Hersteller_Solid_State_Logic_SSL
Test
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18.02.2013

Praxis

Entgegen meinen Erwartungen und der Komplexität des Gerätes an sich, erwies sich die gesamte Installation von Nucleus mit all seinen kleinen „Unter-Treibern“ als durchaus simpel und gut nachvollziehbar, vor allem, weil alles sehr gut dokumentiert wurde und auch die Informations-Menge gut verdaulich war, wenn auch leider nur auf Englisch. Die SSL-Website war dabei sehr übersichtlich und schlicht gehalten, wodurch man sehr schnell zum Ziel findet. Das ist leider bei den wenigsten Herstellern der Fall, weswegen dies hier auch einmal explizit gelobt werden sollte! Nichtsdestotrotz sollte man schon etwas Zeit für das Verständnis des Gerätes einplanen, um auch wirklich aus den Vollen schöpfen zu können. Für folgende DAWs fanden sich jedenfalls vorgefertigte Konfigurationsanweisungen auf der SSL Nucleus Support-Seite : Ableton Live, Propellerhead Reason, Steinberg Cubase und Nuendo, Apple Logic Pro, Avid Pro Tools, Reaper umd Pyramix.

Ich habe mir natürlich besonders die Fernbedienungsmöglichkeiten von Ableton, Cubase und Pro Tools angeschaut, besondere Überraschungen gibt es hier allerdings nicht zu vermelden, wenn man die durch das Mackie-Protokoll zur Verfügung stehenden Funktionen bereits kennt. Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Navigation durch alle Tracks sowie Einstellungen von Volume, Pan und Send sowie Solo, Cut und Rec, wie auch das Zooming, Scrubben, Looping und Positionsspringen bei allen drei Anwendungen einwandfrei funktionierte. Arbeitsprozesse, bei denen dies viel im Vordergrund steht, gehen damit tatsächlich deutlich schneller von der Hand gehen. Die Umsetzung der Möglichkeiten fand ich im Detail bei Cubase mit am Besten gelöst, gefolgt von Ableton Live. Nur bei Pro Tools hätte ich etwas mehr erwartet, hier ist man mit den AVID/Ex-Euphonix-Controllern sicherlich besser beraten, da man dem HUI-Protokoll schlussendlich doch sein Alter anmerkt.

PlugIns zu steuern, ist hingegen eine ganz andere Sache. Zwar hat beispielsweise Ableton bereits gute Arbeit bei den integrierten Effekten geleistet, sodass sich diese mit den Standard-Belegungen von Nucleus auch ohne Vorbereitung umfangreich editieren lassen, allerdings ist dies nicht ohne weiteres bei Drittanbieter-PlugIns möglich. Zwar kann man sich jederzeit mit den Macro-Reglern von Ableton behelfen, jedoch ist man hierbei aber auf acht Parameter begrenzt. Da würde ich mir doch noch einen VST-Wrapper in der Art wie Novation´s Automap oder Akai Connect wünschen, mit denen man dann z.B. mit dem dritten Layer PlugIns wirklich umfangreich steuern könnte. Zumal ja SSL mit dem Duende Native Essential Bundle bereits eine hochwertige, kleine Auswahl an PlugIns beigepackt hat.

Obwohl ich anfangs auch skeptisch war, ein weiteres Audiointerface „aufgedrückt“ zu bekommen, weil ich persönlich eigentlich nur einen Controller benötigen würde, muss ich doch sagen, dass ich von der äußerst praxisnahen Auslegung und des sehr guten, offenen und detaillierten Klangs des puristischen SSL Stereo-Wegs mehr als angetan war. Dennoch waren die aktuellen Nucleus USB-Treiber unter Windows nicht so „rock-solid“ und schnell wie meine RME-Treiber, persönlich würde ich also weiterhin mein RME UFX als Maindevice in den Audioeinstellungen meiner DAW nutzen, Nucleus-Hauptkanäle aber über S/PDIF einbinden. Was ebenfalls in diesem Fall sehr praktisch wäre, ist die Tatsache, dass ich das USB-Interface für Systemsounds, iTunes und VLC am PC nutzen könnte bzw. mein MacBook, auch via USB, in mein großes Setup einbinden könnte. An Möglichkeiten mangelt es hier sicherlich nicht. Am Rande der Hinweis, dass SSL aber gerade an neuen Treibern arbeitet. Hier noch ein paar Audiobeispiele:

Auch die analoge Sektion mit den Monitoring-Möglichkeiten ist gut durchdacht, dennoch gibt es meiner Einschätzung nach hier schon ein klein wenig Verbesserungsbedarf, wenn dies auch keine „echten Mängel“ sind und sicherlich stark vom persönlichen Verwendungszweck abhängen. Fangen wir an: Schade ist es, dass es keinen zweiten Monitor-Ausgang auf XLR-Basis gibt und man somit am Gerät nicht zwischen zwei Speakern umschalten kann, da Cinch- und XLR-Ausgang leider nur parallel funktionieren. Schade ist es auch, dass es keinen DIM-Schalter bzw. Referenzpegel-Wahlschalter gibt, weshalb man den Monitor-Level-Regler meist nur bis 50% Regelweg effektiv nutzt. Auch an eine Talkback-Funktion wurde nicht gedacht, wobei man hierfür sicherlich schnell und einfach einen Workaround finden kann. Einen unabhängigen Wandler-Ausgang für die Kopfhöreranschlüsse hätte man sicherlich genauso gebrauchen können wie die Möglichkeit, über den optischen S/PDIF auch ADAT schicken zu können - aber was soll es, SSL muss sich ja schließlich auch noch ein wenig zur deutlich teureren Matrix abgrenzen.

Zwei Sachen stören mich dann aber dennoch schon etwas mehr: Erstens, wenn man Nucleus ausschaltet, knallt es gehörig auf der Audioleitung. Das ist nicht wirklich schön. Ich weiß natürlich, dass man Speaker immer vor dem Mixer ausschaltet, dennoch bin ich  sicherlich nicht der Einzige, der sich in der Praxis nicht immer daran hält. Die zweite Sache ist, dass der Dry/Wet-Regler der Monitorsektion nicht zu 100% schließt, was bedeutet, dass man eventuell anliegende Preamp-Signale auf dem Main-Out durchhört, obwohl man dies eigentlich nicht möchte. Drückt man allerdings den Mixdown-Taster, ist der Preamp dann komplett aus dem Signalweg genommen. Alles in allem, aber dennoch nicht so schlimm. So, ich muss dann mal kurz Geld sparen.

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