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Test
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30.09.2016

Praxis

Intuitive Menüführung und Dual-Recording bei 192 kHz

Dank der hohen Anzahl von Bedienelementen, die bereits viele grundlegende Parameter steuern, wirkt das Menü des Tascam DR-100 Mk3 angenehm entschlackt und übersichtlich. Grundlegende Einstellungen zum Aufnahmeformat, das zwischen MP3 mit 128 kbps und unkomprimierten Wav-Files mit einer immensen Auflösung von bis zu 24 Bit/192 kHz liegt, sind im Handumdrehen erledigt. Ob eine so hohe Sample-Rate wirklich wirklich notwendig sind, darf jeder selbst entscheiden –  96 kHz sind im Regelfall absolut ausreichend.

Ein wirklich willkommenes Feature des DR-100 Mk3 ist das Dual-Recording, bei dem zwei Dateien gleichzeitig auf die SD-Card geschrieben werden. Es gibt hier zwei Möglichkeiten: Entweder man speichert zusätzlich zu einer unkomprimierten Wav-Aufnahme ein MP3-File ab, oder man erzeugt eine im Pegel um 12 dB reduzierte Zusatzdatei, um in Hinblick auf Übersteuerungen auf der sicheren Seite zu sein.

Abgesehen davon bietet der DR-100 Mk3 noch einige weitere gängige Funktionen wie zum Beispiel das Pre-Recording, bei dem der Recorder, sobald er in Aufnahmebereitschaft ist, auch noch die letzten zwei Sekunden vor dem auslösenden Tastendruck mit aufzeichnet. Ein automatischer Start der Aufnahme durch das Überschreiten eines Grenzpegels ist genauso wie Time-Stretching bei der Wiedergabe möglich, und auch die Standard-Features wie ein Lowcut-Filter (bei 40 Hz, 80 Hz, 120 Hz und hohen 220 Hz), automatische Pegelanpassung und das Setzen von Markern sind mit an Bord.

Haupt-Mikros: hohe Empfindlichkeit und Betonung des Präsenz-Bandes

Die beiden Nieren-Mikros lassen sich zweifelsfrei als die Haupt-Mikrofone des DR-100 Mk3 bezeichnen, und obwohl sie nicht in echter XY-Anordnung ausgerichtet sind, fangen sie ein schönes Stereo-Bild ein, das nicht übermäßig breit ist und eine noch recht klare Mitte erkennen lässt. Das Präsenz-Band und die Höhen werden dabei ordentlich betont, was im Fall der Aufnahme von Vocals und Gitarre (Song: Markus Rill – The Pauper's Daughter) eine durchaus positive Wirkung hat. Die in diesem Fall beinah völlige Abwesenheit von Grundrauschen fällt ebenfalls positiv auf.

Bei der Schlagzeugaufnahme, für die der Recorder auf einem Foto-Stativ in Overhead-Position gebracht wurde, ist die Betonung der hohen Frequenzen dagegen schon ein wenig zu viel des Guten und sorgt für tendenziell harsche Becken. Während der Aufnahme der Drums zeigte sich zudem, dass die beiden Mikros sehr empfindlich sind und der DR-100 Mk3 bei lauten Schallquellen schnell ins Straucheln gerät. Trotz aktivem 15dB-Pad und minimaler Pegeleinstellung traten hier Übersteuerungen auf, und nur die Dual-Aufnahme mit einem um weitere 12 dB reduzierten Pegel erlaubte es mir, die Trommeln mehr als nur zu streicheln. Für das Mitschneiden lauter Konzerte ist der DR-100 Mk3 folglich nicht die erste Wahl. Die Atmo-Aufnahmen, für die ich mich in den Schweinestall eines Tierparks begeben habe, machen sich wiederum sehr gut.

Omni-Mikros: Fetter Bass und kaum Stereo-Breite

Mit ihrem fetten Bass wären die Omni-Mikrofone ein heißer Kandidat, um den Haupt-Mikros beigemischt zu werden, so wie das beispielsweise beim Roland R-26 möglich ist. Dies könnte auch der Schlagzeug-Aufnahme gut tun und etwas Schärfe aus dem Präsenz-Band ziehen. Da der DR-100 Mk3 ein Mischen von mehreren Eingängen aber wie gesagt nicht vorsieht, muss man den resultierenden Klang für sich selbst sehen. Dieser wirkt bei Gesang und Gitarre recht weit entfernt und fast Mono, bei den Drums wie aus dem Nebenraum aufgenommen und trotzdem etwas „phasig“ und auch bei der Atmo relativ indirekt, wobei diese Anwendung wohl noch am ehesten funktioniert. Kurz und bündig: Für musikalische Anwendungen empfinde ich den Sound der Omni-Mikros als ungeeignet.

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