Hersteller_Tech21 Bass
Test
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24.11.2020

Praxis

Mit einem Blick auf die breite Anschlusspalette wird schnell klar, für welche Anwendungen der Desktop-Preamp aus der Geddy Lee Signature-Serie in erster Linie entwickelt wurde: Beide Kanäle sollen im Optimalfall getrennt voneinander per Klinke oder per XLR weitergeleitet werden, ein konventioneller Bassverstärker stellt jedoch zumeist lediglich einen Eingang zur Verfügung. Im Fokus steht hier also zweifellos der Recording-Bereich oder der Live-Einsatz ohne Amp und Boxen - also Anwendungen, bei denen beide Signale am Ende gemischt werden können.

Allerdings spricht natürlich auch nichts gegen kreative Einsatzmöglichkeiten mit einem normalen Bassamp, denn sowohl die Deep-Sektion als auch die Drive-Sektion liefern für sich alleine genommen schon tolle Ergebnisse.

Wie erwähnt steht der Deep-Kanal prinzipiell für die cleanen Sounds; er bietet allerdings auch einen Saturation-Regler zur Klangbeeinflussung. Der Regler zeigt deutliche Wirkung und sorgt für ein recht authentisches Röhren-Flair mit fettem Low-End und reichen Obertönen. Klar, einen echten Röhrenboliden kann die Simulation aus klanglicher Sicht natürlich nicht ersetzen, dafür hat der handliche Preamp allerdings beim Transportfaktor sowie beim Preis die Nase deutlich vorn.

Wir wir sehen, kommen Fans von samtig-cleanen Röhrensounds schon alleine mit dem Deep-Kanal auf ihre Kosten. Mit dem Drive-Kanal geht aber selbstverständlich noch viel mehr, denn er bietet neben der analogen Overdrive-Schaltung auch einen flexiblen Dreiband-Equalizer zur Anpassung der Sounds.

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Die Grundausrichtung des Drive-Kanals ist dabei klar: Klassisch-solide Rocksounds stehen hier eindeutig im Vordergrund, was in Anbetracht des Namensgebers des Pedals auch nicht allzu verwunderlich ist. Bemerkenswert sind dabei die hochsensible, dynamische Ansprache des analogen Preamps sowie die gelungene Abstimmung der Klangwerkzeuge.

Mit dem Dreiband-Equalizer lässt sich der Sound gleichermaßen unkompliziert wie effektiv in die unterschiedlichsten Richtungen trimmen. Der grundsätzliche Klangcharakter des Basses wird aber selbst bei extremeren Einstellungen zu keinem Zeitpunkt verbogen.

Auch das Tight-Feature verfehlt seinen Wirkung nicht: Drückt man den Taster, so wird der Sound zwar deutlich schlanker und aggressiver, aber niemals unangenehm harsch oder schrill. Mischt man jetzt mithilfe des Blend-Reglers noch das direkte Basssignal dazu, so wird das Fundament stabil und der Overdrive-Sound erhält wieder jene tolle Tragfähigkeit, die man für fette Bassriffs benötigt.

Jeder Kanal funktioniert also für sich alleine bestens und liefert tolle praxistaugliche Sounds! Mischt man die beiden Signal im Rechner oder mithilfe eines Mischpultes zusammen, so werden die Qualitäten des analogen Signature-Preamps allerdings abermals deutlicher.

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In der Bedienungsanleitung des Tech21 DI-2112 sind einige Beispiele für tolle Sounds abgebildet, und ein paar davon habe ich für die anschließenden Audiobeispiele verwendet. Wir beginnen direkt mit Geddy Lees Standard-Einstellung. In dieser bleibt der EQ des Drive-Kanals noch relativ neutral. Das Low-End klingt aber dennoch voll und rund, weil der gesättigte Deep-Kanal jede Menge wuchtig-warme Bassfrequenzen liefert:

Beim nächsten Beispiel aus der Bedienungsanleitung kommen etwas mehr Höhen und Hochmitten ins Spiel, alle anderen Einstellungen bleiben nahezu gleich:

Jetzt schalten wir einen Gang höher und drehen den Blend-Regler komplett nach rechts, sodass der trockene Sound komplett aus dem Drive-Kanal verschwindet. Das verzerrte Signal tritt jetzt stärker in den Vordergrund; ein deutlicher Mittenboost bei etwa 900Hz sorgt für mehr Biss im Sound:

Wer es extremer mag, dreht den Drive-Regler einfach komplett nach rechts und drückt den Tight-Schalter. Für den breiten und aggressiven Zerrsound habe ich den Equalizer nicht angefasst, das fette Low-End kommt nämlich komplett vom Deep-Kanal:

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Zum Schluss hört ihr den Preamp mit einer nahezu cleanen Einstellung. Bei der Aufnahme waren beide Signalwege in etwa gleich laut und der Drive-Regler stand auf 9 Uhr. Das Ergebnis ist ein toller, nur subtil gefärbter Allround-Sound mit Charakter, wie ich finde!

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