Test
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28.07.2018

Praxis

Acht Spannschrauben reichen 

Im Einsatz gibt sich die Tama Star Reserve Vol.4 Snare Drum als absolut praxistaugliche Trommel, mit der sich eigentlich alles machen lässt, was man von so einem edlen Instrument erwartet. Die Stimmschrauben laufen weich, allerdings mit einem leichten Widerstand, der auf die speziellen Unterlegscheiben zurück zu führen ist. Ihren Zweck erfüllen sie auch bei harter Spielweise, während des Tests muss ich keines der gewählten Tunings nachstimmen. Eine Freude ist auch die Abhebung, die nicht nur sehr exakt und spielfrei arbeitet, sondern auch in puncto Teppichjustierung perfekt funktioniert. Ängste bezüglich der verminderten Stimmschraubenanzahl sind ebenso unbegründet, denn der Stimmprozess lässt keine Wünsche offen. Hier scheint aber auch die Kesselbauweise eine Rolle zu spielen, denn die Trommel gibt sich extrem gutmütig und verzeiht auch grobe Stimmfehler großzügig.  

Dunkles Singen und sensible Ansprache

Ein klangliches Grundmerkmal der Testtrommel ist ihre äußerst musikalische Kombination aus einem dunkel singenden Kesselton und einer sehr akkuraten und präsenten Teppichansprache. Dieser Charakter zieht sich durch alle Stimmbereiche und sorgt dafür, dass sich die Snare Drum trotz ihrer Kesseldimensionen sehr direkt anfühlt und schnell auf Spieldetails reagiert. 

Sehr hohe Stimmung

Dass es sich bei der Star Reserve Copper um eine hochklassige Snare Drum handelt, zeigt der Umstand, dass sie auch bei sehr hohen Stimmungen nicht zu kopfig-komprimierten Klängen tendiert, sondern immer fett und solide bleibt. Funkige, aber dunkle Sounds inspirieren zu Figuren, die man mit so einer verhältnismäßig großen Metallkessel-Snare sonst nicht unbedingt spielen würde. 

Mittelhohe Stimmung 

In mittelhohen Gefilden liefert die Tama mehr Kesselton, der allerdings angenehm integriert bleibt und nicht zu dominant wird. Die Teppichansprache ist luftig, aber trotzdem sehr direkt und kontrolliert. Rimshots wirken fokussiert, und die schmalere Auftreffkante erzeugt einen kurzen, aber lauten Attack. Metallische Schärfe glänzt aber wiederum durch Abwesenheit. 

Mittlere Stimmung

Dass dem Kessel eine Behandlung zuteil geworden ist, die es in dieser Form bei anderen Trommeln nicht gibt, offenbaren mittlere Stimmungen und alles, was darunter liegt. Die Soundfiles zeichnen hier nicht das gesamte Bild, denn die Trommel erzeugt nun mächtigen Druck, den man buchstäblich fühlen kann. Die von Tama versprochenen reichhaltigen Obertöne treten nochmal deutlicher zutage und beginnen bei harten Schlägen eine leichte Modulation nach dem Anschlag. Dass die Snare Drum zu beachtlichem Volumen fähig ist, zeigen harte Rimshot-Flams, welche zwar laut, aber eben nicht harsch und „rasiermäßig“ werden. 

Tiefe Stimmung

Dass der konvexe Kupferkessel über eine klare Tonalität verfügt, macht er deutlich, wenn sich die Stimmung im unteren Bereich ansiedelt. Das Sustain wird nun länger, gleichzeitig bliebt der Attack eher soft und warm. Interessanterweise lässt sich diese Eigenschaft durch Dämpfung weniger unterdrücken als vermutet, der gehämmerte Kessel scheint also stärker zu schwingen als konventionelle Konstruktionen. Hier wäre die Frage, ob die Charakteristik zum Song, beziehungsweise zur Spielweise passt. Mir gefällt diese Tonalität gut, interessanterweise erinnert sie mich an meine Canopus Zelkova Holz-Snare, welche vielleicht nicht ganz zufällig ebenfalls über einen konvex geformten Kessel verfügt.

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