Kopfhörer Recording
Test
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21.03.2018

Praxis

Verwendungszweck

Bei den STAX-Modellen der Lambda-Serie handelt es sich um audiophile Kopfhörer in der offenen Bauart. Im Vergleich zu anderen offenen Kopfhörern könnte man den SR-202 als "super-offen" bezeichnen, da kein anderes mir bekanntes Modell (Ausnahme: AKG K1000) die Umgebungsgeräusche derart ungefiltert ans Ohr lässt. Während ich beispielsweise mit meinem AKG K812 bedenkenlos bei geöffneter Studiotür und laufendem Küchenradio eine Etage tiefer arbeiten kann, so empfinde ich mit dem STAX-Kopfhörer diese Geräuschkulisse als störend. Eine gewisse Geräuschdisziplin und "Abhörzeremonie" ist mit dem SR-202 erforderlich. Dafür wird man - soviel vorweg - mit einer erstklassigen Wiedergabe belohnt, die vollkommen zu Recht von audiophilen Musikliebhabern gelobt wird und für Studioanwendungen wie Mix und Mastering uneingeschränkt zu empfehlen ist.

Tragekomfort

Bei einem Gewicht (ohne Kabel) von knapp 300 g ist der STAX SR-202 das Leichtgewicht in unserem Testmarathon, was sich erwartungsgemäß positiv auf den Tragekomfort auswirkt. Unter einem angenehm ausbalancierten Anpressdruck umschließen die Ohrpolster aus Kunstleder meine Ohren optimal und auch das unterhalb des Bügels freiliegende Kopfband ist eine ausgesprochen komfortable Lösung, wie man sie auch bei einigen AKG-Kopfhörern, wie beispielsweise dem K812 vorfindet. Einen aufliegenden Kopfbügel, dessen Form nicht der Kopfform entspricht, kann man noch so gut polstern, irgendwann fängt er an zu drücken, was beim STAX-Kopfhörer nicht der Fall ist. Die Größenanpassung ist beim SR-202 stufenlos einstellbar.

Klang

Testbedingungen

Im Gegensatz zu den anderen Teilnehmern unseres Testmarathons "Referenzkopfhörer fürs Studio" fand der Hörtest erwartungsgemäß ausschließlich mit dem im Lieferumfang befindlichen Verstärker SRM-252-II statt.

Neben diversen akustischen Experimenten (Sinus Sweeps, übliche DAW-Tätigkeiten) habe ich einen stilübergreifenden Mix vertrauter Eigen- und Fremdproduktionen über den STAX SR-202 angehört und analysiert.

Der erste Eindruck

Vor Jahren hatte mir bereits ein befreundeter Mastering Engineer einen Kopfhörer von STAX aufgesetzt, allerdings ist mir dies nicht als prägendes Ereignis in Erinnerung geblieben, wobei das Thema Kopfhörer zu dieser Zeit für mich (im Gegensatz zu heute) auch nur von sekundärem Interesse war. Aus heutiger Sicht muss ich sagen, dass ich bisher nur wenig Gleichwertiges gehört habe. Einstiegsmodell hin oder her, der elektrostatische STAX SR-202 setzt die Messlatte für die mir zeitgleich vorliegende dynamische und magnetostatische Konkurrenz unseres Testmarathons sehr hoch!

Frequenzgang

Der STAX-Kopfhörer trifft den Nagel schon ziemlich auf den Kopf. Im direkten Vergleich zur Mehrzahl meiner klanglichen Favoriten mit dynamischen oder magnetostatischen Treibern wirkt der SR-202 etwas heller und klarer, allerdings absolut nicht im Sinne von übertriebenen Höhen, sondern auf eine natürliche Art und Weise, die schwierig in Worte zu fassen ist. Der Elektrostat bietet mehr Information, ohne dass die Wiedergabe anstrengend wirkt - das Gegenteil ist der Fall, ähnlich einer scharfen Brille, mit welcher man die Augen zum Fokussieren nicht angestrengt zusammenkneifen muss. Am gegenüberliegenden Ende des Übertragungsbereichs, dem Bassbereich verhält es sich ähnlich positiv. In der Vergangenheit habe ich in einigen Foren Gerüchte aufgeschnappt, dass elektrostatische Kopfhörer eine Tendenz zum quantitativen "Schwächeln" im Bassbereich aufweisen. Der STAX SR-202 kann hiermit nicht gemeint sein. Er spielt deutlich vernehmbar bis in den Subbereich, der bei manch anderem Kopfhörer lediglich auf dem Datenblatt existiert und gibt den gesamten Bassbereich druckvoll und präzise wieder, sofern das Klangmaterial auch Druck im Bass besitzt - beschönigt wird hier nichts! Die gesamte Frequenzwiedergabe eignet sich hervorragend zum professionellen Agieren und Beurteilen während des Mix- und Masteringprozesses. Im unmittelbaren Vergleich zur hochkarätigen Konkurrenz, beispielsweise dem Sennheiser HD 800 S, ist eine leichte Ausprägung der oberen Mitten zu attestieren, auf welche man sich aber binnen kürzester Zeit "einhört", womit dieser Frequenzbereich (spätestens im Abgleich mit Referenzproduktionen) problemlos nach professionellen Kriterien bewertbar ist.

Impulsverhalten

Die Impulstreue des STAX SR-202 ist absolut präzise und markiert mit dem HD 800 S die Spitzenposition in unserem Testmarathon. Hier verhält es sich ähnlich wie bei der Frequenzwiedergabe, der Detailreichtum wirkt stets natürlich, exakt und trotzdem unaufdringlich, im Gegensatz zu anderen Modellen, die diesen "Detailreichtum" mit einer Überzeichnung hoher Frequenzen erkaufen. Die Qualität der Impuls- und die Dynamikwiedergabe des STAX-Kopfhörers hebt sich nicht meilenweit von dynamischen und magnetostatischen Spitzenmodellen wie dem Audeze LCD-X und dem überraschend preiswerten HIFIMAN Sundara ab, der hochauflösende SR-202 wirkt in dieser Disziplin aber noch einen Hauch müheloser und leichtfüßiger.

Räumliche Abbildung

Auch hier erreicht der Elektrostat ein herausragendes Resultat und ist für mein Empfinden neben dem Sennheiser HD 800 S einer der wenigen mir bekannten Kopfhörern, welcher dem AKG K812 mindestens ebenbürtig ist. Die Luftigkeit und die natürlich wirkende Bühne kommt der Lautsprecherwiedergabe schon ziemlich nahe, wobei der hardwareseitig nicht zu bewerkstelligende Einsatz einer Crossfeed-Funktion, die lediglich von Kopfhörerverstärkern andere Hersteller angeboten wird, zusätzliche Vorteile schaffen würde. Einzelne Elemente/Instrumente lassen sich aber dennoch präzise orten und auch extreme Pannings wirken noch weitgehend natürlich. Die Tiefenstaffelung und Separierung hintereinanderliegender Mixelemente ist dank der hohen Auflösung der elektrostatischen Wandler hervorragend!

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