Gitarre
Test
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08.11.2016

Vergleichstest Gitarren-Plektren

12 Gitarren Picks im Test

Plektren im Materialcheck

Der große bonedo Plektrum-Vergleich - Es kostet meist nur ein paar Cent, klebt hin und wieder auf den Titelseiten von Gitarrenmagazinen, auf Musikmessen wird es kiloweise unters Volk gebracht und jeder gitarrespielende Rockstar, der etwas auf sich hält, veranstaltet mit ihm auf Konzerten wahre Weitwurforgien. Es ist Werkzeug, Werbemittel, Talisman oder heiß begehrtes Erinnerungsstück, und es kommt in den unterschiedlichsten Größen, Formen und Farben, und nicht zuletzt auch in den unterschiedlichsten Materialien vor - das Plektrum.

Ein weites Feld, und es gäbe unzählige Ansätze, wie man sich diesem unverzichtbaren Spielgerät nähern könnte. Ich habe mich dazu entschlossen, in diesem Plektrumvergleich einmal die verschiedenen Materialien näher unter die Lupe zu nehmen. Wie wirken sie sich auf den Klang aus, wie beeinflussen sie Sound und Spielweise und wo liegen ihre Besonderheiten? Zu diesem Zweck habe ich mir Plektren aus den verschiedensten Materialen besorgt, um ihren Eigenschaften näher auf den Grund zu gehen.

Zur Auswahl stehen:

  • Afrikanisches Ebenholz (Ebony)
  • Afrikanisches Mahagoni (Mahogany) 
  • Afrikanischer Ahorn (Curly Maple)
  • Santos Rosewood (ähnlich Palisander)
  • Kupfer (Copper)
  • Knochen (Bone)
  • Horn (Buffalo Horn)
  • Leder (Leather) - Filz
  • Stein (Blue Dragon)
  • Knopf (Django Button)
  • Nylon (0.46 und 0.60mm)

 

Natürlich gibt es darüber hinaus viele weitere Materialien, aus denen man Plektren fertigen kann, aber diese Auswahl sollte die bekanntesten und beliebtesten abdecken.

Versuchsaufbau:

Für die Soundbeispiele habe ich eine Lakewood D32 Akustikgitarre mit einem Brauner VM1 Mikrofon aufgenommen und direkt in ein TubeTech Preamp geführt. Das Signal geht dann ohne Umwege über ein Avid HD i/o in Pro Tools. Bis auf einen Low-Cut bei 120 Hz wurde nichts verändert. Eine E-Gitarre kam nicht zum Einsatz, da bei ihr die zum Teil filigranen Unterschiede nicht klar zur Geltung kommen. Ein paar Soundfiles hatte ich mit E-Gitarre und Amp aufgenommen, aber die hörbaren Differenzen waren zu gering. Weil dieser Plektrum-Check nur nachvollziehbare Unterschiede aufzeigen soll und keine Glaubensveranstaltung ist, bleibe ich deshalb bei der Akustikgitarre. Pro Plektrum gibt es zwei Audio-Files, jeweils identische Picking- und Achtelfiguren, nur eben mit immer wechselnden Plektren.

Praxis

Sound/ Bespielbarkeit:

Ich beginne mit den Protagonisten aus Holz.

Afrikanisches Ebenholz

Das Plektrum liegt, wie die folgenden Holzplektren auch, gut und griffig in der Hand. Durch das geringere Gewicht (im Vergleich zu Knochen und Kupfer) ist das Spielgefühl ähnlich einem Standard-Kunststoffpick, allerdings wesentlich angenehmer im Griff. Da es sich um ein natürliches Material handelt, ist der Abrieb durch die Saiten recht hoch, und das Pick verliert nach einiger Zeit seine Form.

Höreindruck

Das Plektrum ist ausgewogen im Klangbild, die Mitten werden etwas voller und breiter dargestellt, daher wirkt der Sound fetter. Alle Anschläge kommen knackig zur Geltung.

Afrikanisches Mahagoni (Mahogany)

Höreindruck

Das Mahagoni klingt luftiger als Ebenholz, die Mitten werden geringfügig schlanker dargestellt, Attacks werden auch hier sehr detailliert übertragen.

Afrikanisches Ahorn (Curly Maple)

Höreindruck

Im Vergleich zum Mahagoni wirkt es lauter und präsenter. Das Klangbild ist sehr ähnlich, vielleicht eine Spur holziger.

Santos Rosewood

Höreindruck

Interessanterweise klingt dieses Holz etwas zurückhaltender als die drei Plektren zuvor, trotzdem definiert und mit schönen Höhen im Attack.

Resümee Holzplektren I

ch hätte es nicht für möglich gehalten, aber es lassen sich tatsächlich Unterschiede heraushören. Diese sind vielleicht marginal, aber durchaus hörbar. Die drei helleren Hölzer klangen alle knackig in den Höhen, das Mittenbild jedoch Vergleich zum Ebenholz etwas schlanker. Alle vier glänzen mit einer präzisen Wiedergabe der Anschläge und einer direkten Ansprache.

Kupfer (Copper)

Dieses Plektrum ist mit Abstand das schwerste im Testfeld und liegt satt in der Hand. Abrieb ist bei ihm kein Thema, jedoch leiden die Saiten, da der Anschlag sich durch das Gewicht verstärkt und Spuren hinterlässt.

Höreindruck

Klanglich addieren sich erstaunlich viele Höhen hinzu, Attacks kommen satt. Der Sound besitzt jede Menge Druck und hat durch das hohe Gewicht jede Menge Punch, ist für meinen Geschmack aber etwas zu klinisch.

Knochen (Bone)

Dieses Plektrum besitzt Einbuchtungen für Zeigefinger und Daumen, liegt somit also am ergonomischsten in der Hand. Das Material fasst sich angenehm an und durch das etwas erhöhte Gewicht trifft schlicht und ergreifend mehr Masse auf die Saiten.

Höreindruck

Der Klang ist für meinen Geschmack erstaunlich ausgewogen, die relevanten Frequenzen werden verstärkt und es ergibt sich ein sattes, ausgewogenes Bild. Die Höhen halten sich angenehm zurück, sind aber ausreichend vorhanden.

Horn (Buffalo Horn)

Das Material ist erstaunlich leichtgewichtig und fühlt sich fast schon wie Kunststoff an. Im Laufe des Tests haben sich keine Spielspuren auf dem Plektrum niedergeschlagen.

Höreindruck

Dieses Pick tendiert grundsätzlich in Richtung Holz, ist aber griffiger in den Mitten. Bässe halten sich vornehm zurück, werden aber keinesfalls vermisst.

Leder (Leather)

Ja, auch vor diesem Material wird nicht halt gemacht. Dieses Spielgerät ist natürlich ziemlich leicht und biegsam, dabei aber sehr dick.

Höreindruck

Hier halten sich die Anschlagsgeräusche zurück. Es ist nicht ganz einfach, gezielt Saiten zu treffen, da das Plektrum einfach zu dick und zu biegsam ist. Es ist für Stahlsaiten bedingt nutzbar, da der Abrieb schlicht und ergreifend zu hoch ist.

Filz (Felt)

Die Bespielbarkeit ist eher speziell und meiner Meinung nach auch nur für ganz bestimmte Einsatzgebiete zu verwenden wie Nylonsaiten oder Bass, also eher für's Singlenote-Spiel.

Höreindruck

Der Sound lässt sich am besten mit "wattig" beschreiben. Auch hier finden Anschläge nicht den Weg zum Zuhörer, daher wirkt der Klang weich und bedeckt. Insgesamt eine interessante Klangfarbe, trotzdem sehr speziell.

Stein (Blue Dragon Skin)

Trotz des Materials ist dieses Plektrum erstaunlich leicht!

Höreindruck

Sehr präzise im Anschlag, Klangbild ausgewogen. Die Saiten bekommen ordentlich Druck und erzeugen so eine gute Portion Punch. Für meinen Geschmack sehr gut beim Picking einzusetzen.

Knopf (Django Button)

Der Django Knopf besteht aus Kunststoff und hat die speziellste Form, es ist (wie der Name schon sagt) ein Knopf und die sind bekanntlich meist rund. Da somit die Spitze fehlt, ändert sich natürlich auch die Spielweise und dementsprechend auch der Sound.

Höreindruck

Interessanterweise dreht sich hier das Klangbild. Die Anschläge sind gut zu hören, allerdings entfaltet sich der Ton anschließend sehr gemächlich. Klingt jazzig und eher weich im weiteren Tonverlauf.

Nylon

Ich habe diese Plektren ausgewählt, da sie von vielen Kollegen und auch von mir vor allem für die Akustikgitarre verwendet werden und somit eine klangliche Referenz bilden sollen.

Höreindruck

Den Sound kennt man von unzähligen Aufnahmen und meist auch von sich selbst. Attacks werden sehr gut herausgearbeitet und der Ton bekommt eine gewisse Breite. Gerade die 0.46 Variante wird wegen ihrer Fähigkeit, Obertöne hinzuzufügen, sehr oft und gerne eingesetzt. Beim 0.60er Pick wird der Sound griffiger und auch geringfügig mittiger, aber nicht mehr ganz so breit.

So, damit hätten wir alle ausgewählten Plektren besprochen. Doch bevor wir uns dem Gesamtfazit widmen, möchten wir euch jetzt noch die Chance geben, euch die Soundbeispiele als *wav Files herunter zu laden, um sie so auch "offline" und in optimaler Qualität miteinander vergleichen zu können. Hier kommt die Zip-Datei mit den 26 Audios dieses Testmarathons. 

Gesamtfazit

Es dürfte sicherlich jedem klar sein, dass unterschiedliche Materialien auch unterschiedlich klingen. Meist zwar nur geringfügig, aber doch so inspirierend, dass etwas Neues daraus entstehen kann. Ich kann nur jedem raten, sich eine kleine Auswahl an Plektren für verschiedene Anwendungen und Instrumente zuzulegen. Ich für meinen Teil nehme immer eine ordentliche Palette mit ins Studio, da mit ihnen ein sehr breites Spektrum an Klängen und Geschmacksrichtungen herausgearbeitet werden kann. Ob man das auch auf der Bühne braucht, sei dahingestellt und jedem selbst überlassen. Natürlich spielt das eigene Empfinden die wahrscheinlich größte Rolle, denn in erster Linie sollen Plektren funktionieren und im besten Falle inspirieren. Lässt man sich aber auf die verschiedenen Materialien ein, können sich durchaus neue Klangwelten eröffnen.

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