Hersteller_SlateDigital
Test
2
04.02.2015

Praxis

Zum Lieferumfang meines Testexemplars gehörte auch ein gedrucktes Handbuch, welches allerdings nur auf Englisch verfügbar ist. Wer jedoch schon mal einen Kompressor benutzt hat, wird sich auch an diesem Gerät zurechtfinden. Wer noch nicht so richtig weiß, wo er anfangen soll, probiert am besten einmal folgendes Rezept aus: Alle Regler erst mal auf 12 Uhr, Ratio auf 4:1 oder 8:1, Zusatzoptionen aus (Squash, Vintage, Sheen, Brite, Boom, Saturation) sowie Attack und Relase auf „Fast“. Nun erhöht man solange den INPUT, bis die Nadel zwischen 4 und 10 dB Gain-Reduction anfängt, zu hüpfen. Gegebenenfalls muss man den Output anpassen, um ihn nicht zu überfahren. Und nun kann man langsam Attack und Release in Richtung „Slow“ anpassen, bis es gut klingt – und fertig ist der „Lack“! Alle weiteren Optionen sollte man erst jetzt hinzuschalten und kritisch gegenhören bzw. gegebenenfalls nachregeln.

Ein Vorteil - den Hardware gegenüber Software zweifelsohne besitzt - ist die schnelle, direkte und beidhändige Bedienbarkeit sowie die gewisse Limitierung der Möglichkeiten. Der Slate Pro Dragon macht hier im besten Sinne keine Ausnahme, und so findet man mit ihm schnell zu sehr gut klingenden Einstellungen, ohne lange am Gerät herumkurbeln zu müssen oder sich gar zwischen verschiedenen „homöopathischen“ Klangvariationen entscheiden zu müssen. Man dreht rein und hört sofort, was passiert! Der Dragon ist also ein echter Rocker anstatt Popper. Besonders bemerkenswert finde ich dabei, dass man durch ihn nicht mal mehr noch einen EQ nachzuschalten braucht, um vor allem Vocals felsenfest im Mix platzieren zu können (Bite und Shine an). Sicherlich, ein weiterer nachgeschalteter, langsamer Opto-Kompressor schadet der Sache nie, zumal der alte „1176 into LA-2A/CL-1B“ Handgriff bei Weitem kein Geheimnis mehr ist.

Doch nun genug Gequassel, lasst uns was hören! Hier also ein paar Beispiele verschiedenster Quellen, wobei ich oftmals, bei sonst gleichen Einstellungen, die  „Soundoptionen“ systematisch hinzugeschaltet habe, um deren Charakter besser zu isolieren. Manches klingt gut, manches besser – richtig schlechte Einstellungen bekommt man mit dem Slate hingegen kaum hin.

Die klangliche Palette reicht von warmen, subtil gefärbten Sounds bis hin zu richtig kaputten, aggressiven Sounds. Wobei die Übergänge dank der vielen Regelmöglichkeiten fließend gestaltet werden können. Besonders gut gefällt mir der Slate dabei allerdings auf Vocals und Gitarren, wobei es hier sowohl elektrische als auch akustische sein dürfen. Aber auch Techno ist möglich, wie ihr hören könnt:

Auch das Saturation-Feature ist eine tolle Sache, da es je nach Setting (1, 2, 3) unterschiedliche Frequenzbereiche featured und verschiedene Tape-artige Verzerrungen garantiert. Die „1“ scheint mir dabei ideal für Vocals, da die Sättigung das Airband offen lässt. Die „2“ hingegen ist mittiger, bei der „3“ zerrt es hingegen richtig deutlich. Das Ganze arbeitet dabei auch sehr schön in Verbindung mit dem Outputregler, sodass man hier bestens Sounddesign betreiben kann.

In Kombination mit den EQ-Settings wird der Slate ein echter „one-stop“ für Vocals. Man hat das Gefühl, richtig gut Einfluss auf Stimmen nehmen zu können und kommt dabei auch ziemlich schnell zu den ziemlich guten Ergebnissen.

Und in Verbindung mit einem nachgeschalteten CL-1B hat man hier wirklich eine absolut perfekte Vocal-Chain, die klanglich schwer zu toppen sein wird. Hierbei sollte man nur beachten, eventuell noch für eine anschließende Pegelreduktion zu sorgen, bevor es in die Wandler geht, da beide Geräte doch „recht laut“ sind. Da während des Tests auch noch andere "1176er" am Start waren, hab ich auch noch diese mit aufgenommen.

Sicherlich wäre der Slate nicht unbedingt meine erste Wahl, was den Stereo-Bus anbelangt. Aber hey, das heißt jedoch nicht, dass er dafür nicht doch geeignet wäre. Grundsätzlich kann man ja zwei Einheiten linken, in Anbetracht des nicht gerade so kleinen Preises wird das allerdings recht teuer. Und für „vier Düsenjäger“ bekommt man ja auch schon den ein oder anderen Stereo-(Röhren-)Boliden. Tube Tech SMC-2BManley Variable MuAvalon VT747 SP oder falls man es lieber „Solid State“ mag, Neve Master BussSSL Bus CompAPI 2500, Distresor, Chandler TG1, Chandler Germanium, etc.

Was also tun? Nun, im folgenden Beispiel habe ich erst den linken Kanal „gebounced“, um mir dann in einem zweiten Durchlauf die rechte Seite vorzunehmen. Beide habe ich L und R dann erst im Anschluss wieder zu einem Stereosignal zusammengefügt. Dumm kann man sein, man muss sich halt nur zu helfen wissen. Und ja, die Snare kommt hier nun richtig gut zur Geltung.

2 / 3
.

Verwandte Artikel

User Kommentare