Test
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11.06.2019

Praxis

Inbetriebnahme

Nach dem Einschalten ist der ‚Legend Exp‘ nach ca. 2,5 Sek. betriebsbereit und kann sofort genutzt werden. That’s it.

Klang

Doch wie klingt das Ganze? Die folgenden Audiobeispiele zeigen wie der Orgel-Expander a) als komplette Orgel, gespielt mit den Sektionen UPPER, LOWER und PEDALS klingt, b) im Kontext mit Drums und E-Bass. Beim ersten Beispiel wurde das für Jazz geeignete Orgelmodell `50 verwendet. Dabei wurden Zugriegel bedient und Percussion, Overdrive, Vibrato/Chorus, Leslie und Hall eingesetzt sowie ein angeschlossenes Expression-Pedal verwendet. Das volle Programm. Das zweite Beispiel zeigt das Orgelmodell `70 mit einer etwas rockigeren Einstellung im Gefüge mit Schlagzeug und Bass.

Der Gesamtsound kommt recht authentisch rüber. Gerade bei der Verwendung der unteren Fußlagen 16‘, 5 1/3‘, 8‘, 4‘ und 2 2/3‘ klingt der ‚Legend Exp‘ toll und grollt schön, wenn der Overdrive-Effekt leicht dazu gemischt wird. Die höheren Fußlagen mit 2‘, 1 3/5', 1 1/3‘ und 1‘ zeigen sich für meinen Geschmack etwas glasig, dünn, was in der Grundstruktur der generierten Wellenformen selbst liegt. Sie sind in ihrer Basis zwar nicht änderbar, aber mithilfe des Legend Editors durch Anpassen der Lautstärken einzelner Fußlagen und unter Einsatz des Equalizers in Zaum zu halten.

Das ist Kritik auf hohem Niveau, aber durchaus erwähnenswert, denn manche Orgeltypen im 'Legend Exp' zeigen dieses Phänomen recht deutlich. Die Nachbearbeitungsmöglichkeiten des ‚Legend Editors‘ sind an dieser Stelle zu loben, denn durch ihn lässt sich der 'Legend Exp' auf die eigenen Vorlieben hin recht einfach anpassen.

Im Vergleich zu meiner favorisierten Software-Orgel ‚B5‘ von Acousticsamples wird deutlich, wie unterschiedlich die höheren Fußlagen und auch der Gesamtsound in Orgel-Simulationen klingen können. Hierbei ist zu erwähnen, dass beide Orgeln eine identische Zugriegeleinstellung, denselben Orgeltyp, aber deren eigene Leslie-Ausführungen verwenden.

Während die ‚B5‘ oben herum angenehm fett, rund und dennoch anders klingt, präsentiert sich der Viscount Legend Exp - mit demselben Zugriegelsetting - in der Werkseinstellung deutlich ausgedünnter. An dieser Stelle kommt der Legend Editor wieder ins Spiel, mit dem sich vieles angleichen lässt. In diesem speziellen Fall lässt sich das Klangverhalten der hohen Fußlagen des 'Legend Exp' mit den 'Horn'-Settings schon einigermaßen in den Griff bekommen, aber es geht eben nicht alles.

Im Klangangebot des ‚Legend Exp‘ befinden sich sechs unterschiedliche Orgelmodelle, von denen drei fest installiert sind (`30, `50, `70) und drei weitere (AL1, AL2, AL3), die durch im ‚Legend Editor‘ gebotene Modelle ausgetauscht werden können. Klanglich unterscheiden sich die sechs internen Modelle deutlich, sodass hier schnell Favoriten zu finden sind, die man obendrein noch im Legend Editor nachbearbeiten kann. 

Orgelmodell Beschreibung
`30: Typischer Sound der 30er, ohne Foldback beim 16‘ Zugriegel
`50: Typischer Sound der 50er und 60er, der sich besonders für Jazz eignet
`70: Typischer Sound der 70er, insbesondere für progressive Musik, Pop und Rock
AL1: Hammond BC Modell aus 1936
AL2: Hammond B3 Modell aus 1956
AL3: A100 Modell aus 1961

Wie sie klingen, zeigt das nächste Audiobeispiel, in welchem die internen Modelle (inkl. Leslie) nacheinander zu hören sind: `30, `50, `70, AL1, AL2, AL3.

Für einen authentischen Hammond-Sound sorgen neben dem Basissound der Orgel selbst auch die klassischen Vibrato/Chorus-Varianten, die am ‚Legend-Exp‘ via rastendem Poti eingestellt werden können sowie die Percussionen in 2nd und 3rd Versionen, die für den nötigen Biss sorgen.

Das Audiobeispiel zeigt den Orgeltyp ‚AL3‘ mit dem Vibrato ‚V3‘ gespielt über den ‚Direct‘-Out, ohne Leslie-Simulation in klassischer 1950er Registrierung.

Im nächsten Beispiel kommt der Orgeltyp `30 zum Einsatz inkl. Vibrato ‚C3‘ und 3rd Percussion sowie wechselnder Zugriegeleinstellung. Gespielt wird das Ganze über ‚Direct‘-Out ohne Leslie.

Die Vibrato/Chorus-Sektion klingt bereits im Werkssetup gut, kann aber über den Legend Editor noch weiter angepasst werden wenn es sein muss.

Effekte

Rotary

Nimmt man den internen Leslie-Effekt, Drive und Hall hinzu, klingt der ‚Legend-Exp‘ sehr vielschichtig und kann für diverse Vorhaben den passenden Sound bieten. Gerade der Klang rotierender Lautsprecher, im ‚Legend-Exp‘ ‚ROTARY‘ genannt, bietet großes Potenzial und kann, wie alle anderen Funktionen, im Legend-Editor nachträglich individuell eingestellt werden. Mit ‚Classic‘ und ‚Rock‘ stehen in der ROTARY zwei Klangtypen zur Verfügung, die sich durch unterschiedliche Mikrofon-Abnahmepositionen klanglich voneinander unterscheiden.

Wie sich die Einstellungen ‚Classic‘ und ‚Rock‘ klanglich voneinander unterscheiden, zeigt das folgende Audiobeispiel bei dem die Einstellungen ‚Classic‘ und ‚Rock‘ nacheinander wechseln. Gestartet wird mit ‚Classic‘, danach folgt ‚Rock‘. In der schnellen Rotations-Geschwindigkeit hört man deutlich die Unterschiede der beiden Effekt-Varianten. Gespielt wird mit Orgeltyp ‚AL2‘ in voller Registratur.

Dieselbe Zugriegeleinstellung nun mit demselben Orgelmodell in einer Phrase und den Einstellungen ‚Classic‘ und ‚Rock‘ getrennt:

Wird der ,MEMPHIS‘-Style gewählt, rotiert im virtuellen Kabinett nur das Horn, der Bass-Rotor steht zugunsten sauberer Bässe still. Hier ein cleaner Sound des Orgeltyps ‚AL1‘ der zeigt, worum es dabei geht.

Dieses Feature zu haben ist nett, mag es doch den einen oder anderen geben, der es für seinen Einsatz zu schätzen weiß. Der ‚ROTARY‘-Effekt klingt rund, lässt er doch mit den Einstellmöglichkeiten des Legend Editors noch viel Freiraum im Feintuning.

Drive

Für die richtige Würze im Orgelsound sorgen im ‚Legend Exp‘ digitale Verzerrer-Effekte (DRIVE), die auch hier in den Varianten ‚Classic‘ und ‚Rock‘ zur Verfügung stehen. ‚Classic‘ liefert den Overdrive eines klassischen Leslie-Kabinetts, während ‚Rock‘ echte Distortion für die Rock-Orgel bereitstellt. Das Schöne hierbei ist, dass sich der Effektanteil mit steigender Lautstärke über das Expression-Pedal, langsam in den Basisklang einfügt, eben wie im richtigen Leben. Für die Justierung der Effektstärke dient das DRIVE-Poti, mit welchem das gewünschte Maximal-Level schnell eingestellt werden kann.

Das folgende Audiobeispiel wurde mit dem Orgeltyp `50 nebst Vibrato ‚C3‘ und den ‚Classic‘-Einstellungen sowohl in der DRIVE- sowie der ROTARY-Sektion eingespielt, dabei wurde das Expressionpedal bewusst eingesetzt.

Wenn es rockiger sein soll, helfen die Einstellungen ‚Rock‘ im DRIVE- und ROTARY- Bereich des ‚Legend Exp‘. Hier ein Soundbeispiel für die härtere Gangart, bei dem sich auch der Distortion-Effekt über das Expression-Pedal proportional zur gewählten Lautstärke des gewählten Orgelsounds addiert. Der gewählte Orgeltyp ‚AL3‘ liefert dazu die passende Basis.

Im Legend Editor finden sich noch eine Reihe weiterer Effekt-Algorithmen für die Bereiche ‚Classic‘ und ‚Rock‘ des DRIVE-Bereichs, die nach Bedarf, nebst aller anderen möglichen Einstellungen, als neues Setup in den ‚Legend Exp‘ geschickt werden können.

Insgesamt wirken die gebotenen DRIVE-Effekte und deren Verhalten recht authentisch, was durch das sanfte Ansprechen mittels Expression-Pedalnutzung noch unterstützt wird. 

Reverb

Für den passenden ‚Raum‘ sorgen im ‚Legend Exp‘die Effekte ‚Hall‘ und ‚Spring‘ (Federhall), die entweder vor oder hinter die ‚ROTARY‘-Simulation gesetzt werden können und klanglich einen guten Eindruck hinterlassen. Die folgenden Audios zeigen den Hall sowie den Federhall (Spring) im Wechsel in ‚post‘ und ‚pre‘-Verschaltung.

Bass-Pedal

Die PEDALS Sektion arbeitet wie im Vorbild mit den Fußlagen 16‘ und 8‘ und kann mit einem regelbaren Sustain versehen werden, der den Ton nach Loslassen der Taste per gewählter Dauer langsam abklingen lässt. Dabei wird die Spielweise dann monophon. Diese Funktion ist für Legato-Basslines besonders interessant. 

Memorys & Presets

Mithilfe der 25 Memory-Speicher lassen sich praktische Szenarien bilden, in denen man später arbeiten möchte. So merkt sich jeder Speicherplatz die Grundeinstellungen der Orgel, sodass man verschiedenste Einsätze ohne großes Voreinstellen bestreiten kann. Heißt im Klartext:

  • In Memory 1 speichere ich einen bestimmten Orgel-Basissound, der aus einem spezifischen Orgelmodell und allen gebotenen Einstellung, nebst DRIVE, ROTARY-Typ, EQ etc. abgelegt wird (z. B. Einstellungen für Jazz).
  • In Memory 2 lege ich eine andere Grundeinstellung ab, die man für ein weiteres Szenario benötigt (z. B. Einstellungen für Rock).
  • ... etc. ...

So bietet Memory 1 z. B. alle meine gewünschten Grundeinstellungen für das Jazz-Trio, Memory 2 hingegen passt den Basissound auf die Anforderungen in der Rockband an, inkl. Distortion, ROTARY-Typ und allem, was man sonst noch so braucht. Für solche Vorhaben gibt es im ‚Legend Exp‘ 25 Speicherplätze. Das sollte reichen. Bei jeweilig angewählter Memory lassen sich auch die vier Presets (UPPER, LOWER, PEDALS) für eine Spontanumschaltung von Zugriegeleinstellungen nutzen sowie alle anderen Funktionen auch. Sehr schön! 

Im nächsten Audiobeispiel verwende ich Memory 1 für einen jazzigen Sound, Memory 2 hingegen zeigt eine Rock-Orgel. Gestartet wird mit Memory 1, und während des Spielens drücke ich Memory 2.

Verwenden der ,Legend Editor' Editorsoftware

Die Installation der Legend Exp Editorsoftware funktioniert problemlos und das Orgelmodul wird nach Klicken auf den ‚CONNECT‘-Button im Editorfenster spontan mit dem Editor verbunden. Im Editor lassen sich dann die folgenden Parameter, aufgeteilt in die Sektionen ‚Tone Generator‘, 'Vibrato and Chorus‘, 'Overdrive‘, 'Rotary‘ und 'Reverb‘, nach eigenen Vorstellungen ändern:

  • Signalpegel jedes einzelnen Zugriegels
  • Pedalboard-Lautstärke
  • Key-Click
  • Klangregelung des AO-28-Vorverstärkers
  • Vibrato- und Chorus-Effektparameter
  • Verzerrungsmodell auswählen
  • Parameter für die Rotary-Effekte und Leakage
  • Physikalische und akustische Parameter der beiden Reverbs
  • Austausch von Orgelmodellen
  • Speichern und Laden aller genannten Parameter auf und von dem Rechner

Das funktioniert ganz einfach und die vorgenommenen Einstellungen werden in Echtzeit mit dem Orgel-Expander synchronisiert. Hierbei empfiehlt es sich, die Sektionen nacheinander durchzuarbeiten und die gewünschten Zwischenstände per ‚SAVE‘-Funktion auf dem Rechner zu sichern. Sollte man sich bei den Einstellungen grundlegend vertan haben, hilft ein Klick auf den ‚RESET‘-Button, um alle werksseitigen Voreinstellungen wieder in den ‚Legend Exp‘ zu schicken.

Wer neue Orgeln ausprobieren möchte, kann diese von der Herstellerseite herunterladen. Insgesamt lassen sich bis zu drei neue Orgelmodelle mithilfe des 'Legend Editors' in den Orgel-Expander laden, die in den Speichern AL1, AL2 und AL3 Platz finden. Dadurch werden die dort bereits vorinstallierten Orgeltypen ersetzt. Der Vorgang ist einfach durchzuführen, jedoch muss man zuvor die zu ladenden Orgelmodelle heruntergeladen und auf der Festplatte vorliegend haben.

Das letzte Audiobeispiel zeigt die von der Viscount Support-Seite heruntergeladene A100, USA 1963. (Dateiname: A100_EP_18498_1963USA.ltw), bei welcher der Key-Click bearbeitet und lauter geregelt wurde und der ‚Joey DeFrancesco Classic‘ Overdrive (JDF Classic) eingesetzt wird.

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