Bass
Test
7
25.04.2017

Praxis

Angesichts der wirklich anspruchsvollen Bauweise erwartet man klanglich im Grunde einen Hybriden, denn abgezielt wird ja auf die Spritzigkeit (Attack) eines Schraubhalses in Kombination mit dem ausladenden Schwingverhalten (Sustain) eines durchgehenden Halses.

Trocken gespielt erfüllt der N-Finity diese entscheidenden Merkmale durchaus: der Ton springt einen sofort an, gleichzeitig habe ich aber auch das Gefühl, dass der Korpus ganz wunderbar aufschwingt. Die Steifigkeit der gesamten Konstruktion, die durch diese Bautechnik erreicht wird (nämlich die Verbindung von Hals und Korpus schon ab dem siebten Bund) kommt der Schwingfreude tatsächlich sehr zugute.

Aber wie tönt nun es nun aus der Anlage? Im ersten Hörbeispiel spiele ich dreimal denselben Groove: einmal mit beiden Tonabnehmern, gefolgt vom Bridge-PU alleine und danach nur mit dem Hals-PU. Die Klangregelung bleibt unangetastet, d.h. alle Regler verweilen in eingerasteter Mittelposition.

Wow, ein überaus aufgeräumter und knurriger Ton dringt an mein Ohr. Mit diesem Grundsound lässt es sich sehr gut in der Band arbeiten, denn die Durchsetzungskraft dieses Klanges ist enorm!

Für das zweite Hörbeispiel packe ich gleich mal den Daumen aus, und nun kommt auch die aktive Elektronik zum Einsatz. Ich habe ein wenig mit den Frequenzen herumexperimentiert und mich schließlich für das folgende Setup entschieden: Bässe bei 150 Hz, Höhen bei 6,5 kHz, und die Mitten gefielen mir bei 500 Hz am besten. Die Bässe und Höhen spiele ich im Klangbeispiel mit maximalem Boost, während ich die Mitten unangetastet in der Mittelstellung des Reglers belasse.

Das Ergebnis ist ein wunderbar sahniger Slapton mit einer gewissen "elektrischen" Note. Den Sound empfinde ich als sehr eigenständig, fernab jeglicher Konventionen! Wer also einen klassischen Marcus-Sound sucht, wird hier eher nicht bedient. Wer jedoch für einen ganz eigenen Charakterton offen ist, wird maximale Freude an diesem Instrument haben!

Für meinen Eindruck funktioniert der N-Finity tatäschlich in jedweder Stilistik - und das stets mit seinem sehr individuellen Charme! Dank der umfassenden Einstellmöglichkeiten darf der Sound gezielt dahin gesteuert werden, wo und wie er gebraucht wird.

Im nächsten Beispiel lasse ich die Kiste mal schön dreckig rocken. Dabei booste ich die Mitten voll, die Bässe etwa zu 3/4, und die Höhen lasse ich flat. Die Tonabnehmer mische ich so, dass der Hals-PU etwas lauter ist, also das Balance-Poti leicht nach vorne gedreht - das fetzt!

Als nächstes möchte ich dem Bridge-PU mal mehr auf den Zahn fühlen. Mit ein wenig Bass-und Mitten-Boost und einem gleichzeitigem maximalen Cut der Höhen tönt der Sound knurrig und sahnig zugleich. Da darf es auch mal etwas abgedrehter zu Gange gehen! Die tiefe B-Saite kommt schön knochig rüber - ein toller Sound, der im Bandkontext sicher so einige Kinnladen der Bandkollegen runterklappen lässt!

Es darf auch mal Jazz sein! Im letzten Tonbeispiel walke ich mich ein wenig durch eine II-V-I-Jazzkadenz. Den Walkingbass spiele ich mit dem vorderen PU und habe dabei die Höhen komplett zurückgedreht. Zudem wurden die Mitten etwas zurückgenommen und die Bässe etwas geboostet. Der Sound kommt warm und gedämpft daher, bleibt jedoch immer noch definiert!

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