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22.01.2020

Vergleichstest Schlagzeug-Kuhglocken - Cowbells für‘s Drumset

16 Cowbells mit Halterung im Direktvergleich

Süßer die Glocken nie klingen..?

In unserem Cowbell-Vergleichstest zeigen wir euch die gebräuchlichsten Cowbell-Typen und wie ihr sie an eurem Drum- oder Percussionset anbringen könnt. Darüber hinaus haben wir uns von einigen Herstellern wie LP, Meinl oder Millenium ein paar Testexemplare zukommen lassen, die wir euch hier und in einem Video präsentieren, damit ihr den direkten Vergleich habt. Viel Spaß!

Wenn bei euch bei den Begriffen „Gongue“, „Cencerro“, „Sonnaille“ oder „Campana“ nicht gleich die Glocken läuten, ist das nicht weiter tragisch, denn es sind hierzulande wenig verbreitete Begriffe für ein weltweit populäres Instrument: die Kuhglocke. In allen möglichen Größen, Formen, Farben und Tonhöhen erhältlich, ist sie ein maßgeblicher und unüberhörbarer Bestandteil vieler traditioneller und moderner Rhythmen.

Fragen rund um die Cowbell

Woran erkennt man Drumset-Cowbells?

Die Kuhglocken oder Cowbells für Drumsets, um die es hier geht, unterscheiden sich in einigen Punkten stark von denen, die die Kühe auf einer Alm um den Hals tragen. Sie besitzen keinen Stift im Inneren, der beim Grasen oder Laufen hin und her schwingt und so für den Ton sorgt, sondern werden mit einem Stick oder etwas ähnlichem gespielt. Statt einer Öse für ein Halsband sind sie mit einer Schraube zur Montage an einem Stativ versehen. Auch sind sie meistens nicht so bauchig geformt, sondern rechteckig bis rautenförmig. Die unterschiedlichen Materialien, Materialstärken, Bearbeitungsmerkmale und Formen der Cowbells sorgen für ihr spezifisches Timbre, wohingegen ihre Größe maßgeblich die Tonhöhe bestimmt.

Welche Cowbell-Größen gibt es?

Da die meisten Drumset-Cowbells an die Cowbells aus dem afrokubanischen Salsa-Instrumentarium angelehnt sind, ist eine Unterscheidung nach den drei gebräuchlichsten „Cencerros“, wie Kuhglocken auf Spanisch genannt werden, häufig sinnvoll. Tiefe Cowbells werden oft als Bongo-Bell bezeichnet, da sie in Salsabands vom Bongocero gespielt werden (Campana-Rhythmus). Die Bells im mittleren Tonhöhenbereich werden oft Mambo Bells genannt, da sie vom Timbalero in den lauteren Mambo-Sektionen gespielt werden (Contra Campana-Rhythmus). Die kleinen Cha Cha Bells geben im Cha Cha deutlich den Rhythmus vor.

Wie wird die Cowbell am Drumset befestigt?

Drumset-Cowbells sind mit Halterungen ausgestattet, mit denen sie an einem gebräuchlichen 3/8 Zoll (9,5 mm)-Haltestab befestigt werden können. Diesen gibt es in gerader Ausführung sowie in L-oder Z Form, zur Bassdrum- oder Stativmontage ist er mit einer Klammer versehen. In früheren Zeiten waren Cowbells häufig nur mit einem Metallbügel ausgestattet, zusätzlich wurde dann noch eine Klammer mit einer Flügelschraube benötigt, um die Kuhglocke an einem Stab zu befestigen. Der Nachteil dabei ist, dass die Klammer leicht verloren gehen kann und sich erfahrungsgemäß auch beim Spielen leicht löst und immer wieder nachgezogen werden muss. Später wurden die Metallbügel an den Bells direkt mit einem Gewinde und einer Schraube ausgerüstet, was in der Praxis schon wesentlich komfortabler ist. Als praktikabelste Lösung hat sich ein Bügel mit Ringbolzen durchgesetzt. Der Stab wird dabei vom Ringbolzen umschlossen und mittels einer Flügelmutter angezogen. Da jedoch keine dieser Lösungen zu einhundert Prozent den starken Vibrationen gewachsen ist, die beim Cowbell-Spielen entstehen, müssen die Schrauben ziemlich fest angezogen werden und sollten deshalb auch entsprechend stabil sein.

Testmarathon Cowbells

Im folgenden Video könnt ihr alle Cowbells aus unserem Testmarathon im direkten Vergleich hören:

Nun stellen wir euch die 16 Cowbells aus dem Video im Einzelnen vor. Die Kuhglocken stammen von verschiedenen Herstellern und umspannen einen Preisbereich von 7,60 Euro bis 59,00 Euro. Die Reihenfolge, in der wir sie hier aufführen, stellt dabei übrigens keine Bewertung dar. Bei den Herstellern sind wir nach dem Alphabet gegangen. Los geht's!

LP Cowbells

LP A404 Aspire Cha Cha Cowbell - 5 3/4“

Aus LPs Einsteigerserie „Aspire“ stammt die erste Cowbell im Testmarathon. Die 5 3/4 Zoll große und schwarz lackierte LP A404 Cha Cha Cowbell wird in Thailand aus etwa 1,6 Millimeter dickem Stahblech gefertigt. Zur Befestigung der Cowbell drückt eine solide Flügelschraube direkt auf den Stab. Ihr mittellanges Sustain macht die Glocke durchsetzungsfähig, wobei sie aber auch nicht zu aufdringlich wird. An der Verarbeitung gibt es nichts zu meckern. Zum aktuellen Verkaufspreis von 19 Euro ist sie eine gute Wahl für preisbewusste Einsteiger und wird auch fortgeschrittenen Spielerinnen und Spielern lange Freude bereiten.

LP 204AN Cowbell Black Beauty - 5“

Laut LP ist die 5“ Black Beauty Cowbell die am meisten aufgenommene Kuhglocke der Welt. Sie wird in den USA aus etwa 1,5 Millimeter dickem, selektiertem Stahlblech gebaut und zählt hinsichtlich ihrer Größe und Tonhöhe zu den Cha Cha Bells. Ihr Klang zeichnet sich durch ein kurzes Sustain mit sehr kontrollierten Obertönen aus, weshalb sie im Studio wohl auch so beliebt ist. Überzeugen kann auch die von LP überarbeitete Halterung (zu erkennen am „N“ im Namen). Die „Eye Bolt“-Halterung, bei der der 3/8“ - 1/2“ Haltestab durch einen Ringbolzen geschoben und mittels einer großen Flügelmutter fixiert wird, wurde durch einen seitlichen Führungsstift und eine Feder ergänzt, wodurch die Öffnung innerhalb der Klammer fixiert wird und somit die Montage deutlich vereinfacht wird. Die 35 Euro, die aktuell für die Black Beauty zu entrichten sind, sind in jedem Fall gut investiert.

LP ES-12 Salsa Cha-Cha Low Cowbell - 5“

Die dritte Glocke im Testmarathon ist die LP Cha-Cha Low Cowbell. Anders als ihr Name vermuten lässt, klingt sie tonal zwar nur minimal tiefer als die zwei zuvor getesteten Kandidatinnen, besitzt dafür aber etwas mehr Low End. Ihren trockenen, aber dennoch lebhaften Sound erreicht sie durch vier innen an der Öffnung angebrachte Gummidämpfer, die die Obertöne kontrollieren. Das verwendetete Stahlblech ist etwa 1,3 Millimeter dünn, zur Befestigung dient eine bewährte Ringbolzenhalterung mit Flügelmutter. Was den Preis und die Kaufempfehlung betrifft, zieht sie mit der Black Beauty Cowbell gleich (35 Euro). Wenngleich sie als Salsa-Spezialistin ausgewiesen ist, kann sie auch in vielen anderen Musikstilen eingesetzt werden.

LP 229 Mambo Cowbell - 8 1/2“

Die längste Cowbell im Test ist die 8 1/2 Zoll große Mambo Cowbell von LP. Wie auch die Cha-Cha Low Cowbell ist sie eine „echte“ Salsa-Cowbell und wurde für den Einsatz an Timbales entwickelt. Sie klingt voll und mitteltief und besitzt durchsetzungsfähige Obertöne mit einem mittellangen Sustain. Für kernige Rockgrooves ist sie aber genauso gut geeignet wie für authentischen Salsa, wobei sie je nach Situation eventuell etwas Dämpfung vertragen könnte. Gefertigt wird sie in den USA aus etwa 1,5 Millimeter dickem Stahlblech und ist mit der überarbeiteten Eye-Bolt-Halterung mit Führungsstift ausgestattet. 42 Euro sind auch bei dieser vielseitigen Kuhglocke gut angelegtes Geld.

LP ES-5 Salsa Timbale Cowbell - 7 1/2“ & ES-7 Salsa Downtown Timbale Cowbell - 7 3/4“

Die mit auffälligen Hammerpunkten überzogene ES-5 Timbale Cowbell ist eine Mambo Cowbell mit mittlerer Tonhöhe. Im Vergleich zur LP 229 Mambo Cowbell besitzt sie jedoch deutlich mehr Biss durch ihre helleren Obertöne und längeres Sustain. Die ES-7 Downtown Timbale Cowbell ist etwas länger, wesentlich breiter und tonal deutlich tiefer als die ES-5, besitzt aber dieselben artikulierten Obertöne. Dadurch eignen sich beide Bells hervorragend für größere Salsabands, wo sie sich auch gegen fette Bläserarrangements gut durchsetzen können. Am Drumset wird die ES-5 schnell zu laut und giftig, wenn sie nicht ordentlich gedämpft wird. Durch ihren tiefen Grundton ist die ES-7 in dieser Hinsicht etwas sanftmütiger. Die vier Gummidämpfer an der Öffnung der rund 1,2 (ES-5) und 1,3 (ES-7) Millimeter dünnen Stahl-Cowbells sorgen zwar für harmonische Obertöne, reichen aber nicht aus, um sie zu zähmen - was aber auch gar nicht gewünscht ist. 42 Euro kostet aktuell die ES-5 Timbale-Cowbell, für die ES-7 Downtown Timbale Cowbell sind 46 Euro zu berappen.

LP Cowbell Rock Ridge Rider New - 8“

Ridge Rider nennen sich die LP Cowbells, die speziell für den Einsatz an Drumsets entwickelt wurden und an einer auffälligen, angenieteten Plastikleiste namens „Jeningor Bar“ zu erkennen sind. Diese Leiste sorgt dafür, dass die Obertöne gedämpft und der „Mund“ der Glocke vor der Verformung durch harte Spielweise geschützt wird. Dementsprechend besitzt sie ein kurzes, trockenes Sustain und wenig Obertöne, sodass sie auch bei härterer Bearbeitung nicht gleich zum Schädelspalter wird. Die vorliegende, neue Version der Ridge Rider Rock Cowbell ist mit der überarbeiteten Ringbolzenhalterung mit seitlichem Führungsstift ausgestattet. 55 Euro kostet der Klassiker für‘s Drumset aktuell.

Meinl Cowbells

Meinl STB45H Steelbell High Pitch - 4 1/2“

In Meinls Cowbell-Sortiment findet sich die kleinste Cowbell im Testmarathon: die nur viereinhalb Zoll große STB45H Steelbell. Sie wird aus etwa 1,6 Millimeter dickem Stahlblech in Thailand hergestellt und verfügt über eine Ringbolzenhalterung. Entsprechend ihrer geringen Größe klingt sie sehr hoch und bietet ebenso helle wie durchsetzungsfähige Obertöne. Am Drumset ist sie ungedämpft schon beinahe etwas zu schrill. Zum Lieferumfang gehören jedoch zwei Moosgummi-Aufkleber, die zum Dämpfen der Glocke angebracht werden können und die Obertöne etwas zähmen. Als erste und/oder alleinige Cowbell am Drumset ist die kleine Steelbell aufgrund der sehr hohen Tonlage nicht zu empfehlen, als Ergänzung hingegen schon. 31,90 Euro kostet der Spaß.

Meinl SCL70-BK Steelcraft High Pitch - 7“ & SCL70B-BK Big Mouth Low Pitch - 7“

Weiter geht es mit zwei Mambo-Bell-Modellen aus Meinls Steelcraft-Serie. Die Steelcraft High Pitch 7“ wird von Meinl als Timbalero Cowbell und die Big Mouth Low Pitch als Classic Rock Cowbell beschrieben. Wie den Namen schon zu entnehmen ist, unterscheiden sich die beiden in ihrer Tonhöhe. Die höhere Timbalero Cowbell eignet sich vorwiegend für akzentuiertes Spiel auf der Oberseite, während die tiefere Big Mouth Cowbell einen volleren Ton an der Öffnung hervorbringt. Beiden gemeinsam sind die kontrollierten Obertöne, die zusätzlich noch mit den mitgelieferten Moosgummi-Aufklebern gedämpft werden können. Einen guten Eindruck hinterlassen beide Cowbells, aufgrund ihrer besseren Allroundeigenschaften hat die Big Mouth Cowbell am Drumset jedoch leicht die Nase vorn. Kostenpunkt 39,90 Euro.

Meinl Mike Johnston Groove Bell - 7 3/4“

Nicht nur die kleinste, auch die teuerste Cowbell im Testmarathon kommt von Meinl: die Mike Johnston Signature Groove Bell. Diese aus etwa 1,4 Millimeter dickem Stahlblech in Thailand gefertigte Cowbell wurde speziell für den Gebrauch am Drumset entwickelt und wird mit zwei unterschiedlich dicken, magnetischen Gummidämpfern geliefert (Meinl MCT Cymbal Tuner). Je nachdem, wo diese an der Cowbell platziert werden, können sie effektiv und sehr gezielt bestimmte Obertöne (wie mit einem EQ) abmildern. So lässt sich der Klangcharakter dieser Cowbell gut an die eigenen Wünsche anpassen. Doch auch ungedämpft klingt die Groove Bell schon sehr ausgewogen mit durchsetzungsfähigen, aber nicht penetranten Obertönen und einem vollen Ton an der Öffnung. Einziges Manko ist der nicht ganz unerhebliche Preis von aktuell 59 Euro.

Millenium + Thomann Cowbells

Millenium Cowbell 7 - 7 1/2“

Die einzige Cowbell für unter 10 Euro kommt von Millenium. Die sieben Zoll große Mambo-Bell aus etwa 1,6 Millimeter dickem Stahlblech wird in Taiwan gefertigt. In Sachen Verarbeitung sind keine Mängel zu erkennen, nur das Gewinde an der Halterung wirkt auf Dauer nicht sehr vertrauenswürdig, da es der Schraube wenig Fleisch bietet. Der Sound der Cowbell ist im Vergleich zu den zuvor getesteten (teils wesentlich teureren) Cowbells etwas dünn und obertonreich und lässt, wie das Gewinde, etwas „Fleisch“ vermissen. Aber wer nicht zwingend eine hochwertige Cowbell braucht oder sie nur gelegentlich einsetzen möchte, ist mit dieser Glocke gut beraten. Und die 7,60 Euro Verkaufspreis tun letztlich auch nicht weh.

Thomann Steel Cowbell SB-5 - 5“, SB-6 - 6“, SB-7 - 7“ & SB-8 - 8“

Wenn euch bis jetzt die Ohren noch nicht klingeln, dann spätestens bei diesen Kuhglocken. Die Thomann Steel Cowbells in den Größen fünf, sechs, sieben und acht Zoll werden aus etwa 1,8 Millimeter dickem, gehämmertem Stahlblech gefertigt. Sowohl die Verarbeitung als auch die Ringbolzenhalterung machen einen sehr ordentlichen und soliden Eindruck. Aufgrund der Materialdicke sind diese Cowbells allerdings auch sehr laut und recht schrill, sodass es fast unumgänglich ist, sie zu dämpfen. Als Groove-Cowbells fehlt es ihnen auch ein wenig an „Fleisch“ und Tiefgang. Interessant ist jedoch die tonale Abstimmung der einzelnen Bells untereinander. Von tief nach hoch ergeben sich bei den Cowbells im Test die Töne D, E, Fis und G, was einem D dur Dreiklang plus Sekunde entspricht. Bei diesen Cowbells handelt es sich nicht um typische „Allrounder“ für alle Lebenslagen, was man beim Kauf berücksichtigen sollte, denn preislich sind sie mit 12,00, 13,00, 14,50 und 16,50 Euro durchaus verlockend.

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