Bass
Test
7
02.05.2018

Praxis

Die Waage zeigt 4,3 kg. Naja, sagen wir mal so: Schwerer sollte ein Viersaiter nicht wirklich sein, aber der Sire sprengt noch nicht wirklich den Rahmen. Im Sitzen macht sich eine leichte Kopflastigkeit bemerkbar, vor der konstruktionsbedingt kaum ein Jazz Bass gefeit ist. Am Gurt und im Stehen gespielt ist davon wenig zu spüren. Ohne dass ich den Sire MM V9 zusätzlich halten muss, hängt er sich automatisch in eine leicht schräge Position, die ein bequemes Spiel ermöglicht.

Das Halsprofil würde ich als normales D einordnen, was sich von diversen Jazz-Bässen nur allzu bekannt anfühlt. Der Radius des Griffbretts liegt irgendwo in der Mitte zwischen einem Vintage- (kleiner Radius, deshalb runder) und einem moderneren Jazz Bass (meist mit großem Radius, deshalb flacher). Die Saitenlage ist ab Werk komfortabel, wird aber von dem ein oder anderen Saitenschnarren begleitet. Das ist jedoch noch absolut nichts Wildes und für diese Preisklasse wirklich noch im Rahmen. Will man die Halskrümmung verstellen, so findet man den Zugang am Hals-Korpus-Übergang.

Insgesamt erwarten den Jazz-Bass-Fan bei diesem Sire keine Überraschungen in Sachen Haptik und Bespielbarkeit. Und das ist auch gut so, denn schließlich liebt man ja die vertrauten Maße und Formen. Einzig das fehlende Schlagbrett führt zu etwas Eingewöhnungszeit beim Slappen, da sich der Abstand zwischen Saite und Korpus vergrößert. Der Zeigefinger rutscht dann gerne mal zu weit unter die Saite. Aber auch daran hat Sire gedacht und dem Bass ein transparentes Schlagbrett beigelegt, welches man bei Bedarf montieren kann. So hat man als Besitzer die Wahl - sehr schön!

Der Ur-Jazz Bass von Onkel Leo Fender war natürlich rein passiv, daher beginne ich auch mit dem MM V9 im Passiv-Modus. Hier hört ihr einen Finger- und einen Slap-Groove mit beiden Tonabnehmer und Höhenblende offen.

Hier hört ihr den Bridge-Pickup alleine, die Höhenblende ist zu 50% zurückgedreht.

Jetzt folgt der Hals-Tonabnehmer mit komplett geschlossener Tonblende:

Schaltet man den Sire MM V9 in den Aktiv-Modus, so erhält man Zugriff auf umfangreiche Möglichkeiten, um den Sound den individuellen Bedürfnissen anzupassen. Hier sind ein paar davon. Zunächst gibt es die beiden gleichen Grooves mit beiden Pickups und etwas Equalizer:

Hier ist wiederum der Bridge-Pickup alleine, diesmal allerdings mit geboosteten Bässen und Mitten:

Bei diesem Basssolo mit Flageoletts und Akkorden habe ich die Höhen und Mitten etwas angehoben, um für mehr Klarheit im Sound zu sorgen:

Der Sire MM V9 liefert alle Sounds, die man von einem Jazz Bass erwartet. Trockener Fingerstyle mit dem Bridge Pickup, ein ordentliches Pfund für Rock oder Old School Soul mit dem Hals-Tonabnehmer oder mit beiden Pickups den beliebten Allround-Ton für alle Stilistiken und/oder Spieltechniken. Zudem bietet er mit der Dreiband-Elektronik ein enorm flexibles Werkzeug zur Klanggestaltung. Wem das zu viel ist, der schaltet den MM V9 einfach in den Passiv-Modus. Im Vergleich zur V7-Serie scheint sich tatsächlich das Ebenholz-Griffbrett positiv bemerkbar zu machen. Der MM V9 wirkt leicht präziser und definierter im Ton. Der Aufpreis schlägt sich also nicht nur in der edleren Optik, sondern auch in einem etwas kultivierteren Ton nieder.

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