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16.02.2017

Workshop: Bassbrücke einstellen

„Wann, wie und warum muss ich die Bridge meines Basses nachjustieren?“

Tipps & Tricks für den perfekten „Do it yourself“-Service am eigenen Instrument

Nachdem man die Halskrümmung genau eingestellt hat, was ihr in meinem letzten Workshop gelernt habt, ist der zweite Schritt zum perfekt eingestellten Bass die genaue Justierung der Saitenlage - also des Abstandes, den die Saiten zum Griffbrett einnehmen. Natürlich beeinflusst auch bereits die Justierung der Halskrümmung die Saitenlage zu einem gewissen Anteil, aber die entscheidende Feineinstellung wird an der Brücke (auch Steg oder Bridge genannt) ausgeführt.

Die Saitenlage eines Instruments entscheidet über den Spielkomfort, den der Bassist erfährt. Je flacher die Saitenlage an der Brücke eingestellt wird, desto leichter lassen sich die Saiten durch die Finger der Greifhand herunterdrücken, da der Kraftaufwand geringer ausfällt. Das ist besonders dann relevant, wenn sehr filigrane Spieltechniken eingesetzt werden, wie z.B. das Slapping oder Tapping, bei denen das Left-Hand-Hammering eine große Rolle spielt.

Der Nachteil einer flachen Saitenlage ist aber das Risiko zunehmender störender Nebengeräusche in Form von Rasseln, Klingeln oder Scheppern. Und auch die Stärke, mit der die Saiten angeschlagen werden, bildet natürlich eine abhängige Größe in punkto Nebengeräusche. Je stärker eine Saite angeschlagen wird, desto stärker ist auch ihre Schwingungsauslenkung und somit die Gefahr, dass der schwingende Teil der Saite die darunter liegenden Bünde streift und auf diese Weise die angesprochenen metallischen Nebengeräusche erzeugt.

Die Entstehung ungewollter Klangphänomene ist allerdings noch von weiteren Faktoren abhängig - nicht nur ausschließlich von der Saitenlage und der Anschlagstärke. Sehr starken Einfluss übt etwa auch die Saitenspannung aus, die ihrerseits wiederum zunächst von drei Faktoren abhängig ist: Mensurlänge, Saitenstärke und Saitenmaterial.

Mensurlänge

Je länger die Mensur eines Basses ist, desto stärker wird die Zugspannung der Saiten. Dies begünstigt einerseits einen sehr definierten und drahtigen Sound speziell der tiefen Saiten, weswegen extralange Mensuren besonders gerne für 5-Saiter-Bässe verwendet werden. Da die Saitenspannung sehr hoch ist, kann man bei extra langen Mensuren auch dünnere Saiten verwenden, die selbst bei flacher Saitenlage vergleichsweise wenig Scheppern erzeugen werden. Dünnere Saitenstärken, speziell bei der tiefen B-Saite angewendet, klingen klaviertonartiger und liefern daher speziell bei Extra-Longscale-Instrumenten eine interessante Klangoption.

Je kürzer eine Mensur wird, desto geringer wird die Saitenspannung. Wer sich die Wirkung der Mensurlänge auf die Saitenspannung selbst einmal schnell vergegenwärtigen will, braucht nur ein kleines Experiment zu machen. Stimmt hierzu zunächst die G-Saite eures Basses mithilfe eines Tuners. Jetzt greift ihr den ersten Bund auf der G-Saite. Das Stimmgerät zeigt nun an, dass ein G# erklingt. Jetzt stellt ihr euch vor, dass der erste Bund einen Sattel repräsentiert. Das heißt, ihr habt die Mensur um einen Bund verkürzt. Nun stimmt den Bass mittels des Tuners so, dass auf dem 1. Bund wieder ein G klingt und nicht ein G#. Fazit? Man muss die Spannung der Saite reduzieren, um bei einer kürzeren Mensur den gleichen Zielton zu erhalten. Ihr werdet feststellen, dass sich die Zugspannung der Saite bei diesem Experiment drastisch verringert!

Um die Zugspannung trotz fest vorgegebener Mensur zu variieren und in einem gesunden Verhältnis zu halten, kann man zum Ausgleich dickere oder dünnere Saiten verwenden. Hier kommt also Faktor 2 ins Spiel: die Saitenstärke!

Saitenmaterial

Natürlich ist das Material, aus welchem die Saite besteht, ebenfalls ausschlaggebend für Eigenschaften wie Zugspannung und Flexibilität. Selbst wenn man identische Saitenstärken verwendet, wird man feststellen, dass Saiten mit Stahl-Legierungen sich fester anfühlen als beispielsweise Saiten mit Nickel-Legierungen.

Darüber hinaus gibt es noch zwei bislang nicht erwähnte Elemente, die ebenfalls die Nebengeräuschbildung beeinflussen können:

Saitentyp

Geschliffene Saiten, als Flatwounds bezeichnet, bieten aufgrund ihrer Beschaffenheit mit einer glatten Oberfläche weniger Höhen im Frequenzspektrum. Außerdem sind sie durch die glatt aneinander liegenden Wicklungen steifer als ungeschliffene (sog. Roundwound-)Saiten. Sie besitzen daher ein geringeres Sustain und scheppern weniger stark gegen die Bünde.

Dagegen liefert eine Roundwound-Saite ein wesentlich breiteres Frequenzspektrum und ein längeres Sustain, erzeugt aber naturgemäß schneller Nebengeräusche. Soundästhetisch erfahren Flatwound-Saiten ja in den letzten Jahren eine Renaissance, nachdem sie für die Dauer von ca. 30 Jahren ein breites Tal der Bedeutungslosigkeit durchschritten haben.

Bundabrichtung

Ein Bass kann noch so ideal hinsichtlich Halskrümmung und Saitenlage eingestellt sein und trotzdem in bestimmten Griffbrettregionen stärker scheppern als in anderen. In diesem Fall liegt das Problem wahrscheinlich in unterschiedlich hohen Bünden in einem Teilbereich des Griffbretts. Schon ein Bund, der minimal weiter hervorragt als die davor liegenden Bünde, also zwischen dem "Sündenbock" und dem Steg, kann dazu führen, dass eine flache Einstellung der Saitenlage nahezu unmöglich wird.

Auch wenn man Bünde durchaus selber abrichten kann, würde ich immer dazu raten, diese Arbeit einem Fachmann zu übertragen, der über ausreichend Erfahrung auf diesem Gebiet verfügt. Seit 1990 gibt es übrigens auch ein hervorragendes computergestütztes Verfahren namens PLEK. Hier lohnt sich ein kleiner Exkurs zu diesem weltweit einzigartigen Bundabrichtungsverfahren!

PLEK-Bundabrichtung

Bünde können von guten Gitarrenbauern durchaus zufriedenstellend per Hand abgerichtet werden. Die beiden Gründer der Berliner Firma PLEK, Gerd Anke und Michael Dubach, gehen in ihrer Philosophie jedoch davon aus, dass keine noch so erfahren geführte Menschenhand so exakt arbeiten kann wie ein Computer. Das dürfte auch zutreffen, denn sonst könnten wir wohl auch per Hand Mikroprozessoren herstellen. Mit dieser Erkenntnis entwickelte man eine computergesteuerte Maschine mit einem speziell für Bundabrichtung modifizierten Programm, welches ursprünglich für Edelsteinschliffe erfunden worden war.

Der Kernpunkt der PLEK-Philosophie ist es, den Halszustand NACH optimaler Einstellung von Halskrümmung, Saitenlage und Stimmung unter gespannten Saiten im aufrecht stehenden Zustand zu vermessen. Der entscheidende Unterschied zum manuellen Abrichten liegt darin, dass beim PLEK-Verfahren die Messung unter Saitenzug und dementsprechend der vom Kunden bevorzugten "Arbeits-Halskrümmung" vorgenommen wird. Der Hals wird mit gespannten Saiten Bund für Bund gescannt. Auf diese Weise wird ein exaktes "Ist-Profil" erstellt. Nun hat der Bassist die Wahl zwischen verschiedenen Abrichtungs- und Einstellungsmodi - die Range reicht von "ultraflach" bis "sehr hoch".

Nach Eingabe der Kundenwünsche erstellt der Computer mithilfe der gescannten Daten und der kompletten Halsinformationen (Mensurlänge, Sattelbreite, Halsbreite 12. Bund, etc.) ein "Soll-Profil". Anhand dieses Soll-Profils beginnt die Schleifeinrichtung nach dem Abspannen der Saiten jeden Bund einzeln gemäß der errechneten Spezifikationen auf den 100stel-Millimeter exakt abzuschleifen. Dabei kann die Maschine durch die individuelle Bundbearbeitung bei Bedarf sogar ein neues Griffbrettprofil schaffen, etwa wenn das Griffbrett relativ gerade sein sollte, für die Spielweise des Bassisten aber ein leicht gewölbtes Shaping vorteilhafter wäre. Voraussetzung ist natürlich, dass der Bunddraht noch hoch genug ist.

Entscheidend ist bei diesem Verfahren jedoch, dass es gelingt, ungewolltes Saitenschnarren und über den Hals verteilte unsaubere Bundstellen vollkommen zu eliminieren. Der Erfolg scheint der Firma PLEK Recht zu geben - das Verfahren etablierte sich mittlerweile weltweit. Technischer Berater der Firma PLEK ist inzwischen übrigens auch der legendäre Gitarrenbauer Joe Glaser aus Nashville, der 2001 der erste Käufer einer PLEK-Maschine in den USA war und seitdem an der kontinuierlichen Weiterentwicklung des Systems mitwirkt.

Saitenlage justieren

Zum Abschluss bekommt ihr im folgenden Video noch detaillierte Tipps und Anleitungen zur Einstellung der Saitenlage an der Bridge. Achtung: das Einstellen der Oktav- und Bundreinheit behandele ich gesondert in einem späteren Workshop!

Ich wünsche euch viel Spaß und Erfolg bei den Servicearbeiten an euren Instrumenten. Und immer daran denken: Im Zweifelsfall besser stets einen Fachmann hinzuziehen!

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