Hersteller_Sonor
Test
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28.09.2012

Praxis

Um nochmal etwas klarzustellen: Eine Trommel muss nicht unbedingt dünn sein, um gut zu klingen. Die eingangs erwähnten ultradicken Kessel der Sonor Signature-Serie hatten eindeutig ihre Qualitäten, aber es hat sich im Laufe der Jahre einfach gezeigt, dass dünne Kessel flexibler einsetzbar sind, da sie auch bei geringer Anschlagstärke schon ihr volles Klangpotenzial entwickeln. Eine entscheidende Rolle spielt in diesem Zusammenhang auch das Verhältnis zwischen Kesseldurchmesser und -tiefe, welches sich beim Testset stark an den traditionellen Maßen vor der Einführung der "Power Toms" orientiert (abgesehen von der mit 17,5" recht tiefen Bassdrum). Die beiden Rack Toms in 10"x8" und 12"x9" sprechen in jedem Stimmbereich sehr sensibel an und produzieren mit der werksseitigen Befellung einen vollen, klaren, obertonreichen Sound. In hohem Tuning klingen die Toms perkussiv mit kontrolliertem Sustain. Dämpfung ist absolut nicht nötig, da sich die Obertöne optimal mit dem Grundton zusammenfügen und keinerlei störende Frequenzen zu hören sind.

In mittlerer Stimmung kommt der warme Klangcharakter der Maple-Kessel deutlich zum Vorschein. Vor allem das Floor-Tom kommt hier so langsam in den "Wohlfühlbereich". Der Sound ist satt und voluminös mit klar definiertem Attack. Trotz der vier Zoll Unterschied zwischen den 12"- und 16"-Toms klingt die Trommelreihe sehr homogen, zudem ist es aufgrund des großen Stimmbereiches kein Problem, gleichmäßige Intervalle zwischen den Toms zu erzeugen. Bereits mit wenigen Handgriffen an den Stimmschrauben kann man einen sehr sauber ausklingenden Sound erzielen, was für die exzellente Verarbeitungsqualität der Trommeln spricht.

Die sensible Ansprache der dünnen Kessel bleibt auch im tiefen Tuning vollständig erhalten. Der Druck, den die Toms im Bassbereich entwickeln, ist enorm. Der perfekte Pop-/Rocksound, besser geht's nicht. Das gilt auch die Bassdrum, die mit ihren 17,5" Kesseltiefe das passende Fundament liefert. Es genügt bereits eine minimale Dämpfung, etwa eine leichte Decke, um einen trockenen, satten Tiefbass zu erzeugen. Für einen verstärkten Attacksound bietet sich die Kunststofffläche des Two-Way-Beaters an. In den Soundbeispielen mit hohem Tuning ist übrigens auch die Bassdrum etwas höher gestimmt. In diesem Bereich entwickelt sie mehr tonalen Charakter und klingt weniger komprimiert als in der tiefen Stimmung.

Die Snaredrums aus dem Hause Sonor waren schon immer eine Klasse für sich, und das gilt auch für die 14"x5"-Snare des Testsets. Für einen Holzkessel entwickelt die Trommel ein erstaunliches Obertonspektrum und kann dadurch so manche Metallsnare das Fürchten lehren. Durch die Gussreifen, welche exzellent mit dem filigranen Maple-Kessel harmonieren, stechen vor allem die Rimshots mit ihren singenden Obertönen hervor. Die Dynamik der Trommel ist beeindruckend, was sich vor allem bei leise gespielten Rolls im Randbereich zeigt, und auch die Ansprache des Edelstahl-Spiralteppichs ist optimal. Wie auch bei den Toms ist der Stimmbereich sehr groß. Selbst in tiefem Tuning bleibt die klare und präzise Charakteristik erhalten. Alles in allem vereint die Trommel die klangliche Wärme eines Holzkessels mit dem Durchsetzungsvermögen einer Metallsnare und ist damit jeder musikalischen Situation gewachsen, sei es nun ein Sinfonieorchester oder eine Metal-Band.

Die Hardware der 600er-Serie ist rundum hervorragend verarbeitet und dank der vielen besonderen Details ungeheuer flexibel. Vor allem die Docking Station der Doppel-Fußmaschine ist genial konstruiert und ermöglicht eine blitzschnelle Montage. Zudem passt sich der Mechanismus auch problemlos an stark angewinkelte Bassdrums an. Das Pedal läuft leicht und geräuschlos, ebenso wie die Hi-Hat-Maschine, die durch ihre simple und stabile Konstruktion überzeugt.

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