Hersteller_Sonor Snare_Pro_Sonor_Prolite_Maple
Test
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12.08.2015

Praxis

Die Snares sind leicht stimmbar, nur die Handhabung der Abhebung ist fummelig

Die ProLite Snares machen ihrem Namen alle Ehre, entsprechend schnell geht der Stimmprozess von der Hand. Trotz Tune Safe laufen alle Spannschrauben butterweich in ihren Gewinden. Wer an geflanschte Stahlreifen gewöhnt ist, muss ein bisschen umdenken, denn die Steifigkeit der Gussreifen wirkt sich auf einzelne Stimmschraubenbewegungen deutlicher aus. 

Nun ist es an der Zeit, sich der technologischen Neuerung zuzuwenden, der Dual Glide Abhebung. Ein erster Griff zum Abhebebügel löst Freude aus, das fühlt sich gut an. Weich und fast geräuschlos lässt sich der Teppich ab- und wieder anspannen. Bei den eigentlichen Features macht sich allerdings ein bisschen Ernüchterung breit. Es beginnt bei der Einstellung der Teppichspannung. Dass Sonor an eine Rasterung der Rändelschrauben gedacht hat, ist sehr löblich, dass diese ziemlich fest einrastet, weniger. Selbst bei abgeschaltetem Teppich sind die Schrauben nur schwergängig in Bewegung zu setzen. Dazu kommt, dass sie relativ nahe am Spannreifen sitzen, so dass man sie mit den Fingern nicht gut zu fassen bekommt. 

Ein weiteres Feature, der Quick Release Mechanismus, funktioniert zwar grundsätzlich, offenbart aber Konstruktionsschwächen. Das schnelle Abnehmen von Klemmböcken samt Snare-Teppich funktioniert reibungslos, jedoch kann es beim Wiederanbringen passieren, dass der Klemmbock nicht sicher einrastet. Die Folge ist eine viel zu lose Teppichspannung. Insgesamt frage ich mich, ob man ein solches Feature, das an den meisten Snares höchstens einmal im Jahr zum Einsatz kommt, wirklich unbedingt braucht. 

Im Spieltest zeigen die ProLites druckvolle und präzise Klänge

Kommen wir nun aber zum Kern der Sache, den Sounds. Und die haben es wahrlich in sich. Beide Trommeln erzeugen einen sehr druckvollen, „körperlichen“ Ton, der sich an eine Vielzahl musikalischer Situationen anpassen lässt. Mich erinnert er fast ein bisschen an Snaredrums mit Holzkesseln aus einem Stück (Solid Bauweise). Typisch für Sonor Snares aus deutscher Fertigung ist die sehr präsente Teppichansprache, die bewirkt, dass man für Ghostnotes kaum „arbeiten“ muss. 

 

Tiefe Stimmung, solo und im Groove

Die Qualität einer Snare zeigt sich nicht nur im dynamischen Bereich, sondern gerade auch darin, wie sie auf verschiedene Stimmungen reagiert und ob beispielsweise sehr tiefe und sehr hohe Varianten „funktionieren“. Beide ProLite Snares klingen auch tief gestimmt noch erstaunlich straff und driften selbst völlig ungedämpft nicht in unschönes Obertongejammer ab. Die 14x6er wirkt hier noch etwas kontrollierter und souveräner als die kleine 5 Zoll tiefe Schwester. Ich habe euch jeweils ein Groove- und ein Solo-Soundfile beider Trommeln aufgenommen.

Mittlere Stimmung, solo und im Groove

Etwas fokussierter und sehr breit im Ton, dabei aber sehr präsent in den Höhen werden die ProLites, wenn man sie in eine mittlere Stimmung versetzt. Hier gefällt mir die 5er eine Spur besser als die 6er, was auch mit dem Spielgefühl zu tun hat. Das ist natürlich mit einem Soundfile nicht darstellbar und ein Grund dafür, warum man teure Instrumente immer vor dem Kauf persönlich ausprobieren sollte. Jedenfalls zeigen beide Trommeln gerade im mittleren Bereich, warum diese Kesselkonstruktion seit Jahren so beliebt ist: man kann alles damit spielen und es wird immer mindestens gut klingen.

Funky hohe Stimmung, solo und im Groove

Viele Holz-Snares machen ab einer bestimmten Fellspannung nur noch „Pöck!“. Trotz der – sehr dünnen - Kesselkonstruktion passiert bei den ProLites fast das Gegenteil: sie gehen auf. Kein Obertonverlust, nur sehr wenig Druckverlust in der Magengegend, tolle, präsente Ansprache. Ich habe für unser Klangbeispiel die 6 Zoll Version noch etwas höher gestimmt, einfach deswegen, weil viele eher tiefe Holzkessel-Snares in den den ganz hohen Stimmungen zur „Kopfigkeit“ neigen. Dieses Phänomen ist bei der ProLite zwar auch zu beobachten, allerdings erst in Bereichen, die dem Spiel auf einer Metallplatte gleich kämen. Besonders gut gefällt mir der grandiose Rimclick-Sound beider Snares in der hohen Stimmung. Wer braucht da noch Holzspannreifen?

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