Test
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11.08.2011

PRAXIS

Als Erstes habe ich das Pedal in gewohnter Situation direkt vor meinen clean eingestellten Amp geschaltet und alle Regler bis auf den Character am Sansamp in mittlere Position gebracht. Der Character steht zuerst auf 7 Uhr, wir werden uns gleich seiner Auswirkung auf den Klang widmen. So klingt die folgende Einstellung.

Gitarre Level Mid Character Drive Low High
Strat 12 12 7 12 12 12

Das Ganze ist unverzerrt und erinnert mich an den Klang meines Fender Twins, vor allem gibt es hier dicke Bässe, wie man hören kann. Das ist in dieser Kombination aber kein Nachteil, sondern hängt tatsächlich auch von der Basswiedergabe des Amps ab. Der eine hat mehr, der andere weniger, und es ist alles eine Abstimmungssache. Man muss flexibel sein, und das ist man auch mit dem Pedal, denn die Bässe können etwas abgesenkt werden, und schon ist das Ganze im Bereich um 100 bis 150 Hz wesentlich aufgeräumter.

Gitarre Level Mid Character Drive Low High
Strat 12 12 7 12 10 12

Character

Jetzt wird fliegend zwischen den unterschiedlichen Amps aus der Fender Manufaktur gewechselt, und man muss feststellen, dass Einiges an gut sortierter Vorauswahl dabei. Die Tendenz ist eindeutig: Je weiter der Character-Regler aufgedreht wird, desto dreckiger, also verzerrter wird der Sound. In der 7-Uhr-Position geht es noch völlig unverzerrt bei mittlerer Gain-Einstellung zu, um 9 Uhr werden leichte Übersteuerungen bei hartem Anschlag hörbar und um 11 Uhr ist ein guter Fender Crunch erreicht. Um ca. 13 Uhr meldet sich ein angezerrter Bassman zu Wort und später nimmt der Verzerrungsgrad und das Kompressionsverhalten stetig zu, es klingt dann zum Schluss eher wie ein voll aufgerissener 15 Watt Tweed Amp kurz vor dem Abnippeln. Man kann also eine große Vielfalt allein mit dem Character-Regler einstellen, der tatsächlich eine weite Bandbreite der beliebten Fender-Sounds erzeugt. Der Klang verändert sich auch bei kleinsten Reglerbewegungen, was von einem sehr guten Wirkungsgrad zeugt. Hier sind die verschiedenen Einstellungen des Character-Reglers in Zweierschritten von 7 Uhr über 9, 11, 13, 15 bis 17 Uhr.

Gitarre Level Mid Character Drive Low High
Strat 12 13 7-9-11-13-15-17 12 9 13

Sounds

Fender Amps sind überwiegend für ihre glasklaren Cleansounds beliebt und deshalb ist es schon fast paradox, ein Verzerrerpedal mit dieser Charakteristik zu entwerfen. Aber auch im leicht angezerrten Bereich, für Blues, Rock und Country zum Beispiel, hat das blonde Pedal einiges in petto. Es ist klar, dass hier keine fetten Mittenbretter oder gar Metalsounds erreicht werden, dafür gibt es vom Hersteller Tech 21 andere spezialisierte Pedale. Hier erst einmal ein typischer knackiger Funksound, der schon ein klein wenig dirty klingt, weil Character auf 9 steht und daher vom glasklaren Twin etwas weg in Richtung Deluxe Reverb geht. Auf jeden Fall erhält man einen sehr drahtigen und durchsetzungsfähigen Funksound mit der Tele.

Gitarre Level Mid Character Drive Low High
Tele 12 12 8 14 8 16

Als Nächstes folgt ein Stones-ähnlicher Crunchsound - Keith Richards benutzt ja überwiegend Fender Amps, um seinen typischen, leicht angezerrten Sound zu erzeugen. Das Ganze habe ich hier mit folgender Einstellung nachgebastelt.

Gitarre Level Mid Character Drive Low High
Tele 12 12 8 14 8 16

Jetzt habe ich den Twin-Charakter genommen und den Gain etwas weiter aufgedreht. Damit sollte man allerdings etwas sparsamer umgehen, denn bei höheren Einstellungen fängt der Sound an, matschig zu werden und auf den tiefen Saiten klingt das Ganze extrem „fuzzy“. Meines Erachtens ist es am sinnvollsten, den Grad der Verzerrung grob mit dem Character-Regler einzustellen und den Gain nur noch zur Feinjustierung zu benutzen.  

Mit einer Humbucker-Gitarre, hier eine Les Paul, lassen sich sehr schön angezerrte Blues-Sounds erzeugen. Dafür wird der Character-Regler weiter nach oben gedreht, damit der Klang schon eine Portion Grundverzerrung erhält, die dann mit der Klangregelung feinjustiert wird. Hier habe ich den Bass noch weiter zurückgenommen und dann abgedreht, weil die Gitarre schon ein gutes Basspfund hat.

Gitarre Level Mid Character Drive Low High
Les Paul 12 12 11 12 7 15

Es geht natürlich auch eine Ecke härter, was die Gain-Reserven anbetrifft. Hier ist ein typischer Classic Rock Sound mit weit aufgedrehten Mitten und höherem Verzerrungsgrad. Allerdings ist dieser Klang nicht unbedingt die Stärke des Pedals, der Sound kommt etwas matschig aus den Speakern und es klingt ein wenig, als hätte man ein Wah-Wah in fester Postion zwischengeschaltet. Natürlich entscheidet der eigene Geschmack, und mancher Gitarrist wird genau auf der Suche nach einem solchen Sound sein, der verdächtig an Meister Santana erinnert. Andere werden damit absolut nichts anfangen können. Aber immerhin ist eine ordentliche Säge aus der Kiste herauszuholen.

Gitarre Level Mid Character Drive Low High
SG 12 16 16 12 11 14

Speaker Simulator

Jetzt kommt die nächste Einsatzmöglichkeit ins Spiel, der Sansamp wird direkt an das Audio-Interface angeschlossen und die Speaker-Simulation aktiviert. Diese arbeitet mit einem sogenannten High Roll Off, die hohen Frequenzen werden also ab ca. 5 kHz abgesenkt, je höher, desto stärker - das typische Speaker-Simulator-Verhalten. Beim Cleansound, der Einstellung des zweiten Hörbeispiels, macht der Sansamp eine recht gute Figur, der Klang kommt dem vom Amp abgenommenen Signal recht nahe. Es klingt einen Hauch frischer, der Bassbereich ist nicht so stark ausgeprägt.

Gitarre Level Mid Character Drive Low High
Strat 12 12 7 12 10 12

Es geht weiter mit den Overdrive-Sounds, den eigentlich kritischen Fällen. Kritisch vor allem, was Spielgefühl und  Durchsetzungsvermögen im Mix anbelangt, und in dieser Disziplin muss unser Testkandidat leider ein paar Federn lassen. Der Klang ist recht dünn, die Ansprache auch nicht besonders - wer also verzerrte Sounds mit einem Sansamp Pedal direkt aufnehmen möchte, sollte sich doch eher nach den anderen Spezialisten aus der Serie umschauen.

Gitarre Level Mid Character Drive Low High
Les Paul 12 13 14 12 11 13
3 / 4
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