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Workshop
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23.03.2021

Budget kontra Innenakustik und Schallschutz

Natürlich stellt sich bei einem derart umfangreichen Unterfangen immer die Frage nach dem Budget. Doch nicht nur die Frage, „Wie viel Geld steht mir zur Verfügung?“, sondern auch „Welche Ausführung macht unter den gegebenen Umständen Sinn?“ sollte im Vorfeld sorgfältig beantwortet werden. Dazu überlegt man sich, welche Anforderungen an die Kabine gestellt werden und ob die geplante Kabine diese unter den gegebenen Umständen (gemeint sind die akustischen Eigenschaften der gesamten Räumlichkeit) überhaupt erfüllen kann. In meinem Fall sind kompromissbehaftete Räumlichkeiten gegeben, das bedeutet im Einzelnen: Ich habe einen 32qm großen Raum in einem großen Proberaumkomplex in Köln.

An die Wände grenzen andere Proberäume an. Mein Fußboden besteht aus einer Spanplatte, und ich habe ein einfach verglastes Spitz-Dach. Also eigentlich keine besonders günstigen Grundvoraussetzungen, um eine 1A-Gesangskabine zu bauen, da man akustisch (also baulich) schon einiges anstellen müsste, um sämtliche äußeren Einflüsse von einer Aufnahme auszuschließen, was zur Folge hätte, dass man tief, ja in diesem Fall sehr tief in die Tasche greifen müsste. Die Bauweise sollte also den gegebenen Umständen angepasst werden. Mein Ziel war es, akustische Störsignale, wie fahrende Autos auf dem Hof, vorbeirauschende Züge (in der Nähe befindet sich ein Güterbahnhof!), die Lüfter meiner Audioworkstation sowie mein Atmen und mein Blättern in Skripten am Platz des Engineers von der Aufnahme zu verbannen. Alles andere wäre unrealistisch und viel zu teuer gewesen.

Sprachkabine und Gesangskabine: Unterschiede

Nach einigen Überlegungen befand ich, dass mir die akustischen Anforderungen ausreichen, die an eine Sprachkabine gestellt werden, da ich fast ausschließlich Sprache und selten Gesang aufnehme. Hierzu muss man wissen, dass bei Gesangsaufnahmen die Anforderungen an den Aufnahmeraum ein wenig größer sind als bei Sprachaufnahmen. Aus folgendem Grund: Bei Gesang intoniert der/die Sänger/-in deutlich kräftiger, die Stimme ist impulsiver und die Dynamik größer. Aus diesem Grund fällt die Impulsantwort des Aufnahmeraumes bei der Sprachaufnahme oder Gesangsaufnahme mehr ins Gewicht. Bei gemäßigten Sprachaufnahmen mit geringem Mikrofonabstand spielt der Raum eine deutlich untergeordnete Rolle. Mit zunehmender Raumgröße wird die Raumakustik bei konstantem Signalpegel und Mikrofonabstand immer unbedeutender. Natürlich hat man auch das Problem von stehenden Wellen aufgrund paralleler Wände und störende erste Reflektionen, aber bei geringem Schalldruckpegel der Signalquelle und genügend großem Abstand zu den Wänden, kann man das zusehends vernachlässigen bzw. sehr gut mit einem kaum merklichen Kompromiss leben.

Budgetplanung – was darf die Akustik-Kabine kosten?

Insgesamt sollte die Kabine inklusive Außen- und Innenverkleidung, Anstrich, Teppichboden, porösen Innenwänden, Kabeldurchführung und Stagebox, Strom/Licht und eingebautem Doppel-Acrylglasfenster nicht mehr als 1.000 EUR kosten.  Natürlich kann man auch noch günstiger bauen, beispielsweise aus Sperrholz, zwar mit Rahmen,  aber ohne Innenverkleidung und natürlich ohne Absorber. Selbst bei dieser Variante ist man schnell bei 400-500 EUR Kosten angelangt und der Effekt ist nahezu null.
Professionelle Varianten einer Kabine kosten schnell 3.000 - 4.000 EUR und machen in meinem Umfeld keinen Sinn. Natürlich gibt es auch namhafte Firmen, die eine fertig konstruierte, akustisch geplante Kabine im Raum aufstellen. Doch das bedeutet eine Investition von ungefähr 7.000 - 8.000(!) EUR.

Bauweise der Schallkabine

Meine Anforderungen an die Kabine und die gegebenen Umstände bedeuteten für die spätere Ausführung, dass eine Kabine in Leichtbauweise ausreichen sollte. Eine gemauerte Kabine auf schwimmendem Estrich und einer dreifach verglasten Tür sowie einem doppelt verglasten,  abgeschrägten Regie-Fenster sind also von vornherein ausgeschlossen! Ebenso habe ich der Einfachheit halber auf die Konstruktion von nicht parallelen Wänden verzichtet. Bei der gebauten Kabine handelt es sich um einen separatem Aufnahmeraum nach dem Raum-im-Raum-Prinzip. Die Kabine hat keine gemeinsame Wand mit dem äußeren Raum. Einzig und allein der Fußboden stellt eine gemeinsame Fläche mit dem Außenraum dar. Da die Sprachaufnahmen selten länger als 1 Stunde dauern, hatte ich zudem entschieden, keine Be- und Entlüftung einzubauen. Es hätte eine Schallbrücke bedeutet, die sorgfältig geplant und ebenso hätte ausgeführt werden müssen. Zugegebenermaßen kann ich dort natürlich nicht tagelange Hörbuchproduktionen fahren, aber das ist eben auch überhaupt nicht beabsichtigt. Und falls doch, kann eine Lüftung auch nachträglich noch eingebaut werden. Mehr zu diesem Thema werde ich im Anhang ausführen.

Das Fenster sollte als doppelwandiges Acrylglas-Fenster ausgeführt werden. Bezüglich der Türe  entschied ich mich für eine Röhrenspan-Türe, die mit einer zweiten Falz samt Tesamoll-Dichtung bezüglich Schallschutz  noch optimiert werden sollte. Die Türe verfügt im Inneren über offene Holz-Röhren, die man zusätzlich noch mit Schallschutzschaum befüllen könnte. Dadurch ist sie noch ein bisschen weniger empfänglich für Schwingungen. Darüber hinaus wird die Innenfläche mit Pyramidenschaumstoff beklebt, damit sie mit ihren schlechten akustischen Eigenschaften so wenig wie möglich Einfluss auf die Innenakustik ausübt. Dazu sollte man wissen, dass glatt lackierte Holzoberflächen extrem schallhart sind und störende Reflexionen verursachen. Um vielleicht auch doch die eine oder andere Gesangsaufnahme dort zu realisieren, hatte ich zudem mit dem Gedanken gespielt, in die Ecken der Kabine nachträglich Kantenabsorber anzubringen. Damit würde ich ein wahrscheinliches „Flatter-Echo“ recht gut in den Griff bekommen können. Doch wenn es auch ohne Absorber funktionieren würde – auch gut, schließlich kosten die auch wieder Geld!

Die Rahmenkonstruktion für die Kabine

Der Rahmen besteht aus 40mm x 60mm Konstruktions-Hölzern (Kanthölzer), die zu einem quaderförmigen Gestell mit den Außenmaßen 2,0m x 1,5m x 2,0m (L x B x H) verschraubt wurden. Auf die Kanthölzer, auf denen  das gesamte Gerüst zum Stehen kam, wurden von unten 13mm Bautenschutzmatten aufgeschraubt.  Die Bautenschutzmatten haben günstige akustische Eigenschaften und dienen als akustischer Puffer zwischen Fußboden und Rahmen. Hier besteht eine Schallbrücke zwischen Kabine und Außenraum und die Bautenschutzmatte dient dazu, dem Körperschall ein poröses und weiches Medium entgegenzusetzen, um beim Übergang der Schallwellen vom Fußboden auf das Gerüst Energie zu absorbieren und damit den Pegel von Störgeräuschen innerhalb der Kabine zu minimieren.  

Nachdem der Rahmen mit 5x80mm langen Spax-Schrauben (selbstschneidende Holzschrauben)  zusammengeschraubt wurde, haben wir im Abstand von ca. 60cm Querverstrebungen angebracht, um der gesamten Konstruktion mehr Stabilität zu geben. Anschließend haben wir das Gerüst mit Abstandhaltern (Reststücke der Konstruktionshölzer) in die vorläufige Endposition gehoben (noch ging das problemlos zu zweit, da ja weder Innen- noch Außenverkleidung angebracht waren). Wir hatten die Kabine zu diesem Zeitpunkt noch nicht am Boden fixiert, da die Verkleidungen und das Dämmmaterial noch angebracht werden mussten und dafür brauchten wir zwischen Kabine und Außenwand mindestens noch Platz für einen Mann.

In der Gesangskabine nötig: Fenster und Türen

Es wurde Zeit, die Endposition des geplanten Fensters festzulegen. Hierzu haben wir die Größe des Fensters auf 50cm x 50cm festgelegt und mit den 40mm x 60mm Kanthölzern einen Rahmen mit den gleichen Innenmaßen zwischen die Querverstrebungen geschraubt.

Anschließend haben wir mit Vierkantleisten (13mm x 13mm), die wir auf Gehrung gesägt haben, in den Rahmen eine Falz eingesetzt. Für das Fenster verwendeten wir eine 50cm x 100cm und 5mm dicke Acrylglas-Scheibe, die wir mit Hilfe einer Handkreissäge in zwei gleich große Hälften sägten. Auf beide Seiten der Falz wurde dann je eine Scheibe eingesetzt. Die Scheiben wurden dann mit einer außen liegenden Falz fixiert. Zwischen Scheiben und Falz klebten wir rundherum Tesamoll, um das Fenster möglichst dicht zu bekommen. Natürlich bewirken zwei dicke Glasscheiben eine deutlich bessere Schallisolierung, diese sind dafür aber auch erheblich teurer.

Nachdem das Thema Fenster abgehakt war, kümmerten wir uns um die Türe. Hierzu benötigten wir das für die Türe passende Renovierband. Dies Bedeutet, dass die Zapfen der Türe ein genau passendes Gegenüber haben mussten, wo sie eingehängt werden konnten. Auch hier sind wie beim Fenster Querverstrebungen aus Kanthölzern in den Rahmen verschraubt worden, so dass ein Rahmen mit den Innenmaßen der Türe entstand. Um die Türe nun in den Rahmen zu setzen, musste sie von einem Helfer in die Endposition gehoben werden. Dann konnte ein zweiter die Halterungen (also das Renovierband) anhalten und die zu bohrenden Löcher auf dem Rahmen anzeichnen. Nach Bohrung der Löcher fixierten wir dann die Halterungen mit Holzschrauben am Rahmen.

Ein wenig zu hoch war die Türe dennoch, so dass wir mit der Kreissäge unten ein Stück abkappen mussten. Mit Unterlegscheiben konnte nun der genaue Sitz der Türe hinsichtlich der Höhe korrigiert  werden, damit sie auch wirklich schließt. Zu guter Letzt haben wir dann das Schließblech auf den Rahmen aufgeschraubt und innerhalb des Bleches das Holz des Rahmens mit einem scharfen Stecheisen ausgestemmt, damit die Schließmechanik der Türe auch wirklich Platz hatte, um zu greifen. Fertig! Klasse!

Innenverkleidung – die Sprachkabine soll ja nach was aussehen

Bei der Innenverkleidung hatte ich mich für 19mm dicke Holzfaserplatten entschieden. Die Holzfaserplatten haben sehr gute akustische Eigenschaften, da sie porös und relativ weich sind. Ähnliche Platten findet man in alten Tonregien beim Fernsehen vor, mit dem Unterschied, dass diese weiß und perforiert sind. Die verwendeten Platten waren 2,40m lang und 0,60m breit, mussten also alle bezüglich der Höhe angepasst werden. Hierzu sollte man sich eine professionelle Handkreissäge mit Führungsschiene im Werkzeug-Verleih ausleihen. Wir haben sie zu Sonderkonditionen für 20 EUR für zwei Tage bekommen. Falls dieses Projekt Nachahmer finden sollte, kann ich nur vor der braunen Staubflut warnen, die beim Sägen dieser Platten entsteht! Eine Riesensauerei...besser einen passenden Staubsauger, der direkt an der Kreissäge angebracht werden kann, mit ausleihen.

Nachdem die Platten zurechtgestutzt waren, haben wir sie mit Spax-Schrauben (5 x 25mm) von innen auf die Rahmenkonstruktion festgeschraubt.
Die Spalten zwischen den Platten wurden mit Acryl gefüllt und geglättet, genauso wie die Löcher, die die versenkten Schrauben hinterlassen haben.
Es wurde nun Zeit, an die Kabeldurchführung für die Stagebox und die Stromleitung zu denken. Hierzu bohrten wir einfach genügend große Löcher in die Holzfaserplatten. Das Stromkabel führten wir schon durch, während wir der Stagebox noch ein wenig Zeit ließen, es sollte ja noch reichlich Dreck anfallen…

Schalldämmung

Endlich war der Zeitpunkt gekommen, das Dämm-Material hinter die Innenverkleidung anzubringen. Als Dämmung nutzten wir Akustik-Dämmmatten (spezielle Mineralfasermatten, die genaue Bezeichnung lautet „ISOVER Akustik TP1 Trennwand-Platte“), die man im Holzfachhandel und auch eigentlich in fast jedem gut sortierten Baumarkt bekommt. Die Größe der Dämm-Matten betrug 50x1250x625mm (BxLxH). Diese Matten sind mit einem scharfen Cutter-Messer sehr einfach auf das benötigte Maß zu schneiden. Hierzu gibt es fast nichts zu beachten – Matten einfach an die entsprechenden Rahmen-Segmente anhalten, zuschneiden, fertig. Die Kabine sollte rundherum, gleichmäßig mit den Matten verkleidet werden.  Nachdem das geschehen war, hoben wir die Kabine mit drei Leuten in die Endposition und fixiertensie mit je einer Schraube pro Seitenwand auf dem Fußboden.

Außenverkleidung der DIY-Kabine

Bei der Außenverkleidung der Kabine hatte ich mich für Rigipsplatten entschieden. Hierfür hatte ich 2,0m x 0,6m große Platten (so genannte „Ein-Mann-Platten“) günstig aus dem Baumarkt besorgt, die entgegen meiner Annahme (ich hatte zuvor noch nie mit Rigips gearbeitet) total leicht zu verarbeiten waren. Nachdem man Maß genommen hat, zeichnet man mit Bleistift auf den Platten die Bruchkante an. Anschließend wird mit einem scharfen Teppichmesser angeschnitten und daraufhin mit einem einfachen Handkantenschlag die Platte an der Sollbruchstelle gebrochen.

Die Platten haben wir dann an den Rahmen der Kabine angehalten und mit Schnellbauschrauben (nicht rostend) (4x25mm) am Rahmen fixiert – fertig! Dieser Arbeitsschritt ist ebenfalls sehr einfach und ohne fachmännisches Wissen durchführbar. Am Schluss, als die letzte Platte eingepasst werden musste, wurde es dann noch mal ein wenig spannend, weil diese Platte eben millimetergenau auf Passform angepasst werden musste - aber auch das haben wir hinbekommen. Wichtig ist auch, dass ihr die Kanten der Rigipsplatten „brecht“, das heißt mit dem Teppichmesser einfach etwas abschrägt, damit die Spachtelmasse später auch eine ausreichende „Angriffsfläche“ hat und hält.

Finish

Um die Rigipsplatten mit einfacher Dispersionsfarbe anstreichen zu können, müssen die Spalten, die zwischen den Platten entstehen sowie die Löcher, welche die versenkten Schrauben hinterlassen, mit einer Fugenspachtelmasse verputzt werden. Also bin ich mal wieder in den Baumarkt, habe Eimer und Füllspachtel besorgt und mir zwei Kellen (eine „Maurer-Truffel“ und einen „Glättspan“) von einem Freund geliehen, so dass wir diesen Arbeitsschritt dann auch noch hinter uns bringen konnten.

Der Putz sollte einen Tag durchtrocknen, bevor er mit einem Schwingschleifer abgeschliffen werden kann. Am nächsten Tag war es also dann soweit. Ich schliff die Platten mit Schleifpapier mit 120er-Körnung ab und habe anschließend die Oberflächen mit einem nassen Leder vom Staub befreit. Endlich konnte also gestrichen werden. Natürlich waren zwei Anstriche nötig, war ja klar…

Das Finish der Innenverkleidung sollte sich deutlich komplizierter gestalten. Da ich eigentlich im Sinn hatte, die akustisch günstige, offenporige Oberflächenstruktur der Holzfaserplatte nicht zu verändern, aber auf jeden Fall einen weißen Anstrich in der Kabine haben wollte, habe ich mich auf den Weg zu einem Malerfachbetrieb gemacht. Dort riet man mir zu Euroventilationsweiss, einem Lack auf Wasserbasis. Dieser schlug mit knapp 45 EUR für nur 2,5l schmerzlich zu Buche. Doch das war es mir zu dem Zeitpunkt wert. Schließlich waren die dunkelbraunen Innenwände mit den weißen Acrylspuren echtes Gift für die Augen.

Leider war ich falsch beraten. Die Holzfaserplatte hatte unglaublich großen Durst und verhielt sich nach dem ersten Anstrich wie ein trockener Schwamm. Der Farbtopf war nach einem Fünftel der Fläche bereits halb leer, und die behandelten Platten waren nun nicht mehr dunkelbraun. Stattdessen sah die Farbe nur ein wenig verblichen aus - na toll! Wie viel Liter von dieser Farbe sollte ich denn wohl noch nachkaufen, um alleine nur den Erstanstrich durchzuführen? Ich brach enttäuscht ab und verschob das Vorhaben auf den nächsten Tag.

Also bin ich mal wieder in den Farb-Fachhandel gefahren, die von einer falschen Beratung jedoch nichts wissen wollten. Dieses Mal hatte ich dann noch ein Reststück der Holzfaserplatte mitgebracht, damit sich die Fachmänner mal einen Eindruck von der Oberflächenstruktur machen konnten. Nach mehrfacher Beratung der Herren, empfahl man mir einen 5l-Eimer weißen ISO-Grund für 71 EUR. Statt eines Umtausches erhielt ich einen angemessenen Rabatt. Ich hatte während der Beratung noch betont, dass ich ein großes Interesse hätte, die Poren der Holzfaserplatte mit dem Anstrich nicht zu verschließen, da ich die akustischen Eigenschaften der Platte nicht maßgeblich verändern wolle.

Nun gut. Ich verwendete nun sparsam den weißen ISO-Grund. Es war ein sehr gut deckender Anstrich. Aber leider zog die Farbe nach dem Trocknen eine elastische Haut über die Platte. Die Poren wurden verschlossen. Genau das, was ich nicht wollte, war eingetreten, wodurch sich die Innenakustik der Kabine änderte. Klang der Raum vorher noch ziemlich matt bzw. dumpf, hörte man nun deutlich einzeln wahrnehmbare Reflexionen oberhalb 1 kHz, was den Raum heller und lebendiger klingen ließ. Leider hatte ich mir zudem ein klassisches Flatterecho eingefangen. Der Schall verfing sich in den Ecken und wurde mehrfach zurückgeworfen, was dann zu störenden hörbaren ersten Reflexionen und einem Flanger-artigen Gesamtsound führt, wenn man laut in die Hände klatscht. Als ich dies realisierte, beschloss ich, mir Kantenabsorber zu ordern, um alle vier  Ecken des Raumes damit auszustatten.

Da der weiße ISO-Grund zwar gut deckte, aber in vielen Stellen das Acryl noch durch den Lack schimmerte, musste ein zweiter Anstrich her. Doch dafür reichte die Farbe nicht mehr aus. Ich entschied mich für einfache Dispersionsfarbe, die Akustik war schon entscheidend verändert und Absorber mussten eh her. So konnte ich wenigstens kostengünstig einen zweiten Anstrich durchführen. Eine echte Odyssee, dieser Innenanstrich…

Danach habe ich den Boden in der Kabine komplett mit Bautenschutzmatten ausgelegt und darüber noch einen schönen Velour-Teppich verlegt. Die Türe habe ich von innen mit Pyramidenschaumstoff ausgekleidet, um den Einfluss der schallharten Oberfläche auf die Raumakustik zu eliminieren.

Zu guter Letzt habe ich bei http://www.schaumstoff.com/ vier Kantenabsorber (1,95m x 0,30m x 0,30m) bestellt, die dann, weil es Spezialanfertigungen waren, vier Wochen auf sich warten ließen.
Der Spaß kostete inklusive Versand 327 EUR – eine Investition, mit der ich nicht von vornherein gerechnet hatte.

Wie war das noch mal? Budgets sind doch da, um eingehalten zu werden, oder?

Wichtiges Thema beim Schallkabinenbau: Ent- und Belüftung

Als ich mir das erste Mal über das Thema Lüftung für die Schallkabine Gedanken machte, beschloss ich, eine Vorrichtung in die Kabine zu integrieren, mit der die verbrauchte Luft abgesaugt wird. Ein Nachteil der Abluftabsaugung ist, dass wenn die Kabine dicht ist, irgendwoher ja auch frische Luft herkommen muss. Es sollte also auch eine Belüftung eingebaut werden, die frische Luft ansaugt. Man hat in diesem Fall also zwei Problemquellen und vor allem zwei potentielle direkte Schallbrücken. Zudem fängt man sich zusätzliche Geräusche durch die verwirbelte Luft ein.

Während des Baus nahm ich immer mehr Abstand von diesem Gedanken, und schließlich ließ ich es erst einmal, da ich mir nicht sicher war, ob es in meinem Fall unbedingt benötigt wird.  Meistens dauern die Aufnahmen nicht länger als eine Stunde und selbst während einer einstündigen Aufnahme wird meistens noch eine kurze Pause gemacht, in der man noch mal prima durchlüften kann.

Falls in Zukunft längere Aufnahmezeiten gewünscht werden, lässt sich nachträglich immer noch eine Belüftung einbauen. Eine reine Belüftungsanlage hat mehrere Vorteile: Zum einen hat man nur eine potentielle Schallbrücke, da man auf die Abluft verzichten kann. Darüber hinaus lässt sich die Frischluftzufuhr deutlich besser akustisch bedämpfen, indem man einen vorgelagerten Lüfter verwendet. Der Lüfter wird vor einen Holzkasten geschraubt. In den Holzkasten baut man mit Hilfe von zurechtgesägten Brettchen ein System aus Luftkanälen, welches einem kleinen Labyrinth ähnelt.

Der Weg, den die Luft zurücklegen muss, wird dann mit Schaumstoff bedämpft, so dass die Geräusche, die die Luftverwirbelungen verursachen, direkt in dem Kasten absorbiert werden. Der Kasten wird dann über einen Luftschlauch, der ebenfalls von innen bedämpft wird, an die Sprachkabine angeschlossen. Natürlich muss der Schlauch von außen ebenfalls mit einem absorbierenden Material umwickelt werden, damit dieser nicht selbst zu einer Schallbrücke wird.
Ein großer Nachteil des verkleideten Labyrinths ist, dass die Leistung des Lüfters stark gemindert wird. Der Lüfter muss also entsprechend groß und kräftig dimensioniert sein, damit überhaupt ein merklicher Effekt erzielt wird. Aber dieser Weg wäre eine gute und relativ kostengünstige Möglichkeit, eine Belüftung in die Sprachkabine zu integrieren.

Kosten für die Gesangskabine im Eigenbau

50 laufende Meter gehobelte Kanthölzer 4 x 6cm 232,49 €
12m 4 x 6cm Kanthölzer Nachkauf 55,68 €
2 Pakete Mineralfasermatten (20m²) 31,98 €
19mm Holzfaserplatten (18m²) 123,76 €
Holzschrauben 5x 80mm (100 Stück) & 4 x 25mm (200 Stück) 69,99 €
Bautenschutzmatte (3m²) 18,80 €
Hohlkammertür 73,5cm x 198,5cm weiß lackiert 83,99 €
6 x Kieferleisten 13x13mm 2m für Türfalz und Fenster 17,94 €
100 x 50cm 5mm Acrylglasplatte 19,99 €
3 x Tesamoll 6:9 5m-Rollen 12,87 €
2 x Renovierband 10,99 €
Türklinke 12,99 €
Schließblech 8,99 €
Leihgebühr für Handkreissäge und starken Akkuschrauber 35,00 €
7 Rigipsplatten (1Mannplatte) 60 x 200cm 16mm 25,06 €
Schnellbauschrauben 3,9mm x 25mm (300 Stück) 9,39 €
Fugenspachtelmasse 7,29 €
2 x Acryl weiß 5,58 €
10l weiße Dispersionsfarbe für Außen- und zweiten Innenanstrich 19,99 €
ISO Grund weiß 5l für ersten Innenanstrich 70,96 €
3 x Dreikantleisten 22 x 22mm (7m) für Fußleisten in der Kabine 9,57 €
2 x Winkelleisten 27 x 27mm (2m) für Abschluss Außenverkleidung 12,28 €
2 x Winkelleisten 22 x 22mm für Abschluss Fensterrahmen 11,58 €
6m² Teppichboden 60,00 €
2 x Pyramidenschaumstoff 65mm dick 100 x 100cm für die Tür 27,80 €
4 Kantenabsorber 1,95m lang 30cm x 30cm (Sonderanfertigung) 326,92 €
Inreda IKEA Lampe für Innenbeleuchtung 14,99 €
Stagebox 2 x 4 Kanäle 10m lang 59,00 €
Summe: 1395,87 €
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