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Test
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28.11.2012

SSL 611EQ & 611DYN Test Preview

API 500 Module Equalizer und Kompressor

Paradigmenwechsel?

Der britische Traditionshersteller großer Mischpult-Dickschiffe hat mit dem X-Rack-Format schon länger ein eigenes Modulsystem im Programm. Doch nun erscheinen zusätzlich zwei 500-Module: Auch SSL konnte sich offenbar dem Sog des Standards von APIs nicht länger entziehen.

SSLs Mischpulte der 4000-E-Serie gehören zu den größen Equipment-Klassikern der 80er-Jahre. Diese Konsolen halfen, den Sound einer Ära zu prägen, bis heute schwören Engineer-Größen überall auf der Welt auf die Qualitäten eines solchen Mischpultes. Diese Pulte zeichnen sich zum einen aus durch ihre ungemein flexiblen Routing-Möglichkeiten, was in der Prä-DAW-Ära auf keinen Fall unterschätzt werden konnte. Zum anderen kann man den SSL-Konsolen dieser Ära durchaus einen ziemlich mittig-rockigen Charakter unterstellen. Sie klingen zwar weniger dick und sämig als ein diskretes Neve-Pult aus den frühen 70ern, aber sie färben und beeinflussen den Klang stärker als die aktuellen SSL-Geräte, die mit den zeitgemäßen „SuperAnalogue“-Schaltungen gefertigt werden.

Seit jeher begeisterten SSL-Konsolen mit umfangreichen Eingriffsmöglichkeiten. Die Baugruppen, die nun in Form zweier 500-Module auf den Markt kommen, waren einst Bestandteil eines jeden Mischpultkanalzugs. Und mit 4-Band-EQ und einer recht üppig ausgestatten Dynamikabteilung kann man nur sagen: Viel vermisst man hier nicht, da gibt es zahlreiche Outboard-Einheiten, die schmaler ausgestattet daherkommen. Wer sich nun also kernigen 80er-Jahre-SSL-Sound in seine Lunchbox holen möchte, der hat zwei Möglichkeiten: 611EQ oder 611DYN. Beide Module kommen in offener Steckkarten-Form und verfügen über randvoll mit SMD-Bauteilen gespickte Platinen.

611EQ

Die vier aktiven RC-Bänder des E-Series-EQs teilen sich in zwei Gruppen auf: HF und LF sind semiparametrisch, können aber wahlweise im Peak-oder Shelving-Modus arbeiten, die beiden Peaking-Mittenbänder hingenen verfügen über jeweils ein eigenes Potis für die Filtergüte. Der EQ kann global aktiviert werden, zusätzlich lässt sich die Charakteristik der Filter zwischen „Brown“ und „Black“ umschalten. Der Fachmann weiß: Das bezieht sich auf die beiden unterschiedlichen Varianten dieses EQs, die anhand der Farbe der Potikappen auch visuell unterschieden werden konnten. Wie genau sich diese beiden Varianten voneinander absetzen wird in Kürze unser ausführlicher Test darstellen. Hier können wir jedoch schon einmal festhalten: Es ist toll, dass auch das 500-Modul wie sein entsprechendes X-Rack-Pendant über diese Option verfügt. Man erhält damit praktisch zwei Entzerrer in einem – einer ist etwas weicher, der andere mehr für „chirurgische“ Eingriffe geeignet.

611DYN

Die Dynamikeinheit der E-Serie bietet für einen Mischpult-Kanalkompressor vergleichsweise viele Optionen. Die VCA-Einheit mit RMS-Detektor ist um ein diskretes Regelelement herum aufgebaut und kann sowohl mit einem Kompressor als auch mit einem Expander aufwarten. Zwar lässt sich der Attack-Parameter im Gegensatz zur Release nicht stufenlos durchstimmen, aber dafür ist auch das 611DYN-Modul ein Januskopf mit zwei Charakteren unter seiner Haube. Normalerweise arbeitet der Kompressor mit einer Softknee-Kurve und logarithmischer Release und klingt dann zwar SSL-typisch knackig aber doch recht gutmütig. Im anderen Modus wird das Dynamikmodul dann wesentlich rauhbeiniger: Mit Hardknee-Detektor und einer linearen Release-Kurve agiert der 611DYN deutlich aggressiver. Auch hier gilt: Schon bald wird der ausführliche Test mehr Licht in dieses Dunkel werfen.

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