Test
5
02.08.2016

Praxis

Der Technics SL-1200 GAE ist mehr als ein überteuerter 1200 Mk7: Technics hat einen völlig neuen klanglich, optimierten Plattenspieler in das Gewand des einstigen Disco-Arbeitspferds eingebaut und peilt damit den gehobenen Hi-Fi Markt an, denn der GAE kann in jeder hochwertigen Hi-Fi Kette mitspielen. Selbstverständlich kann man nach wie vor auch mit ihm mixen. Mögliche Kunden dürften daher auch gut verdienende DJs sein, die sich das absolute Topmodell aller Zwölfhunderter schon aus Liebhaberei gern ins Wohnzimmer stellen wollen. Zu den prominenten deutschen DJs, die sich jeweils ein Pärchen gesichert haben, gehören die Techno-Altmeister Westbam und Sven Väth.

In den Clubs wird man den SL-1200 GAE dagegen allein schon aufgrund der limitierten Stückzahl und des hohen Listenpreises von 3.499,- Euro wohl eher selten sehen. Aber wie schon erwähnt, soll bereits Ende des Jahres das angekündigte Serienmodell SL-1200 G folgen, das viele Eigenschaften des GAE erben soll.

Die Schalter klicken sehr wertig, die silbermetallene Oberfläche glänzt edel, das Gerät fühlt sich einfach sehr gut an. Da ich statt der mitgelieferten Gummimatte eine dünnere Slipmatte und als Tonabnehmer ein Ortofon Concorde System benutze, muss ich zuallererst einmal die Höhe des Tonarms nachjustieren, was mit dem Kontrollring sehr sauber und präzise möglich ist. Das Gegengewicht muss ebenso an das leichtere Ortofon System angepasst werden. Und schließlich wird mit einer rillenlosen B-Seite einer Maxisingle das Antiskating justiert, bis die Nadel auch ohne Rillen präzise in der Mitte läuft. Sind Antiskating und Gegengewicht erst einmal eingestellt, überzeugt der SL-1200 GAE mit hervorragender Laufruhe, die sicher auch dem massiven Gewicht des Players und der hochpräzisen Einstellungsmechanik des Tonarms zu verdanken ist.

Der schwere Plattenteller hat aber auch Nachteile: Scratchen geht hier nicht so flott von der Hand. Hip-Hop-DJs dürften die schnellere Response der klassischen Zwölfer Plattenteller bevorzugen. Für Mix-DJs fällt das nicht so ins Gewicht, Cueing klappt ohne Probleme und beim Einstarten sitzt die Nadel satt in der Rille. Leichtes Bremsen an Plattentellerrand fühlt sich sehr gewohnt an, das Pitchen mit dem Pitchfader ohne Mittelrasterung ist ein Traum.

Leider ist der Mitteldorn recht kurz geraten. Manche DJs nutzen den Dorn, um die Platte abzubremsen. Bei besonders dicken Vinylscheiben ist er dafür fast schon zu kurz. Bei meinem klassischen 1210er ragt die Spindel 13,5 mm über die dünne Slipmat hervor, beim SL-1200 GAE Testgerät nur knapp über 10 mm.

Haben wollen? Warten müssen!

Der neue SL-1200 GAE fühlt sich sehr wertig und trotzdem höchst vertraut an. Man könnte darüber streiten, ob blaue LEDs nicht zu gewollt modisch und mittlerweile auch zu gewöhnlich für solch einen High-End-Player sind, aber die hervorragende Qualität des neuen Zwölfers entzieht sich solch kleinteiliger Kritik. Technics ist es gelungen, einen extrem hochwertigen Plattenspieler ins Gewand ihres unsterblichen Klassikers zu verpacken. Leider sind die weltweit 1200 Exemplare der limitierten Auflage bereits längst vergriffen. Vereinzelt sollen allerdings Händlerretouren gesichtet worden sein. Wer noch etwas warten kann: Für das Ende des Jahres 2016 sind die Serienmodelle mit der Typenbezeichnung SL-1200 G geplant.

Preis und Ausstattung des Serienmodells sind noch unklar, es soll allerdings nicht signifikant günstiger als die Limited Edition sein. Das „G“ in der Modellbezeichnung steht übrigens für „Grand Class“. Zur bereits lieferbaren „Grand Class G30“-Baureihe gehören noch der Vollverstärker SU-G30 für 2.999,- Euro und der Netzwerkspieler ST-G30 für 3.999,- Euro. Der Plattenspieler fügt sich also preislich ganz gut zwischen seinen „Grand Class“-Gefährten ein.

2 / 3
.

Verwandte Artikel

User Kommentare