Gitarre Hersteller_Supro
Test
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09.09.2021

Praxis

Schon beim ersten Anspielen war ich vom fetten und dreidimensionalen Sound überrascht. Hier klingt nichts platt, sondern spritzig und dynamisch. Auch wenn der Amp eine gewisse klangliche Verwandtschaft zu Fender nicht verleugnen kann, hat man seinen Obertonbereich etwas gemäßigter gestaltet. Das ist aber auch gut so, denn bei verzerrten Einstellungen erhält man einen homogeneren Ton, wenn es obenrum nicht zu präsent ist. Um die Sounds für diesen Test aufzunehmen, habe ich ein SM58 verwendet. Diese Kombination war dann auch gleich der Volltreffer. Das Mikro habe ich über einen Universal Audio 6176 in mein Audiointerface geschickt, wobei ich am EQ nichts korrigieren musste.

Hier der Amp in einer unverzerrten Einstellung, die so etwas wie einen Bilderbuch-Cleansound liefert.

In der 12-Uhr-Stellung kommt der Amp dann langsam in Fahrt und bringt eine leichte Verzerrung ins Spiel. Das Ganze klingt erstaunlich homogen und weniger bröselig, als ich es im Zusammenspiel mit dem Achtzöller erwartet hätte. Hier steht nicht nur der Gain-, sondern auch der Master-Regler auf 12 Uhr, was in der Etagenwohnung schon für wütende Anrufe sorgen kann.

Gehen wir einen Schritt weiter und stellen den Gainregler auf 15 Uhr. Jetzt kommt zwar eine weitere Schippe ins Spiel, aber der Amp fühlt sich zum Solieren immer noch zu spröde an. Damit meine ich das Spielgefühl und nicht den Sound. Man muss also wirklich um jeden Ton kämpfen, denn die Gainreserven sorgen hier noch nicht für ein singendes Sustain, das dem Spieler entgegenkommt.

Wenn man die Endstufe mit ins Klanggeschehen einbezieht und ebenfalls in die Sättigung fährt, geht förmlich die Sonne auf. Hier bringt der kleine Combo einen schönen rotzigen Sound. Der leicht kratzige Charakter stört mich nicht weiter, denn er gibt dem Sound Kontur.

Zünden wir die nächste Stufe und reißen den Amp einmal komplett auf, also Gain und Master auf Vollgas. Was im Studio und im Proberaum problemlos möglich ist, kann man sich zu Hause nur dann erlauben, wenn man in einem frei stehenden Einfamilienhaus wohnt. Obwohl der Amp für seine Größe recht laut ist, wird man in einer Band Probleme haben, sich durchzusetzen. Besonders dann, wenn man auch mal clean oder leicht angezerrt spielen möchte, reicht der Headroom nicht aus.

Kommen wir zurück ins Wohnzimmer und hören uns an, wie dieselbe Einstellung in gehobener Zimmerlautstärke klingt. Also maximaler Gain und der Master-Regler auf 10 Uhr. Hier klingt es zwar immer noch gut, aber die "kotzende" Endstufe, die dem Amp den singenden Charakter gegeben hat, fehlt.

Will man in Zimmerlautstärke eine anständige Zerre hinbekommen, ist ein zusätzlicher Booster oder Overdrive im Grunde Pflicht. Das Ganze funktioniert super, weil sich der Amp mit Zerrern aller Couleur bestens verträgt. Stellvertretend dazu habe ich meinen alten Tubescreamer vor den Combo geschaltet. Der Sound ist jetzt zwar etwas "verpackter" und weniger offen, was aber in der Natur der Sache liegt.

Zum Schluss gibts noch ein Beispiel für den internen Federhall, der einen ausgezeichneten Job macht. Der Amp steht hier wieder auf 12 Uhr, ist also leicht angezerrt.

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