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Test
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02.07.2013

SM Pro Audio Tubebox Test

API 500 Röhren-Mikrofonvorverstärker und Optokompressor

Nimm zwei, zahl die Hälfte

Die SM Pro Audio Tubebox vereint einen Micpreamp und einen Optokompressor in einem einzigen API-Lunchbox-Slot – das ist ein ausgewachsenes Channelstrip-Featureset! Da darf man gespannt sein, was das Gerät leistet...

Bei anderen Herstellern wird dieser Funktionsumfang in zwei 19“-Höheneinheiten gepackt, insofern hat SM Pro Audio hier einen heißen Kandidat für den Titel „umfangreichste Ausstattung in einem 500-Slot“ im Programm.

Details

Spielwiese

Man darf das Feature-Set der Tubebox durchaus als ungewöhnlich bezeichnen, erst recht, weil sich das Modul als „offene Plattform“ versteht und der Anwender im Manual zum Experimentieren mit der Konfiguration dieser Hybridschaltung eingeladen wird – dazu später mehr.

Röhre wird nicht mit Minimalspannung betrieben

Unter der Haube der Tubebox arbeiten Verstärkerschaltungen, deren zentrales Element eine 12AX7-Doppeltriode darstellt, welche allerdings flankiert wird von einer Handvoll Industriestandard-OpAmps der Typen 4580 und 5532. Zunächst bietet das Modul einen Mikrofonvorverstärker, dessen Hauptarbeit von einem 4590-IC verrichtet wird. Nachgeschaltet sitzt die Röhre, die mit immerhin 48V betrieben wird. Es handelt sich also nicht um ein sogenanntes „Starved Plate“-Design, von den rund 250-300V, die in einer gängigen Vollröhrenschaltung angelegt werden, ist die Tubebox trotzdem weit entfernt.

Rätselraten

Funktionell bietet der Vorverstärker ein 20dB-Pad, eine Phaseninvertierung sowie Phantomspeisung. Auch ein Trittschallfilter mit einer Eckfrequenz von 70 Hz kann aktiviert werden. Leider verfügen die meisten Schalter über keinerlei Informationen über ihren Schaltzustand, weder durch LEDs noch durch Markierungen auf der Frontplatte. Auch das vorliegende Manual gab keinen Aufschluss. Der Schaltzustand musste also experimentell ermittelt werden (Schalter unten bedeutet: „Aus“). Die Phantomspeisung bildet die Ausnahme, hier steht eine LED zur Verfügung. Das ist auch gut so, denn am falschen Mikro (Bändchen...) können die 48V unter Umständen erheblichen Schaden anrichten.

Maximal ca. 60 dB Gain

Das Gainstaging wird mit den beiden Potis „Input Gain“ und „Output Level“ angepasst, und der Ausgangspegel wird von einem runden, hintergrundbeleuchteten VU-Meter angezeigt, welches noch von einer roten Peak-LED flankiert wird. Insgesamt bietet der Preamp eine Gesamtverstärkung von rund 55-60 dB, je nach Justage der internen Trimmpotis, mit denen auch eingestellt werden kann, wie hart die Röhre angefahren wird (um deren Sättigungsprodukte zu dosieren).

Aktivierung der Dynamiksektion schaltet Meter mit um

Neben dieser reinen Preamp-Sektion verfügt die Tubebox noch über einen Optokompressor, der mit einem Schalter in den Signalweg integriert werden kann. Hier stehen Einstellmöglichkeiten für Threshold, Attack (1-100 ms) sowie Release (0,1 -3 s) zur Vefügung. Aktiviert man den Kompressor, so springt das VU-Meter automatisch von der Anzeige des Ausgangspegels zur Anzeige der Pegelreduktion um.

Unorthodoxe Lösung

Die Anschlussbelegung des Moduls ist etwas ungewöhnlich. Über den XLR-Input der Lunchbox können lediglich Line-Signale zugeführt werden, mit einer Gesamtverstärkung von 30 dB. Für Mikrofonsignale bietet die Kassette eine frontseitige symmetrische Klinkenbuchse, an der – wenn aktiviert – auch die Phantomspeisung anliegt. Das ist, aus welchen Gründen auch immer, ein Bruch mit den gängigen Konventionen. Alle anderen mir bekannten 500-Preamps akzeptieren Mikrofonsignale auch über den XLR-Anschluss des Modulträgers.

Bühne frei für Versuche

SM Pro Audio lädt explizit dazu ein, mit dem Gainstaging in der Schaltung (und auch mit weiteren Parametern) zu experimentieren. Dazu gibt es auf der Platine einige Trimmpotis, die beispielsweise die Arbeitspunkte des Preamp-OpAmps und der Röhre varriieren. Sämtliche OpAmps und auch die Röhre sind gesockelt, hier kann man also ebenfalls mit unterschiedlichen Typen experimentieren. Mittels eines Jumpers kann die Röhre auch komplett aus dem Signalweg entfernt werden, wenn man das Modul als reinen Kompressor einsetzen möchte.

Heiße Kiste!

Der Aufbau der Kassette ist ziemlich sauber und ordentlich. Allerdings stehen die Bedienelemente auf der Frontplatte recht eng beieinander, was die Einstellung speziell des Kompressors nicht gerade erleichtert. An der Fertigung habe ich im Prinzip nichts auszusetzen. Es fällt lediglich auf, dass das Modul ganz schön heiß wird – ich denke, es handelt sich hier um die 500-Kassette mit der größten Hitzeentwicklung, die mir bislang unter die Finger gekommen ist. An der Seite verfügt die Kassette über Lüftungslöcher, die allerdings nur dann ihren Zweck entfalten können, wenn das Modul horizontal beispielsweise im hauseigenen Träger von SM Pro Audio montiert wurde. Beim vertikalen Einsatz in handelsüblichen Lunchboxen kann die Abwärme nirgendwo aus dem Gehäuse entweichen. Vertretbar erscheint dies schon, aber es ist definitiv ein Punkt, der mir aufgefallen ist. Zusätzliche Lüftungslöcher an der Oberseite des Modules würden sicherlich nicht schaden...

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