Gitarre Hersteller_Marshall
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30.10.2016

Wie sehr Pete Townsend und Kollegen damals Jim Marshall auf den Pelz rückten, weil sie einfach lauter sein wollten als der Rest, das ist nicht überliefert. Auf jeden Fall nahm dieser die Herausforderung an und konstruierte einen Verstärker mit 100 Watt Leistung - Mitte der Sechziger eine Sensation. Die ersten Exemplare kamen noch als JTM45/100 auf den Markt, ohne gedruckte Leiterplatten und komplett handverdrahtet, wie alle seine Amps aus dieser Zeit. Die komplette Elektrik verschwand hinter einer Frontplatte aus Plexiglas, die mit Goldfarbe hinterlegt war und dieser Art Verstärker aus dem Hause Marshall die prägnante Kurzbezeichnung "Plexi" verpasste. Die eigentliche Serienbezeichnung des Marshall Plexi 100 Super PA ist übrigens 1959. Auch diese Verstärker erhielten mit dem Kürzel JTM eine Widmung an Jim Marshalls Sohn Terry auf der besagten Front.

Gebaut wurde dieses Top in verschiedenen Varianten, die sich allerdings nur unwesentlich unterschieden. Den nahezu identischen Verstärker gab es als LEAD für die Gitarre, als BASS für eben diesen, und mit dem Label PA stand auch einer für Gesang zur Verfügung. Diese PA-Amps wurden entweder mit den üblichen 4 x 12" Boxen betrieben, oder man spendierte ihnen Lautsprecherzeilen, die etwas flexibler zu positionieren waren.

Nicht nur Stevie Ray Vaughn war ein großer Liebhaber der PA-Version, auch die hier vorgestellte Variante gehört zu dieser Gattung, bei der sich vor allem der Clean-Sound als sehr ausgewogen und stabil zeigt. Eine Eigenschaft, die sich vor allem Hendrix zu nutze machte, der als einer von Dreien auf der Bühne auch für seine eigene Begleitung zuständig war.

Im Gegensatz zu LEAD und BASS war die PA-Version mit vier statt der üblichen drei ECC83 Vorstufenröhren bestückt. Thomas Blug hat diese vierte Röhre für eine eigene Lead-Schaltung zweckentfremdet -  zu Gunsten einer größeren Flexibilität jenseits der diesem Verstärker eigenen schönen Clean- und Crunch-Sounds. Allerdings bleibt der Clean-Sound davon völlig unberührt - er entspricht dem Originalton, den ihm Jim Marshall in den Sechzigern mit auf den Weg gab.

Die Endstufe arbeitet mit  vier EL34 Röhren von Mullard, die mit einem fetten, röhrigen Ton belohnen, Verstärker dieser Serie vor 1967 waren normalerweise mit den britischen KT66 ausgestattet. Charakteristisch für die Verstärker dieser Zeit ist auch, dass von den beiden Trafos einer stehend, der andere liegend eingebaut wurde. Die beiden sind mit verantwortlich dafür, dass man, falls keine Roadies zur Hand sind, gesunde Bandscheiben mitbringen sollte. Dass man später dazu überging, beide stehend einzubauen, änderte leider nichts am hohen Gewicht des Topteils.

  • Technische Daten Marshall 1959 Plexi 100 Super PA
  • 100 Watt RMS Ausgangsleistung
  • 4 ECC83 Vorstufenröhren
  • 4 EL34 Endröhren
  • 2 Eingangskanäle "Top Boost" und "Normal"
  • 3-Band Klangregelung plus Presence
  • Getrennte Lautstärkeregelung für beide Kanäle

Wie sein großer Bruder kam auch der kleinere Plexi 50 mit einem Frontpanel aus goldfarben hinterlegtem Plexiglas. Er besaß im Grunde die gleichen Ausstattungsmerkmale wie der JTM45, allerdings ließen ihn seine EL34 Endstufenröhren bissiger und rauchiger klingen. Zusätzlich trug ein Diodengleichrichter zum etwas härteren Sound bei.

 

Ob es nun dieser spezielle Klang war, der die Musik ab 1966 prägte, oder ob die Musik genau nach diesem Sound gesucht hatte und ihn im Plexi 50 fand, das wird genau so ungeklärt bleiben wie die Frage nach der Henne und dem Ei.
Musiker wie Jimmy Page und Jimi Hendrix machten ihn bekannt, obwohl sein Clean-Sound im Gegensatz zum warmen und fetten Ton des JTM 45 eher langweilig daherkommt. Richtig cremig und singend wird er erst bei großer Lautstärke - die berühmte Endstufenverzerrung - und spielt dann seine wahren Charaktereigenschaften aus.

Die vorgestellte Version verfügt mit einem Tremolo über einen in den Sechzigern durchaus populären Effekt, der zeitweise in kaum einem Verstärker fehlte.
Auffällig ist auch, dass im Kürzel nicht mehr Sohn Terry erscheint, sondern mit den drei Buchstaben JMP der Chef selbst deutlich macht, wer das Sagen hat: Jim Marshall Products.

Wer heute noch über einen solchen Original-Amp verfügt, dem sei gratuliert: beim Surfen durch das Internet und auf einschlägigen Angebotsseiten werden Originale aus den Sechzigern zum Teil zu Preisen von nur knapp unter 10.000,- Euro angeboten. Das Gleiche gilt übrigens für den Bluesbreaker, ein originaler JTM45 ist wohl unbezahlbar.

  • Technische Daten Marshall 1987 Plexi 50
  • 50 Watt RMS Ausgangsleistung
  • 3 ECC83 Vorstufenröhren
  • 2 EL34 Endröhren
  • 2 Eingangskanäle "Top Boost" und "Normal"
  • 3-Band Klangregelung plus Presence
  • Getrennte Lautstärkeregelung für beide Kanäle
  • Tremolo Effekt mit Intensity und Speed Regler
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