Hersteller_Sonor
Test
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19.01.2011

Ich möchte die Schrauben noch einmal komplett losedrehen, um die Snare gleichmäßig stimmen zu können, und beginne auf der Reso-Seite. Hier offenbart sich nach einigen Handgriffen die erste (wenn auch einzige) Krux der TuneSafe Böckchen. Kurz zum Aufbau und der Funktion dieser Böckchen: Im Inneren sitzt hinter dem Gewinde eine kleine Kunststoffmuffe, in die sich die Stimmschraube automatisch hineindreht und dadurch schwergängig gemacht wird. Die Schraube sitzt nun fester im Böckchen und hält die Stimmung der Snare Drum – super Sache! Möchte ich nun aber zum Stimmen die Stimmschrauben ‚finger-fest‘ ziehen (Schrauben mit den Fingern so weit festziehen, bis der Schraubenkopf auf dem Hoop aufliegt), ist kurz vorher Schluss. Denn die Stimmschraube trifft auf die Kunststoffmuffe, wenn der Schraubenkopf noch ca. 10mm vom Hoop entfernt ist. Das heißt, ich spüre unmittelbar, dass das Eindrehen der Schraube schwerer wird. Das Festdrehen mit den Fingern ist jetzt äußerst mühsam und unangenehm, weshalb ich dann doch zum Stimmschlüssel greife. Jetzt muss ich genau beobachten, WANN der Schraubenkopf auf den Hoop trifft, und beginnt das Fell zu spannen. Etwas umständlich, und man ist immer auf gutes Licht sowie gegebenenfalls die Lesebrille angewiesen.

Nach der Arbeit folgt das Spiel oder so ähnlich. Jedenfalls steht das gute Stück nun frisch gestimmt vor mir und erwartet Hiebe. „Kannste kriegen!“ rufe ich, während mein Stick zum ersten Schlag herniederfährt … und ich traue meinen Ohren kaum. Denn anstatt zu kreischen oder bellen, erklingt sie in den schönsten Tönen. Ein satter, kräftiger Sound, der aber zugleich edel und differenziert klingt. Keine Snare für aufgepumpte Muskelspielchen oder ordinäre Kraftpakete, sondern klanglich tiefgründig und energetisch, agil und lebendig. Dank der Gussspannreifen sind die Obertöne angenehm kontrolliert und geben der Snare gleichzeitig einen deftigen, holzigen Punch. Der Rimshot klingt schon fast in Richtung Stahlkessel und legt mit ungedämpftem Schlagfell einen singenden Ping an den Tag.

Ich will die Richtung(en) der Snare ein wenig ausloten und verringere die Fellspannung. Das Stimmen der Trommel funktioniert fast geräuschlos und man spürt förmlich, dass hier alles perfekt ineinandergreift. Auch in der Tiefe zeigt die Trommel Profil und kann mich klanglich überzeugen. Der Sound ist differenziert und sauber. Eine kleine Portion ‚Dreck‘ könnte die Snare in dieser Lage noch vertragen. Sie klingt zwar rund und holzig, aber doch ein wenig zu brav. Der Rebound ist allerdings nach wie vor exzellent. Ganz in den Keller bekomme ich die Snare jedoch nicht. Mit zu geringer Fellspannung daddelt es relativ profillos aus dem Kessel.

Bei besonders hohem Tuning macht die Snare irgendwann dicht, klingt dünn und ‚körperlos‘. Auch das Spielgefühl ist äußerst hart und erinnert eher an eine Holzplatte als an ein Fell. Also noch mal ein bisschen entspannen und sie fängt sofort wieder an zu singen. Auf der praktischen Seite ist positiv zu erwähnen, dass die Snareabhebung absolut geräuschlos arbeitet und mit einem flüssigen Bewegungsablauf brilliert.

Die mittlere bis hohe Stimmung ist das absolute Steckenpferd der Sonor Artist Snare und zeichnet sich durch einen exzellenten und kräftigen Sound aus. Das Klangbild ist ausgewogen und kontrolliert. Mir gefällt vor allem der holzige Charakter, der in diesen beiden Stimmlagen optimal zur Geltung kommt. Dynamisch kann sich der Trommler vollends austoben, denn die Snare macht alles mit - man kann es nicht anders sagen. Die Teppichansprache ist hervorragend und auch bei feinstem Pianissimo geht der Strainer perfekt mit. Selbst mit Rimshot hält sie die Pferde in Zaum, klingt sehr energetisch, aber bellt nicht ordinär nach vorne. Sie hält ihre tonale Klasse. In allen Kriterien - Sound, Optik und Handling - merkt man, dass hier wirklich nichts dem Zufall (oder der Kostenbremse) überlassen wurde.

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