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Test
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03.07.2018

Snazzy FX Tracer City, The Mini-Ark & Wow And Flutter Test

Effektpedale

Snazzy FX in Zusammenarbeit mit Erica Synths

Snazzy FX Tracer City, The Mini-Ark & Wow And Flutter Test. (Foto: Bonedo)

In der kleinen Welt der Modularelektronik sind viele Hersteller untereinander befreundet. Und so begab es sich, das Dan Snazelle aus New York City mit den Jungs von BASTL Instruments aus dem tschechischen Brno auf einer kleinen Tour nach der Superbooth 2017, auch Kodek und Girts Ozolins von Erica Synths aus dem lettischen Riga vorgestellt wurde. Eine Sache ergab die Andere und ein Jahr später hat Dan’s kleine Firma Snazzy FX nicht nur eine Reihe von Eurorackmodulen - produziert von BASTL - im Portfolio, sondern auch drei knallbunte Effektpedale - produziert von Erica Synths.

Die New York-Brno-Riga-Connection trägt erste Früchte und wir haben sie ganz frisch im Test: The Mini-Ark, Tracer City und Wow And Flutter.

Details

Kurzbeschreibung

Der grün-rote Mini-Ark ist ein Oktaver auf Steroiden, der fast schon wie ein Synthesizer klingen kann. Der gelb-pinke Tracer City ist eine sehr vielseitige Filterbox mit LFOs, Envelope Followern und Zufallsgeneratoren. Der orange-blaue Wow And Flutter simuliert ein altes, kaputtes Tonbandgerät. Also nicht nur schöngeistige Bandsättigung, sondern auch massive Defekte. Zurückhaltend sind die drei von der Snazzy-Stelle beileibe nicht: Das rabiate Trio eignet sich vor allem für experimentierfreudige Musiker, die ihre Klänge maximal verbiegen bis verwüsten wollen.

Erscheinung und Lieferumfang

Alle drei Pedale sind in sehr solide knallbunte und recht großformatige Metallgehäuse verpackt. Sie erscheinen optisch - auf den ersten Blick - so psychedelisch wie ein Drogenrausch. Wir werden aber noch sehen, dass durchaus Struktur im Oberflächendesign zu finden ist. Vorne befindet sich wie bei Pedalen üblich der Fußschalter zum Ein-und-Ausschalten des Effekts.

Der Mini-Ark kommt gar mit einem zweiten Schalter namens „Infinite“ daher, einer Art Freeze-Funktion. Stehen die Pedale bei einem elektronischen Act auf dem Tisch, lassen sich die Fußschalter auch einwandfrei mit der Hand bedienen.

Auf der Rückseite befinden sich jeweils Mono-Ein-und Ausgänge, der Mini-Ark bietet mit zusätzliche Gate-, Square und CV-Ausgänge, Tracer City hat Eingänge für CV und einen Fußschweller. Außerdem befindet sich rückseitig der Anschluss für das mitgelieferte 9 Volt-Netzteil, ohne das nichts geht. Auf der Unterseite sorgen zwei dicke durchgehende Gummistreifen für bombensicheren Halt. 

Die mitgelieferten Netzteile sind übrigens weltweit von 100 bis 240 Volt einsetzbar und kommen mit den vier international gebräuchlisten Steckervarianten. Sehr schön. Alle drei Effekte rauschen leicht aber undramatisch.

The Mini-Ark

Bei einem „normalen“ Oktav-Pedal lassen sich ein oder zwei Oktaven dazu schalten, oder mischen. Beim Mini-Ark ist viel mehr möglich. Sechs rote Potis, drei rote Wahlschalter und zwei kleine Metallkippschalter bieten allerhand Manipulationsmöglichkeiten. Die oberste Poti-Reihe dient dem Mix: Das Input Sens-Poti ist keine Gain-Vorstufe, sondern passt das Ausgangssignal z. B. einer Gitarre an das Pedal an. Die drei Volumen Regler für Dry, Oktave und Interval helfen beim Abschmecken der richtigen Mischung.

Darunter gibt es zwei Schalter zum Anwählen von Oktave und Interval. Sowohl Oktave als auch Intervall können zum Original-Signal dazugemischt werden, dieses lässt sich aber auch ausblenden. Volume regelt wenig überraschend die Gesamtlautstärke des Effekts, Hold lässt den Effektton entsprechend länger stehen. Die beiden kleinen Minischalter in der Mitte geben noch etwas „Dirt“ dazu oder schalten das Effektsignal von Sustain auf Gate um: Dann bleibt der jeweils zuletzt gespielte Effekt-Ton einfach stehen.

Ganz unten befindet sich dann noch der geheimnisvolle „Magical Selektor“. Hier kann User acht Presets zwischen knackig und chaotisch durchschalten. Bei einigen wird der Effektsound nach kurzer Decay-Phase mit einem leichten Downslide funky abgeschnitten, bei manchen bleibt der Ton gleich und steigt dann stetig weiter an. Hier lohnt sich das Herumexperimentieren. Anders als die beide Snazzy-Kollegen hat die Mini-Ark gleich zwei Trittschalter auf dem leicht abgeschrägten Vordergehäuse. Der linke aktiviert den Effekt, der rechte – „Infinite“ benannte – ist eine Art Freeze für den Effekt-Klang.

Wow And Flutter

Wow And Flutter ist das etwas andere Sättigungspedal. Es will sich nicht mit sanfter, warmer Tape-Saturation einschmeicheln, sondern vereinigt die Gleichlaufschwankungen und den Sound eines alten Tonbandgeräts mit einem fröhlich leiernden Delay. Ich weiß nicht, ob mein altes Tapedeck jemals so kaputt klang, aber als spektakulärer Effekt für alle möglichen Signale taugt Wow And Flutter allemal. Die mit einem Schmetterlingsmotiv verzierte Oberfläche ist mit neun blauen Reglern bestückt.

Per Attack und Decay lässt sich einstellen, ob das „Tonband" schnell oder langsam ein- und ausfaded. Per Threshold- und Warp-Regler wird das manipulierte Signal wieder zurückgeführt um subtile Vibratos und Flanger-Effekte zu erzeugen. Je weiter der Warp-Regler zum Einsatz kommt, um so stärker werden die Verzögerungen, Tonhöhenverschiebungen und jaulenden Portamenti, die beim Spielen mit den zentralen Delay und Feedback-Reglern erzeugt werden. Selbst im DRY-Modus färbt das Wow & Flutter-Pedal das Signal ein. Die Grundfunktionen des Pedals gibt es übrigens auch als gleichnamiges Eurorack-Modul für +/- 5V Signale.

Tracer City

Tracer City ist ein vollanaloges resonanzfähiges Multimode-Filter mit LFOs, Modulatoren und sogar Oszillatoren. Seinen urbanen Namen mag sich das gelb-pinkfarbene Pedal durch den Umstand verdient haben, dass die 14 lila Regler und neun kleinen Metallkippschalter wie Straßenschluchten in Dan Snazelle’s Heimatstadt New York City wirken: Zunächst sieht alles total unübersichtlich aus, aber bei näherem Hinschauen macht die Anordnung der fächerförmig verteilten violetten Potis wirklich Sinn. 

Oben links schmeckt der Gain-Regler die Eingangslautsstärke ab: Angefangen bei Synths, über Drummachines, bis hin zu einem DAW-Bus, kann jedes Signal angepasst werden. Für Gitarren gibt es noch den Line/Git-Schalter. Natürlich spricht nichts dagegen, auch Line-Signale durch die heißere Gitarrenvorstufe zu fahren. Aber passt bitte auf eure Speaker, Kophörer und natürlich eure Ohren auf.

Ganz rechts an den Rand gedrängt liegt dann das Multimode-Filter: Cutoff und Resonance, umschaltbar zwischen Tiefpass, Bandpass und Hochpass. Fächerförmig bietet Tracer City dann gleich fünf verschiedene Modulationsmöglichkeiten für das Filter an: LFO, Random, Envelope Follower, Expressionpedal und CV, alle umschaltbar zwischen linearem oder exponentialem Regelweg, außer dem Zufallsgenerator, der bietet die Optionen „up“ und „down“.

Die oberste „Fächer-Reihe“ kontrolliert den LFO in Geschwindigkeit und Intensität, kann aber auch auf Oszillatorbetrieb umgeschaltet werden. Dann hat man schon fast ein Synthi-Modul vor sich, mit Dreieck- oder Rechteckwelle. Nicht umsonst arbeitet das Pedal wie viele analoge Synthesizer intern mit +/- 15-Volt Spannung für mehr Headroom. Die nächste Fächerreihe beherbergt den Zufallsgenerator, der dem Ton noch etwas mehr Chaos beimischt, ähnlich wie ein LFO, nur eben mit einer sich ständig wandelnden Wellenform.

Die dritte Reihe von oben ist dem Envelope Follower gewidmet, der auf die Dynamik des eingehenden Signals reagiert und mit den übrigen Modulatoren interagiert. Das Manual empfiehlt Zurückhaltung bei der Einsatztiefe (FLW DEPTH), da der Envelope Follower in bestimmten Einstellungen die anderen Modulatoren überstimmen und extreme Frequenzboosts erzeugen kann. Schließlich gibt es noch zwei Regler für die Einsatztiefen eines optional anschließbaren Expressionspedals und des CV-Eingangs.

Das klingt doch schon mal spannend, hören wir also mal rein, im folgenden Praxis-Teil.

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