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26.03.2021

Top 80s Pop für Live-Keyboarder*innen

Angesagte Sounds und Songs der 1980er Jahre für Cover-Bands

Top Hits und Sounds der 1980er Jahre für Synthesizer & Co.

Die Popmusik 1980er Jahre war bunt und prägend. Erstmals kamen Keyboarder so richtig auf ihre Kosten: Nicht wenige erfolgreiche Produktionen brachten die damals neuen Synthesizer, Sampler und Drummachines ins Spiel - eine Mischung aus analogem und digitalem Equipment. Spontan dürfte jedem Keyboarder drei Kürzel einfallen: DX7, M1 und D-50. Nicht nur diese Synthesizer, auch einige digitalen Pianos dieser Zeit sowie heutzutage legendäre Drum Machines (Roland TR, Linn Drum) und Effekte (Lexicon Reverb) der späten 80er Jahre prägten die Studio- und Bühnenlandschaft.

Das Repertoire von Keyboarder(n)*innen in Coverbands verlangt immer wieder Hits aus den 1980ern. Sie benötigen Sounds mit großem Wiedererkennungswert und das Publikum erwartet einen Klang der Studioversion der Hits. Gut, dass man sich auf Spezialisten wie Narf Sounds oder Easy Sounds verlassen kann. Vor allem der australischer Anbieter Narf Sounds konzentriert sich auf Sounds für Cover-Songs. Im Angebot sind Produkte für Yamaha Montage und MODX, Korg Kronos, Clavia NordStage 3 und Roland Fantom. Bei Easy Sounds findet man dagegen eher kaum Sets mit fertigen Sounds für Cover-Songs. Allerdings lassen sich die bekannten Synthesizerklänge auf der Basis von den Kollektionen „Phat Analog“, „Analog Xperience“ und insbesondere mit „Nostalgia“ selber erstellen.

Wer mit einem Arranger-Keyboard unterwegs ist, erfährt ebenfalls Unterstützung in punkto Sounds und Styles. Im Bereich Software ist die Arturia V-Collection eine echte Empfehlung. Sie enthält praktisch alle kultigen Klangerzeuger der 1980er Jahre in virtueller Form. Bei den Oberheim- und Prophet-5 Emulationen bieten speziell der SonicProjects OP-X und der U-HE Repro 5 eine Reihe von Presets für Cover-Songs.

Einige dieser Klassiker aus den 1980ern mit dem Fokus auf Synthesizer stellen wir nun in chronologischer Reihenfolge vor. Wer sich zunächst einen Überblick verschaffen möchte, kann sich einmal die Playlist „TOPHITS DER 80er Jahre“ auf Spotify ansehen.

Depeche Mode - Just Can't Get Enough (1981)

Synth-Pop der 80er beginnt vor allem mit Depeche Mode. Vince Clark spielt bei der Gute-Laune-Nummer “Just can’t get enough” einen Roland SH-1. Ein solcher Lead-Sound lässt sich relativ einfach mit einer Mischung aus Sägezahn- und Pulswelle und zusätzlichem Reso-Filter nachempfinden. Schwieriger ist es beim Live-Gig, diese Hookline rhythmisch präzise zu performen.

Phil Collins “In The Air Tonight” (1981)

Der berühmteste Break der Popmusikgeschichte und noch eine sehr geschmackvolle Verwendung elektronischer Musikinstrumente findet sich bei Phil Collins Hit “In The Air Tonight”. Der Beat im Intro wurde mit der Roland CR-78, einer analogen Drum Machine, programmiert. Als tragende Säule dient ein stärker gefiltertes und sehr ruhendes Synthesizer-Pad, das aus dem Sequential Circuit Prophet-5 stammt.

Toto “Africa” (1982)

Keyboarder-Ikone David Paich schrieb zusammen mit Drummer Jeff Porcaro den Toto-Klassiker „Africa“. Der Brass-Sound ist nicht mit einem Oberheim-Synth, sondern tatsächlich mit dem Schwergewicht Yamaha CS-80 eingespielt worden. Ein Yamaha GS1, ein früher FM-Synthesizer, liefert den Kalimba-Sound für Africa. Live-Konzerte absolvierte Toto mit zwei Keyboarder beziehungsweise noch mit einem Keyboard-Techniker.

Michael Jackson “Billie Jean” (1982)

Kein Paradebeispiel für Keyboards, aber ohne Sounds analoger Synthesizer geht es wohl kaum bei “Billie Jean” von Michael Jackson. Der treibende Part des Minimoog-Bass wird live sicherlich von einem Bassisten übernommen. Als Keyboarder spielt man in jedem Fall die drei aufeinanderfolgenden Dreiklänge mit einem weicheren Synthbrass-Preset. Im Studio stand 1982 dafür ein Yamaha CS-80 zur Verfügung.

Rufus & Chaka Khan: “Ain’t Nobody” (1983)

Teenager kennen heute vor allem die Coverversion von Felix Jaehn. In der Originalversion "Ain’t Nobody” von Rufus & Chaka Khan aus dem Jahr 1983 sind andere Synthesizer-Parts vertreten, die ein(e) Live-Keyboarder*in ordentlich beschäftigen. Das Intro kommt am besten vorproduziert aus dem Sequencer, das Riff lässt sich mit einem Clavinet-artigen Sound spielen, die Streicherlinie ist auch ein tragendes Element. Insgesamt kommen einige Synthesizer-Spuren zusammen, die wie der tickernde FM-Sound Stereo im Mix verteilt sind. Alles kann ein(e) einzelne(r) Keyboarder*in nicht stemmen, eine Kompromiss-Lösung sollte gefunden werden.

Eurythmics „Sweet Dreams“ (1983)

Eines der bekanntesten Synthesizer-Riffs der 1980er Jahre findet sich im Intro von “Sweet Dreams (Are Mad Of This)” von Eurythmics. Es kursieren unterschiedliche Gerüchte, welchen Synthesizer Dave Stewart von den Eurythmics verwendet hatte - Oberheim OB-X oder einen Roland SH-09. In jedem Fall sollte es bei der Rekonstruktion ein LFO-modulierter PWM-Sound mit zusätzlichem Chorus-Effekt sein. Ein Roland Juno-60 passt sehr gut. Das Stereo-Panning belebt die Sequencer-Phrase zwar zusätzlich, bei einem Live-Gig wird man aber darauf verzichten können.

Alphaville „Big In Japan“ (1984)

Synth-Pop aus Münster: Alphaville nutzt für den charakteristischen Basslinie von „Big In Japan“ einen Roland System-100M, bei dem die Oszillatoren im Abstand einer Quinte gestimmt wurden. Roland Jupiter-8. Korg MS-20, Roland TR-808 oder PPG Wave 2.3 sind weitere Instrumente, die auf dem Album „Forever Young“ verewigt sind. Die Trompete im Soloteil des Titelstücks „Forever Young“ stammt übrigens von einem ARP Odyssey.

Van Halen “Jump” (1984)

Schon damals war es kein Geheimnis: Der im Intro und im weiteren Verlauf sehr dominante Synthsound von Van Halens „Jump“ ist ein Oberheim OB-Xa. Er wird offiziell als „Jump-Sound“ bezeichnet und gehört zweifellos zu den Presets, die bis heute am meisten kopiert werden. Im Grunde basiert er nur auf zwei Sägezahn-Oszillatoren mit Detuning.

Harold Faltermeyer “Axel F” (1984)

Der Soundtrack zu “Beverly Hills Cop” von Harold Faltermeyer "Axel F" ist ein tolles Synthesizer-Feature. Nicht weniger als sechs Geräte kamen zum Einsatz. Der Lead-Sound für das prominente Thema ist auf einem Roland Jupiter-8 entstanden. Oberheim OB-8 und Moog Modular 15 legen das Bass-Fundament. Bei der perkussiven Marimba-Sequenz ist natürlich ein Yamaha DX7 zu hören. Linn Drum und Roland TR-808  erzeugen den Groove dieser Produktion.

Queen „I Want To Break Free“ (1984)

Queen setzt während der 1980er einige Synthesizer ein, wahrscheinlich um klanglich in Mode zu bleiben. Für viele Diskussion sorgte bereits das Solo von „I Want To Break Free“. Es ist der Sound eines analogen Synthesizers, aber die Spielweise erinnert an einen Gitarristen. Tatsächlich verwendete Brian May den Gitarren-Synthesizer Roland GR300. Für die eigene Interpretation des berühmten Solos ist der Einsatz des Pitchbending-Rads enorm wichtig.

A-ha “Take On Me” (1985)

Ein schönes Beispiel für das Factory-Preset No. 12 “E.Bass1” des Yamaha DX7 liefert “Take On Me” von A-ha. Mit diesem Sound sind sehr dynamische und schnelle Bassläufe möglich. Der Klang des markanten Synthesizer-Riffs wird vermutlich per Stacking von mehreren Instrumenten (Yamaha DX7, Roland Juno-60 und PPG Wave 2) realisiert worden sein. Für die Live-Performance ist es sicherlich wichtiger, das Thema mit perfektem Timing zu spielen als eine perfekte Soundkopie zu haben.

Tears For Fears “Shout” (1985)

Songwriting und Produktion in Perfektion zeigt sich beim Nummer-Eins-Hit “Shout” von Tears for Fears. Nicht der Bass eines SCI Prophet-5, sondern die Hookline ist bemerkenswert. Sie wurde produziert mit dem “ARR1”-Sound des Fairlight CMI. Dieser typische 80ies-Sound ist so eigenständig, dass man idealerweise mit einem Sample arbeitet.

Europe “The Final Countdown” (1986)

Ein Songklassiker, dessen plakatives Synthesizer-Motiv jeder kennt: “The Final Countdown” von Europe. Offenbar ist der Sound mit einer Kombination (“Layering”) aus Yamaha DX7 (bzw. einem TX-816, das acht DX7-Modulen entspricht) und Roland JX-8P entstanden. Auf Basis eines guten Synthbrass-Presets lassen sich relativ einfach brauchbare Alternativen erstellen.

Whitesnake “Here I Go Again” (1987)

Natürlich ist die britische Hard-Rock-Band Whitesnake nicht die erste Adresse für Synthesizer-Fans, aber bei “Here I Go Again” in der Version von 1987 kann sich ein Keyboarder einmal richtig gut präsentieren. Für das Intro ist ein Layer aus den drei Komponenten Pad, Bell und Choir die richtige Wahl. Man kann höchstens spekulieren, welche einzelnen Sounds bei der originalen Studioaufnahme gemischt wurden.

Roxette “Listen To Your Heart” (1988)

Eine Popballade, die zum Klassiker geworden ist: “Listen To Your Heart” von Roxette beginnt mit einem Piano-Intro, für das man einen bestimmten instrumentalen Klang verwendet: Es ist der drahtige Sound des Roland RD-1000 beziehungsweise der Modul-Version MKS-20. Im weiteren Verlauf des Songs sind Patches wie “Pizzagogo” des Roland D-50 zu vernehmen, der ein Jahr zuvor auf den Markt kam und Ende der 80er in fast jeder Studioproduktion auftauchte.

Taylor Dane “Tell It To My Heart” (1988)

Ein energievoller Dance-Pop-Hit der späten 1980er mit zappelig ratternden Sequenzer-Figuren. Das ist Taylor Dane mit “Tell It To My Heart”. Die Bläser-artigen Riffs stammen vom Oberheim XPander, die Flächen von einem SCI Prophet-5, der Piano-Sound vom E-mu Emulator II und Yamaha TX-Modul für die Glocken und der Minimoog am Bass fehlt natürlich nicht. Insgesamt ein typisches 80er Midi-Studio-Instrumentarium. Wer nicht mit einem Sequenzer auftreten möchte, wird das Arrangement für Live-Gigs ein wenig abändern müssen.

Zum Schluss

Die 1980er Jahre leben noch lange in der Musik weiter. Mit den heutigen Synthesizern lassen sich die allermeisten Sounds vieler Hits sehr treffend rekonstruieren. Doch sollte man zu hohe Ansprüche ein wenig zurückschrauben oder zumindest überdenken: Für ein gutes Covern müssen die Klänge nicht immer zu 100% authentisch sein. Die Spielweise ist ausschlaggebend und wichtige Licks sollten schon sauber nachgespielt werden. Auch könnte man mal das Thema von „Axel F“ auf einem Klavier spielen und seinen eignen Stil mit hineinbringen. Wer nicht nur stur kopiert, sondern auch eigenen, persönlichen Ideen bei der Interpretation freien Lauf lässt, kann dabei auch seinen Spaß beim Spielen haben, dem man gerne zuhört.

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