 

Klau den Groove – Groovepattern zum Quantisieren

Eine der größten Schwierigkeiten vieler Beatproducer: Sie sind keine funky Drummer. Oft werden MIDI-Noten lieblos ins starre Raster gemalt und man wundert sich, warum alles so starr, so maschinell klingt. Nichts groovt, keine Hüfte wackelt, kein Kopf nickt. Klar kann man mit dem MIDI-Malen schön weitermachen, Velocities variieren, einzelne Schläge leicht versetzen – aber das ist doch eine furchtbar indirekte Art Musik zu machen. Warum nicht einfach bei denen den Groove holen, die es live spielen?

In den meisten DAWs gibt es Funktionen, die den Groove aus einer Audiodatei, vorzugsweise einem Drumloop, als Quantisierungsmuster auslesen können. In Ableton heißt die Funktion „Grove extrahieren“, in Logic Pro-X „Groove-Template erstellen“. So ein Drumloop kann also selbst dann sehr nützlich sein, wenn er soundtechnisch überhaupt nicht zu eurem Beat passt. Groove auslesen, auf euren MIDI-Beat anwenden und ab geht die Disco.

In den Sampler slicen – mein Groove, deine Sounds

Nehmen wir mal anknüpfend an die gerade eben beschriebene Technik genau das gegenteilige Szenario als Beispiel: Ihr feiert die Sounds in einem Drumloop, der eigentliche Rhythmus bringt euch aber nur zum Gähnen. Jetzt könnte man mühsam die einzelnen Sounds Schnitt für Schnitt freistellen und dann irgendwie am Raster so zusammenreihen bis etwas Neues entsteht. Oder man lässt die DAW das Schneiden erledigen und lädt die fertigen Slices dann noch automatisch in einen Sampler, damit ihr die Sounds wie eine Drummachine spielen könnt. 

Auch die „Slice-to-MIDI“-Funktion beherrschen die meisten DAWs von Haus aus. 

Effekthascherei – Drumloops mit Effekten verfremden

Bisher wurden Equalizer, Verzerrer, Delay und Reverb bei der Veränderung des Drumloops noch nicht angetastet. Alle sind in jeder DAW dabei und bringen hervorragende Verfremdungsmöglichkeiten mit. Angefangen vom Sound wie durch das Telefon mit Equalizer (Tiefen und Höhen filtern) und Verzerrer über Schlagzeugspiel im Stadion mit einem Reverb mit langer Hallzeit bis zum kompletten Umkrempeln mit verschiedenen Kombinationen der Effekte (inklusive Automation!) braucht es da gar nicht irgendein teures externes Plugin.

Die hauseigenen Effekte reichen – gerade wenn es um Sounddesign geht – vollkommen aus. Also Delay auf Spur, im Ping-Pong-Modus, dass die Echos schön um die Ohren sauen. Dann EQ auf die Audiospur und Tiefen und Höhen rausdrehen, damit es schön nach Telefon klingt. Zum Schluss mit der Verstärkersimulation oder dem Distortion-Plugin anzerren und das Ganze mit einer Prise Flanger etwas weicher und verschwommener machen. Sound-Wunderland!

Auf geht’s!

All diese beschriebenen Techniken und Manipulationen funktionieren in der Form nur oder fast nur mit Audiodateien. Für das Rückwärtslaufen, Timestretching oder die KI-Plugins könnt ihr keine MIDI-Dateien nehmen. Und falls euch keine Drumloops gefallen oder die eigene Sammlung zu klein ist: Die meisten von uns tragen mit dem Smartphone ein für diese Zwecke oft völlig ausreichendes Aufnahmegerät mit sich rum. Langeweile beim Abwaschen? Aufnahme an, mit den klebrigen Löffeln mal eine Minute auf der Bratpfanne getrommelt. Und schon habt ihr einen Loop, den ihr dann weiter verfremden könnt. 

 

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