Bass
Test
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18.01.2018

Spector Euro 4 LX RS Rudy Sarzo Signature Test

Viersaitiger E-Bass

Bassgeschichte trifft Rockgeschichte!

Rudy Sarzo ist seit Mitte der 1970er-Jahre einer der meistbeschäftigten Bassisten in der Geschichte der Rockmusik. Hier nur ein paar wenige Stationen seiner beeindruckenden Karriere: Ozzy Osbourne, Whitesnake, Quiet Riot, Blue Öyster Cult, Dio usw. - das liest sich schon fast wie ein Lexikon des Rock, oder? Mittlerweile geht Rudy Sarzo stramm auf die 70 zu, sein Tatendrang ist aber ungebrochen. Das hat auch Bassbaulegende Stuart Spector bewegt, dem Kultbassisten mit kubanischen Wurzeln sein eigenes Signature-Modell auf den Leib zu schneidern. Und Kult ist Stuart Spector schließlich selbst, gilt er doch gemeinhin als echter Pionier und großer Innovator im Bassbau und hat zusammen mit Ned Steinberger ein Korpus-Design für die Ewigkeit erschaffen. Der mir heute vorliegende Bass namens Euro 4 LX RS wartet mit einigen wohlbekannten Spector-Zutaten, aber auch mit etlichen interessanten Details auf, die sich aufgrund der individuellen Wünsche und Ideen Rudy Sarzos in diesem Signature-Modell wiederfinden.

Details

Grundlage des Rudy Sarzo Signature ist der Spector NS 2, welchen es bereits seit 1979 gibt. Dazu eine kleine Anekdote - so viel Zeit muss sein: Bis in die 70er-Jahre machten sich die wenigsten Bassbauer wirklich Gedanken um die Ergonomie ihrer Instrumente. Diese besaßen daher zumeist einen Body ohne große Shapings und Konturen und kamen den Spielern im wahrsten Sinne "nicht wirklich entgegen". Einer der ersten, der sich darüber ernsthaft Gedanken machte, war Stuart Spector.

Stuart teilte sich damals im New Yorker Stadtteil Brooklyn eine Werkstatt mit einem jungen Möbeldesigner namens Ned Steinberger. Dieser hatte aufgrund seiner Profession eine ganz andere Perspektive auf die Dinge und entwickelte für Spector die berühmte schlanke und elegante Spector-Korpusform mit gewölbter Decke, geshapten Boden und runden Zargen. Unter anderem aufgrund dieser schönen Anekdote gilt Stuart Spector heute als einer der Väter des modernen Edelbasses!

Alle Spector-Modelle mit dieser Form tragen seitdem das Kürzel "NS" für "Ned Steinberger" im Namen. 1977 gab es den NS 1 mit einem Tonabnehmer, 1979 folgte der NS 2 mit zwei Pickups. Die Modelle aus europäischer Fertigung heißen "Euro LX" (mit durchgehendem Hals) und "Rebop" (geschraubter Hals). Obwohl hier das Kürzel "NS" aufgrund der identischen Korpusform zu den USA-Modellen auch hier zutreffen würde, taucht es in der Produktbezeichnung nicht auf.

Das Wort "Euro" in der Typenbezeichnung verrät übrigens auch bei diesem Modell, dass es sich um einen Spector aus tschechischer Fertigung handelt. Wer die in Lizenz hergestellten Euro-Modelle der US-Company kennt, der weiß, dass hier höchste Qualität geboten wird. Und so ist auch "mein" Euro 4 LX RS einmal mehr tadellos verarbeitet und steht seinen Kollegen aus USA in nichts nach. Der hohe Qualitätsstandard ist übrigens sicherlich auch der seit vielen Jahren sehr engen Zusammenarbeit zwischen Stuart Spector und der tschechischen Tochterfirma zu verdanken.

Der Spector Rudy Sarzo besitzt einen dreistreifigen Ahornhals mit einem Rosewood-Griffbrett. Dieses zieren ovale Blockinlays aus hellem Perlmutt. Die angeleimten Korpusflügel bestehen aus Erle, die Decke aus eindrucksvoll geflammten Ahorn. Tatsächlich ist die Decke mit 16 mm Stärke nur unwesentlich dünner als der Boden und hat damit nicht nur optischen, sondern sicher auch klanglichen Einfluss, und man kann hier getrost von einer Sandwich-Bauweise sprechen.

Hals wie auch Korpus wurden in einem transparenten Schwarz gebeizt und mit Klarlack überzogen (Black Stain). Auf diese Weise wird freier Blick auf die hübsche Maserung gewährt. Die Form des Bodies habe ich ja schon kurz angesprochen. Er verfügt über eine konvexe Decke und analog dazu einen konkaven Boden. Die Zargen sind elegant abgerundet - alles wirkt sehr geschwungen und "flüssig".

Der Spector RS besitzt 24 Bünde, die durch die angesprochene Konstruktion auch alle problemlos zugänglich sind. Die Anbindung des Halses an den Korpus erfolgt erst am 23. Bund, bei "normalen" Spector-Modellen bereits am 20. - dazu später mehr!

Die Stimmmechaniken hat man - typisch Spector - im Verhältnis 2:2 auf der vergleichsweise schlichten Kopfplatte angebracht. Auf dieser befindet sich auch der Zugang zum Halsspannstab. Ein kleiner Hingucker ist allerdings der schicke goldfarbene Messing-Sattel - auch ein typisches Detail vieler Spector-Instrumente.

Sämtliche Hardware ist in Schwarz gehalten. Die Messing-Brücke stammt von Spector selbst, die Mechaniken vom renommierten Hersteller Gotoh.

Die größte Abweichung gegenüber dem Serien-Euro 4 LX findet man bei den Pickups: Sie stammen von dem britischen Hersteller SimS. In unserem Fall haben wir es mit Quad-Coil-Humbuckern zu tun, unter der Haube befinden sich also jeweils vier Spulen. Diese lassen sich per Kippschalter in drei verschiedene Betriebsarten bringen: Singlecoil, Splitcoil und Humbucker. Das bedeutet, insgesamt sind hier 15 (!) unterschiedliche Konfigurationen möglich. Der Clou dabei ist, dass die Pickups LEDs besitzen, die den jeweiligen Modus anzeigt: Singlecoil ist rot, Splitcoil grün und Humbucker blau.

Hat man sich diesen Farbcode einmal eingeprägt, ist das tatsächlich ein äußerst nützliches Feature, vor allem auf dunklen Bühnen. Unterstützt werden die Pickups durch die berühmt-berüchtigte Spector "Tone Pump"-Elektronik. Neben zwei Volumen-Reglern verfügt diese über eine Zweiband-Elektronik (Bass und Höhen), die als "Boost Only" ausgelegt ist. Die Frequenzbänder können also "nur" angehoben werden, das mit bis zu +18dB aber mehr als ordentlich. In diesem Zusammenhang bleibt noch zu erwähnen, dass der Spector Euro 4 LX RS ausschließlich aktiv betrieben werden kann!

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