Gitarre Hersteller_Synergy
Test
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18.05.2018

Synergy SYN-50 Test

Modulares Röhren-Topteil für E-Gitarre

Wechselwarm

Das Synergy SYN-50 Röhrentopteil basiert auf dem Modular-Konzept des amerikanischen Boutique-Verstärkerbauers aus Los Angeles. Während immer mehr Hersteller auf die digitale Imitation analoger Schaltkreise setzen, geht man bei Synergy einen sehr traditionellen Weg. Basierend auf dem patentierten Modular Tube System von Bruce Egnater aus dem Jahr 2000, das ab 2003 von der Firma Randall weiterentwickelt wurde, hat man ein äußerst vielseitiges System geschaffen, mit dem sich der Sound vieler Klassiker und Boutique-Verstärker auf Basis der Originalschaltungen abrufen lässt. Bei diesem vollanalogen und auf Röhren aufgebauten Modulsystem arbeitet Synergy im Gegensatz zu Modellingamp-Anbietern mit den Herstellern der Originale zusammen.

Das bedeutet, dass die meisten Preamp-Module nicht von Synergy "nachgebaut", sondern von den jeweiligen Firmen selbst für das Synergy-Modular-Konzept entwickelt werden. Das Ganze ist also nicht nur für die User von Vorteil, die einen authentischen Sound erwarten, sondern Hersteller und Entwickler wie Soldano, Friedmann, Egnater, Morgan etc. verdienen an jeder verkauften Einheit mit, was meiner Meinung nach absolut fair ist. Für die Finalisierung der Neuentwicklungen ist seit 2017 mit Peter Arends von Ampete übrigens ein waschechter Kölsche Jung als Head of Engineering/Technical Director Mitglied des Teams in Los Angeles.

Details

Synergy SYN-50 Konzept

Das SYN-50 Head ist ein auf das Synergy-Modular-Konzept spezialisiertes Vollröhren-Gitarrentopteil mit einer Leistung von 50 Watt. Der Amp ist mit 2 x 6L6 und 3 x 12AX7 Röhren bestückt und dient als Trägermodul für bis zu zwei Preamp-Einschübe. Wenn das Topteil mit zwei Modulen arbeitet, hat man ein vierkanaliges Vollröhrentopteil, dessen Kanäle sich dank beiliegendem Vierfach-Schalter vom Bühnenrand aus verwalten lassen. Wenn das nicht reicht, kann man den Amp dank der MIDI-In-Buchse auch problemlos in ein größeres Setup einbinden. Man hat es hier also mit einem wandelbaren Mehrkanaler zu tun, bei dem man zwei seiner Traum-Röhrenamps in jeweils zweikanaliger Ausführung in ein einzelnes Topteil packen kann - und das alles vollanalog.

SYN-50 Frontpaneel

Als mir der UPS-Mann das Paket mit dem Topteil übergibt, ist schnell klar, dass hier keine Gefangenen gemacht werden. Mit satten 24 kg befindet man sich in bester Gesellschaft mit klassischen Marshall- und Hiwatt-Boliden - für bierkastengeübte Rocker also kein Problem.

Nach dem Auspacken fallen zuerst einmal die beiden leeren Slots ins Auge, die an Festplatteneinschübe bei einem NAS erinnern. Die passenden Module werden über Kunststoff-Führungsschienen ins Chassis geschoben, wobei die Kontaktleiste des Moduls in das entsprechende Gegenstück des Trägers greift - in etwa wie bei einer PCI-Karte in einem Rechner. Anschließend muss das Modul nur noch mit zwei Schrauben an der Frontplatte fixiert werden, fertig! Obwohl die jeweiligen Module die Hauptarbeit in Bezug auf den Klang leisten, finden sich auf dem Frontpaneel drei Regler, mit denen man Einfluss auf den Endstufensound nehmen kann. Da wäre zuerst einmal der Master-Regler für die wirklich beeindruckende Ausgangslautstärke, mit der man auch locker bei Rock am Ring mitzocken kann. Der zweite im Bunde ist der Presence-Regler für die oberen Frequenzen, die klanglich noch über dem Treble-Regler sitzen. Mit Density lässt sich der Sättigungsgrad im Bassbereich einstellen und für das Powermanagement sind die beiden mächtigen On/Off- und Standby-Schalter zuständig. Links neben den beiden Slots befindet sich der Gitarreneingang. Der darüberliegende Channel/Store-Switch hat zwei Aufgaben: Mit seiner Hilfe kann man zwischen den Kanälen der Synergy-Preamp-Module hin- und herschalten, oder man nutzt ihn, um die Midi-Zuweisungen abzuspeichern.

SYN-50 Rückseite

Im Gegensatz zum Frontpaneel steppt auf der Rückseite förmlich der Bär. Hier lässt sich wirklich alles realisieren, was man von einem moderner Röhrenamp erwarten kann. Da wäre zunächst einmal der serielle Einschleifweg samt Level-Schalter für die Anpassung an das jeweilige Gerät. Wenn hier etwas angeschlossen wird, sollte man tunlichst darauf achten, ein topmodernes Gerät mit erstklassiger Dynamik und einem großen Headroom zu verwenden, denn schließlich wird hier der gesamte Vorstufensound durchgeschleust. Alte Vintage-Schleudern oder Papis Bandecho gehören definitiv nicht hierher, weil sie die Dynamik des Amps ruinieren würden. Der Balanced-Output liegt in Form einer XLR-Buchse bereit, an der das Ausgangssignal hinter dem Ausgangsübertrager auf Line-Pegel abgegriffen und bei Bedarf mit einer analogen 4 x 12 Speakersimulation frequenzkorrigiert wird. Ein Groundlift und ein -20 dB Schalter runden das Bild ab.

Das Topteil ist mit zwei Lautsprecherausgängen ausgestattet, ein Impedanzschalter wählt zwischen 4, 8 und 16 Ohm. Der SYN-50 ist MIDI-kompatibel. Zu diesem Zweck finden sich hier eine MIDI-In- und eine Thru-Buchse. Die MIDI-In-Buchse ist mit sieben Kontakten ausgestattet und bietet 12V DC (300mA) Phantompower für die Versorgung der MIDI-Fußleiste. Wer das nicht möchte, kann auch ganz normale fünfpolige MIDI-Stecker verwenden. Der Amp ist standardmäßig so konfiguriert, dass MIDI-Programmänderungen auf MIDI-Kanal 1 empfangen werden. MIDI-Kanal und andere Einstellungen lassen sich mit den DIP-Schaltern den eigenen Bedürfnissen anpassen. Für die Stromzufuhr und die Sicherheit der elektronischen Teile und des Spielers findet sich schließlich noch die obligatorische Kaltgerätebuchse samt Sicherung.

Die Module

Von den derzeit insgesamt elf verfügbaren Einschüben konnten wir folgende sechs Module testen:

  • Synergy Soldano SLO
  • Synergy PLEXI
  • Synergy 800
  • Synergy BMAN
  • Synergy Morgan AC
  • Synergy Friedman HBE

Die Module haben einige Gemeinsamkeiten. Neben identischen Abmessungen sind alle Einschübe mit zwei 12 AX7-Röhren bestückt und bieten - unabhängig von der Ausstattung der Originalverstärker - zwei Kanäle. Eine weitere Gemeinsamkeit ist ein Dreistufenschalter, mit dem man Einfluss auf den Bias der Eingangsröhre nehmen kann. Allerdings handelt es sich dabei um eher homöopathische Dosierungen, denn beim Herumexperimentieren mit dem Schalter habe ich keine großen Unterschiede im Klangverhalten feststellen können. Bis auf das Bassman-Pendant sind die beiden Kanäle der Einschübe identisch und teilen sich eine gemeinsame Klangregelung. Auf Anfragen beim Hersteller wurde mir allerdings versichert, dass weitere Module mit unterschiedlich ausgelegten Kanälen in Planung sind. Nach Einschieben und Festschrauben der Module, was tunlichst bei ausgeschaltetem Verstärker erfolgen sollte, kann man sofort loslegen.

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