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Test
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19.06.2017

Tracktion DAW Essentials Collection Test

Software Plugin Bundle

Klasse trotz Masse?

Egal ob Ableton Live, Logic, Cubase oder eine andere DAW – selbst, wenn die internen Effekte einer DAW nicht immer jedes kritische Ohr überzeugen können, freut man sich dennoch, nicht für jede Klangverbiegung eine externe Lösung kaufen zu müssen. Mit der DAW Essentials Collection geht Tracktion sein bisheriges Plug-in-Problem offensiv an und liefert eine 16 Effekte umfassende Suite, die dank breitbandigem Schnittstellen-Support auch außerhalb der eigenen DAW Waveform Anhänger finden soll. Wir haben die Essentials Collection getestet!

Details

Neues aus der Nische

In der heutigen Plug-in-Landschaft ist es nicht gerade einfach neue Impulse zu setzen. Natürlich gibt es renommierte Entwickler wie Waves, Softube oder UAD, die den Markt regelmäßig mit interessanten Klangwerkzeugen versorgen – die haben dann aber auch stets ihren Preis. Der schlägt sich dabei nicht nur im Geldbeutel nieder, sondern oftmals auch in der Performance des eigenen Systems. Guter Sound kostet eben. Da ist es umso erfreulicher, wenn die DAW gleich einen Grundstock an Effekten mitliefert. Auch wenn der Funktionsumfang dabei im Vergleich oftmals nur eingeschränkt ist, lassen sich auch immer wieder Geheimtipps finden. Man denke hierbei nur an den Space Designer von Logic oder den legendären ProTools EQ.

Mit dem DAW Essentials Bundle geht Tracktion sogar noch einen Schritt weiter und bietet sein Effekt-Bundle nicht nur für die hauseigene DAW Waveform, sondern gleich auch für alle anderen an. Durch die Unterstützung der Schnittstellen AAX, VST, AU und Linux VST dürfte es wohl kaum eine Audio-Software geben, die hierzu nicht kompatibel ist.

EQs und Filter

Zur frequenzbasierten Behandlung des Audiomaterials liefert das Bundle zunächst einen 8-Band EQ inklusive Analyzer. Neben Frequenz, Gain und Q-Faktor lässt sich pro Band ebenfalls die Hüllkurve bestimmen. Generell ist somit von leichten Anpassungen bis hin zu präzisen Eingriffen ins Frequenzspektrum alles möglich. Weiterhin steht mit dem Auto-Filter ein interessantes Werkzeug zur dynamischen Soundformung parat. Hier kann zwischen den Filtertypen Hi-, Lo- und Band-Pass gewählt werden. Neben der Cut-Off-Frequenz lassen sich ebenfalls die Resonanz des Filters sowie die Modulationsintensität einstellen. Apropos Modulation: Hier bietet der Auto-Filter insgesamt sechs Wellenformen inklusive Pulse-Width für die Rechteckswelle sowie einen Random-Generator. Die Modulation-Rate kann entweder völlig frei oder synchronisiert zum Host-Tempo der DAW angepasst werden, wobei sich der Sync mittels „Sync Phase“ Parameter bis zu +/- 180 Grad in der Phase verschieben lässt. Das Effektsignal kann mittels Dry/Wet auf Wunsch auch nur anteilig beigemischt werden. 

Etwas spezieller wird es beim Crossover. Die Hauptintension des Effekts liegt in einer nachgeschalteten Behandlung von voneinander separierten Frequenzbereichen. Das macht hinsichtlich des erforderlichen Routings nicht in jeder DAW Sinn, ist aufgrund der „Racks“-Umgebung von Tracktion (hier den Tracktion 4 Test verlinken) beziehungsweise Waveform jedoch sehr nützlich. Crossover fungiert hier als Trennglied des Audio-Signals, wonach sich die unterschiedlichen Frequenzbereiche anschließend in einem eigenen Effektweg separat weiterbearbeiten lassen.

Dynamikeffekte

Mit Kompressor, Limiter, Gate/Expander, Ducker und einem Bus-Kompressor liefert die DAW Essentials Collection ein sehr breites Arsenal an Dynamikeffekten. Hervorzuheben ist hierbei vor allem der „Compressor“, welcher prinzipiell auch via Sidechain gespeist werden kann. In diesem Fall steht eine separate Filter-Sektion mit verschiedenen Filtertypen zur Anpassung des Trigger-Signals zur Verfügung. Ein wichtiger Aspekt hierbei ist, dass nicht jede DAW über ein separates Plug-in In/Out Routing verfügt, welches für die Sidechain-Funktionalität von Kompressor und Ducker dringend notwendig ist. In unserem Test boten Waveform und Logic X die entsprechende Kompatibilität, Ableton Live jedoch nicht.

Neben der Bedienung über Drehregler können alle Dynamikeffekte auch direkt über die grafische Darstellung in Echtzeit gesteuert werden. Alle Plug-ins besitzen dabei keinerlei Eigenklang, was sie für technische Eingriffe prädestiniert, für musikalische Klangfärbung jedoch eher unbrauchbar macht.

Hall und Delay

Ein besonderes Highlight des Bundles sind die Hall- und Delay-Effekte. Den Anfang macht der „Reverber8“ – ein Faltungshall, welcher zur Hallformung durch Decay, Predelay, Size und einem Dämpfungsverhalten angepasst werden kann. Leider ist die Palette an mitgelieferten Impulsantworten recht klein und in der Auswahl eher auf spezielle Anforderungen zugeschnitten. Einen soliden Allround-Hall sucht man leider vergebens.

Etwas vielseitiger wird es beim „Delay Studio“. In einer grafischen Ansicht des Audiosignals können hier individuell bis zu 20 Delay-Punkte festgelegt werden, wodurch selbst komplexe rhythmische Strukturen möglich werden. Selbstverständlich lassen sich diese auch zum Host-Tempo synchronisieren und sogar mit „Swing“ versehen. Jeder einzelne Punkt kann weiterhin mit Cut-Off und Resonance gefiltert und via „Transpose“ in der Tonhöhe verändert werden. Außerdem können die Punkte wie Pan und Level bezüglich ihrer Position im Stereopanorama beziehungsweise der Lautstärke verändert werden.

Für weitere Echo-Effekte kann das Stereo-Delay verwendet werden. Hierbei können linker und rechter Kanal separat voneinander gesteuert werden, wodurch wilde Ping-Pong-Effekte möglich werden. Fans von analogem Sound kommen beim „Tape Delay“ auf ihre Kosten. Hier steht zusätzlich eine „Wow“- und „Flutter“- Sektion inklusive Filter zur Verfügung, wodurch sich der Sound eines Bandechos emulieren lässt.

Weitere Effekte

Neben den bereits erwähnten Brot-und-Butter-Effekten bietet das DAW Essentials Bundle ebenfalls eher speziellere Klangwerkzeuge. Hierzu zählen ein Phaser, der zum Tempo synchronisiert werden kann, ein Chorus mit umschaltbarer Wellenform von Sinus zu Dreiecks-Welle, ein klassischer Flanger sowie ein Bit-Crusher, mit dem sich Lo-Fi Sounds durch die Reduktion der Auflösung des eingehenden Signals erzielen lassen.

Der gemeinsame Nenner

Neben der umfangreichen Ausstattung aller Effekte besitzen alle Plug-ins einen A/B-Umschalter, mit dem sich zwei unterschiedliche Einstellungen nahtlos umschalten lassen. Weiterhin werden speziell auf den jeweiligen Effekt zugeschnittene Presets bereitgestellt, die jedoch eher rudimentäre Sounds liefern und somit, wenn überhaupt, nur als Startpunkt gelten können. Neben der an die Blue-Steel UI von Tracktion Waveform angelehnten Oberfläche lassen sich alle Plug-ins auch in ein helles Farbschema umschalten, was jedoch nicht nur wesentlich unattraktiver aussieht, sondern auch kaum Kontrast zum Ablesen der Parameterwerte bietet.

Fazit

Mit seinem brandneuen Plug-in-Bundle, der Essentials Collection, bietet Tracktion einen soliden Mix aus altbewährten und innovativen Klangwerkzeugen. Diese reichen von eher unspektakulären Vertretern wie EQ, Flanger und Co. zu wirklich innovativen Lösungen wie dem Delay Studio oder dem Auto-Filter.

Fraglich ist, ob die Nutzer von anderer DAWs mit bereits integrierten Effekten hier einen wirklichen Kaufanreiz bekommen. Wer Weltklasse-Sound erwartet, sollte ohnehin eher bei weitaus teureren Lösungen zuschlagen. Wer allerdings 99 Dollar in ein sehr gut ausgestattetes Effekt-Starterpaket investieren möchte, um das interne Arsenal an einigen Stellen aufzustocken, macht mit dem DAW Essentials Bundle von Tracktion definitiv keinen Fehler.

  • Pro
  • große und vielseitige Effektauswahl
  • Qualität der Effekte Delay Studio und Auto-Filter
  • Kompatibel zu AAX, AU, VST und Linux VST
  • sehr gute Ergänzung zu Tracktion Waveform
  • Preis
  • Contra
  • Anzahl und Qualität der Presets
  • Sidechain nicht in allen DAWs verfügbar
  • Features
  • Plug-In Bundle mit 16 Effekten
  • VST / AU / AAX und Linux VST Support
  • ab macOS 10.8, Windows 7 oder Ubuntu 15 oder neuer
  • Intel Core 2 Duo 2GHz Prozessor
  • 2GB RAM (4GB empfohlen)
  • Preis
  • USD 99,- (UVP)

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