Test
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29.04.2019

Praxis

Färbend, aber transparent

In der Praxis zeigt sich das Wam Audio WA-251 direkt als ein Soundmaker, der aber nicht übertrieben zu Werke geht. Mir gefällt auf Anhieb, dass der Klangcharakter zwar über deutliche Anreicherung mit Harmonischen einhergeht, das Grundsignal dabei jedoch transparent bleibt. Das gelingt bei Weitem nicht jedem preiswerten Röhrenmikrofon. Insgesamt ist es zwar von sehr guter Detailzeichnung und Feindynamik, aber ein wenig weicher als das Microtech Gefell UM 92.1S, welches immer auch ein wenig „Ellenbogen“ im Mix zeigt und oft entsprechend gezähmt werden muss. Besonders im Bereich zwischen 20 und 50 Zentimetern ist das WA-251 sehr schön ausgewogen, zeigt feine, wohldosierte Höhen und eine effektive Verringerung des Zischbereichs. Ich meine, den Übertrager etwas stärker heraushören zu können als beispielsweise beim 92 und dieses als etwas signalferner wahrnehmen zu können. Das ist jedoch minimal – und rechtfertigt natürlich auch den enormen Preisunterschied des 251 zu meinem Gefell. Dieses kostet deutlich mehr als drei Mal so viel. Der generelle Klangcharakter bleibt auch bei geringeren Abständen vorhanden, wenngleich die Transparenz etwas stärker abnimmt als beim UM 92.1S. Es dröhnt beim Warm Audio aber glücklicherweise nichts, wenngleich der etwas fundamentalere Bass, der dem Original nachgesagt wird, im Warm durchaus umgesetzt wurde. Und auch die nicht axiale Besprechung meistert das WA-251 in Nierenstellung sehr gut: Als Instrumentenmikrofon mit einigem Raumklang und bei Spill, ob bewusst oder unvermeidlich, ist das 251 eine gute Besetzung. Sogar die Poppempfindlichkeit ist ganz gut.  

Niere - das beste Pattern

Wenn man das Pattern umschaltet, sollte man in jedem Fall die Abhöre muten, denn das knackst nicht nur ein wenig, sondern ganz gehörig. Im Omni-Modus, also auf Kugel geschaltet, zeigt sich das Warm Audio WA-251dann ein wenig löchriger als mein Vergleichsmikrofon, zudem fehlt dann auch Fundament. Schaltet man auf das bidirektionale Pattern der Acht, wird das axiale Signal nicht einfach wie bei vielen derartigen Mikros präsenter und knackiger, sondern für meine Begriffe etwas zu höhenarm und verliert in den Tiefen etwas Zeichnung. Für mich steht fest: Das Warm Audio WA-251 ist ein ganz toll klingendes Mikrofon – wenn man das Signal der rückseitigen Membran aus dem Signalweg lässt und dem dünnen Häutchen nur die Aufgabe der Richtwirkungssteuerung für die vordere zugesteht. Der Fairness halber muss ich sagen, dass diese Problematiken sehr viele ähnlich gebaute Mikrofone besitzen (darunter deutlich teurere) und der geschätzte Anteil der umschaltbaren Mikrofone, die im Praxisbetrieb niemals abseits der Nierenposition benutzt werden, bei wahrscheinlich deutlich über 75% liegt.  

Bis 10 Zentimeter Nähe klasse

Im Nahbetrieb kann das 251 nicht ganz mit MG UM 92.1S und Audio-Technica AT 5045 mithalten, zeigt sich aber besonders im Nierenpattern reichlich kontrolliert und nicht zu poppanfällig. Unter zehn Zentimetern Besprechungsabstand leiden im Vergleich die Höhen etwas. Mit 10 oder 15 Zentimetern hat man jedoch eine tolle Kombination: Edle Farbe, hohe Details, volle, wuchtige Bässe und gleichzeitig einen wichen und schmeichelnden Mittencharakter. Gerade für „harte“ Stimmen und kurzkonsonantige, spitze Sprachen und Aussprachen kommen diese Eigenschaften wie gerufen.  

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