Gitarre Hersteller_Synergy
Test
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11.04.2019

Praxis

Sound

Bei den Einspielungen kommen unterschiedliche Boxen zum Einsatz, weil die originalen Amps auch mit unterschiedlichen Lautsprecher- und Boxentypen zusammenarbeiten. Dabei handelt es sich um eine 4 x12 Marshall-Box mit Greenbacks und eine 2 x 12 Vox-Box, die früher einmal ein AC 30 war und jetzt mit Tonetubby Alnico Red Speakern bestückt ist. Als Mikros sind ein SM57 und ein Neumann U 87 im Einsatz.

Synergy BMAN

Das Bassman-Modul gehört zu einem der Einschübe, die nicht vom Originalhersteller konzipiert wurden. Dieser Einschub bietet zwei autark arbeitende Kanäle mit je einem dreistufigen Bright- und Tight-Switch. Die Schaltung eignet sich bestens als Basis für klassische Cleansounds und leicht angezerrte, bluesige Einstellungen à la John Mayer, und sie kommuniziert, wie alle Module von Synergy, bestens mit Pedalen aller Couleur. Die beiden Kanäle präsentieren sich leicht unterschiedlich, wobei der zweite Kanal mit mehr Gainreserven ausgestattet ist und etwas straffer klingt. Grundsätzlich ist der Sound des Moduls im Gegensatz zu meinem alten Bassman um Welten ausgeschlafener und speziell im Bassbereich sehr aufgeräumt. Man hat es hier also mit so etwas wie einem frisierten bzw. optimierten Vertreter des alten Fender-Klassikers zu tun, der nicht nur einen kleinen Sweetspot bietet, sondern in fast allen Einstellungen brauchbare Ergebnisse liefert. Zu hören sind jeweils zwei Audiobeispiele mit identisch eingestellten Kanälen. Bei der Klangregelung habe ich mich immer an der 12-Uhr-Position orientiert, was bei allen Modulen eine gute Ausgangsposition ist. Die verwendete Gitarre ist meine 77er Stratocaster mit Kloppmann-Pickups. Hier eine cleane Einstellung mit dem Gainregler auf 10 Uhr.

In der 12-Uhr-Position bringt der Amp eine leicht silbrige Verzerrung. Der Ton ist für einen Bassman sehr kultiviert und offen, was einige Puristen eventuell bemängeln könnten. Die gewisse "Kaputtheit", die einige Bassman-Amps aufweisen, kann man hier nicht einstellen.

Über die 16-Uhr-Einstellung des Gain-Reglers hinaus würde ich das Modul nicht aufreißen, weil der Sound dann einfach zu flach wird - Fingerspitzengefühl ist also angesagt. Hier ist die Verzerrung zwar schon deutlich zu hören, aber der Ton bleibt kultiviert, offen und transparent.

Synergy PLEXI

Das zweite Modul ist einem Marshall Plexi nachempfunden, dessen Sound auch heute immer noch Gitarristen auf der ganzen Welt fasziniert. Hinter der Konstruktion steht nicht die Firma Marshall selbst, sondern Dave Friedman, dessen Marshall-Modifikationen einen erstklassigen Ruf genießen. Wie bei den meisten Modulen teilen sich die beiden Kanäle eine gemeinsame Dreiband-Klangregelung. Die originalen Amps aus den 60er Jahren waren mit zwei Kanälen und vier Eingangsbuchen ausgestattet. Um, wie beim Vorbild, die beiden Kanäle zu mischen, benötigt man hier keine Patchkabel. Stattdessen findet man für jeden der beiden Kanäle einen separaten Volume-Regler, mit dem man die Klangeigenschaften von basslastigerem und strafferem Kanal mischen kann. Das Modul bringt einen wirklich ausgezeichneten brachialen Ton und ist einer meiner Favoriten. Der Sound ist straff und bietet weitaus mehr Gainreserven als das Original. Dafür sind wirklich cleane Einstellungen nur mit dem Zurückregeln des Volume-Potis an der Gitarre realisierbar. Die verwendete Gitarre ist hier eine Gibson Les Paul und die verwendete Box standesgemäß mein altes 1969 Marshall-Cabinet mit Greenbacks. Hier eine gemäßigte Einstellung, bei der ich den Gainregler 1 auf 10 Uhr und Gainregler 2 auf 9 Uhr gestellt habe. 

Der zweite Gainregler hat für meinen Geschmack Priorität und sollte immer lauter eingestellt werden als sein dumpferer Gegenspieler. Beim folgenden Audiobeispiel habe ich den Amp auf Halbgas-Gain geregelt. Gain 1 steht auf 13 Uhr und Gain auf 10 Uhr. Hier hat der Amp für meinen Geschmack seinen Sweetspot und es lassen sich von Blues über Classic Rock viele Stilistiken abdecken. Im Gegensatz zu vielen Marshalls, die ich bisher gespielt habe, ist der Ton unglaublich definiert und aufgeräumt.

Was mir besonders gut gefällt ist die Tatsache, dass man den Amp nicht sehr laut spielen muss, um einen lebendigen Sound hinzubekommen. Auch wenn ich mir im Studio den Luxus gegönnt habe, den Master beim Einspielen der Soundbeispiele auf 1 Uhr zu stellen, kommt man auch bei wesentlich leiseren Einstellungen zu hervorragenden Ergebnissen. Ich habe übrigens auch mit noch höheren Lautstärken herumexperimentiert, um zu sehen, ob der Amp mit einer leicht kotzenden Endstufe noch besser klingt. Aber das war nicht der Fall. Bis 15 Uhr des Master-Reglers bleibt der Sound konstant. Danach fährt die Endstufe ins Clipping, wobei sie zusätzliche Obertöne erzeugt. Das Ganze ist nicht nur unfassbar laut, sondern klingt für meinen Geschmack viel zu "überbraten". Aber kommen wir zurück zu unserem Plexi-Modul, dieses Mal mit einer noch höheren Gain-Einstellung.

Volume 1 steht auf 17 Uhr und Volume 2 auf 12 Uhr, Bass und Middle ebenfalls auf 12 Uhr und der Treble-Regler auf 13 Uhr.

Synergy 800

Einer meiner Lieblingsamps ist neben dem Plexi der gute alte JCM 800. Dieser Klassiker war erstmals mit einem Master-Volume ausgestattet und brachte höhere Verzerrungen als seine Vorgänger. Seit seinem Erscheinen im Jahr 1981 gilt das Modell 2203 als Referenz, wenn es um einen fetten, brachialen Rocksound geht. Seitdem hat dieser Rock-Amp einen großen Teil unserer Gehörgewohnheit geprägt. Ebenso wie das Plexi-Modul wurde auch dieser Einschub von Friedman entwickelt. Die beiden Kanäle haben je einen Gain- und einen Volume-Regler und teilen sich die Dreibandklangregelung. Für mehr Biss hat man jedem Kanal noch einen zusätzlichen Bright-Schalter spendiert. Das Modul kommt dem Original wirklich sehr nahe, allerdings ist auch hier, wie bei allen Modulen, der Bassbereich extrem aufgeräumt, was gerade bei High Gain eine Wohltat ist. Hier eine relativ unverzerrte Einstellung mit dem Gainregler in der 10-Uhr-Position.

In der 13-Uhr-Position gefällt mit der Sound des Moduls am besten. Die Dynamik ist einfach klasse und der Amp reagiert extrem feinfühlig auf den Anschlag. Ein weiteres Highlight ist die gute Saitentrennung des Moduls.

Auch mit Vollgas-Gain bleibt das JCM 800-Pendant transparent. Im Unterschied zum Original klingt der Amp in den Bässen klarer und weniger fett. Im Gegenzug erhält man einen unglaublich definierten Sound, der im Bandkontext auch bei hohen Gain-Einstellungen für Klarheit sorgt.

Synergy Soldano SLO

Kommen wir zum Soldano SLO-Modul, das von Michael Soldano für die Synergy-Plattform entwickelt wurde. Das Modul ist sehr simpel aufgebaut. Die beiden Kanäle teilen sich einen gemeinsamen Dreiband-EQ bestehend aus Bass, Middle und Treble. Ein Gain- und ein Volume-Regler pro Kanal runden das Bild ab. Das klingt zwar nach wenig, bietet aber äußerst effektive Eingriffsmöglichkeiten. Die Klangregelung und die Zerrstruktur unterscheiden sich gewaltig von den anderen Modulen, denn der Ton bietet ein reichhaltigeres Mitten- und Obertonspektrum. Obwohl der Sound förmlich vor Fett trieft, ist auch hier die Saitentrennung vorbildlich gelungen. Das Einsatzgebiet liegt für meinen Geschmack nicht nur im 80er Metall, sondern, mit gemäßigten Gaineinstellungen, auch im Classic-Rock-Bereich. Obwohl hier wieder die 4 x 12 Box zum Einsatz kommt, die ich auch bei den Marshall-Modulen verwendet habe, hört man den speziellen Charakter des SLO gut heraus. Hier die 10-Uhr-Stellung des Gainreglers, Bass und Treble stehen auf 13 Uhr und der Mittenregler auf 11 Uhr.

Ab 13 Uhr des Gainreglers kommt einem ein mächtiger Growl entgegen, eine wahre Wonne. Im Gegensatz zu den Marshalls ist der Ton in den Mitten kultivierter und präsenter und unterstützt gerade solistische Einlagen besonders gut.

Der Sound des SLO-Moduls ist unglaublich spritzig und man hat den Eindruck, dass der Amp nur darauf wartet, endlich mit einem Signal gefüttert zu werden. Klasse! Wer es schafft, hier einen nicht gut klingenden Sound einzustellen, der bekommt von mir einen imaginären Kasten Bier! Hier der SLO mit maximaler Gaineinstellung, bei der auch wieder kein Auge trocken bleibt.

Synergy Friedman HBE

Nachdem Dave Friedman jahrelang die Gitarrenamps vieler Weltstars frisiert hatte, forcierte sich allmählich der Wunsch, eine eigene Verstärkerserie auf den Markt zu bringen. Der erste Amp war der BE-100, der von seinem Schöpfer auch gerne als "The Ultimate Modded Plexi" beschrieben wird. Genau diesen Sound galt es mit dem Friedman-HBE-Modul innerhalb des Synergy-Universums zu realisieren. Damit das Modul möglichst nahe an das Original herankommt, nahm Friedman die Sache persönlich in die Hand. Der Ton hat klare Marshall-Züge mit einem tighten Bassbereich, den ich mir hier etwas fetter gewünscht hätte. Trotzdem klingt das Modul ausgeglichen und bringt tatsächlich etwas vom berühmten Brown Sound, den man mit dem BE-100 in Verbindung bringt. Cleane Sounds sind nicht die Stärke des HBE, was ich aber nicht schlimm finde, denn wer sich einen Friedman kauft, der macht das in der Regel, um abzurocken. Auch dieses Modul ist mit zwei Kanälen ausgestattet, die sich eine Dreibandklangregelung teilen. Darüber hinaus hat jeder Kanal seinen eigenen Gain- und Volume-Regler. In der 10-Uhr-Position des Gainreglers bringt das Modul im Zusammenspiel mit dem SYN-50 einen knackigen und rotzigen Crunchsound. Die Einstellung der Dreibandklangregelung ist wie folgt: Bass 15 Uhr, Mid 12 Uhr und Treble 13 Uhr.

Der Ton bleibt immer stabil und direkt, auch wenn man den Gain-Regler noch weiter aufdreht. Die Mitten sind zwar präsent, aber nicht aufdringlich, wodurch man sich im Bandkontext bestens durchsetzt. Hier der Gain-Regler auf 13 Uhr.

Selbst bei maximalem Gain gibts keinen Grund zur Panik. Weder überbraten oder noch suppig klingt es, wie man es von vielen Amps kennt. Der Ton ist satt mit einer erstklassigen dynamischen Ansprache und einer exzellenten Saitentrennung. Daran kann selbst der Halspickup meiner Les Paul nichts ändern. Das Ganze klingt übrigens nicht nur bei weit aufgerissenem Master-Volume gut, sondern auch bei vergleichsweise moderaten Einstellungen.

Synergy Morgan AC

Der Letzte im Bunde ist der Morgan AC, der in britischer Class-A-Tradition dem Vox AC 30 nacheifert. Wer den Vox-Klassiker kennt, der weiß, dass sein komplexer Klang mit harmonischen Verzerrungen, seidigen Höhen und satten Bässen viel mit der Endstufenschaltung und den verwendeten EL-84-Röhren zu tun hat. Umso gespannter war ich, ob Joe Morgan es tatsächlich geschafft hat, den Sound auch mit zwei 6L6 hinzubekommen. Um dem Modul gerecht zu werden, habe ich meine 2 x 12 Box, die früher einmal ein ganz normaler AC 30 war, angeschlossen. Dazu muss man wissen, das man einen einigermaßen authentischen voxigen Sound mit einer 4 x 12 Box nicht hinbekommt. Mit einer Marshall-Box klingt es zwar auch gut, der Ton hat aber einen völlig anderen Charakter. Das Modul bietet eine sehr große Palette unterschiedlicher Klänge, angefangen bei einem gut abgehangenen Cleansound.

Bei Halbgas-Gain kommen mehr Obertöne ins Spiel, wodurch der Bassbereich etwas in den Hintergrund gedrängt wird. Das Ganze klingt nicht so elegant, wie ich es von meinem 70er Jahre AC 30 her kenne, den mir Manfred Reckmaier vor einiger Zeit veredelt hat. Trotzdem ist der Sound in sich schlüssig und homogen und kann es mit vielen AC-30-Modellen von der Stange aufnehmen.

Joe Morgan hat sein Modul mit vergleichsweise hohen Gainreserven ausgestattet. Diese Maßnahme macht seine Adaption eines AC 30 um so vielseitiger. Neben ausgezeichneten cleanen- und angezerrten Sounds lassen sich hier auch rotzige Rock'n Roll Riffs à la Status Quo realisieren, und das bei moderaten Lautstärken! Hier das Modul mit dem Gain-Regler in der 17-Uhr-Position.

Neben den Shadows und den Beatles ist Brian May einer derjenigen, die den Vox-Sound auf eine ganz besondere Art und Weise legendär gemacht haben. Charakteristisch für seinen Sound ist die Verwendung eines Trebleboosters, der mit Germaniumtransistoren arbeitet. Dabei handelt es sich um eine ganz besondere Art von Boostern, die mit modernen Pedalen nicht viele Gemeinsamkeiten haben. Ich habe mir vor einigen Jahren den Beano Boost von Analogman gekauft, der auf der Schaltung des Dallas Rangemasters von 1960 basiert. Wenn ich im Studio einen Brian-May-artigen Sound erzeugen möchte, ist dieses Pedal die Geheimwaffe schlechthin. Was mit meinem AC 30 funktioniert, klappt auch mit dem Morgan AC Modul problemlos. Der Amp versteht sich blendend mit dem Pedale und die Eingangsstufe reagiert wie mein alter Vox feinfühlig auf das veränderte Eingangssignal. Die Einstellungen am Morgan AC entsprechen hier übrigens dem des vorherigen Audiobeispiels. Ich habe lediglich einen Delayeffekt hinzugemischt, um dem Ganzen etwas mehr Authentizität zu verleihen. Im ersten Teil habe ich die Gitarre weit zurückgedreht, wodurch der Ton sehr offenen und silbrig daherkommt. Beim Aufdrehen der Gitarre wird der Sound dann dichter und mittiger, ohne sehr viel lauter zu werden.

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