Hersteller_Rupert_Neve
Test
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10.04.2015

Praxis

Live und im Studio wird man sich über die besonderen Möglichkeiten der Rupert Neve Designs RNDI freuen, vor allem, wenn man DI- und Mikrofon-Signale mischen will, wie es bei der Abnahme von Bassamps oft gemacht wird. Im Soundbeispiel weiter unten erkennt man etwa, was ein Hiwatt DR504 (in erster Linie ein Gitarrenamp) auch ohne Speaker mit einem Signal schönes anzustellen weiß. 

Die Portico- und anderen mit DI-Input ausgestatteten Preamps von RND bieten nicht die Möglichkeit zur Verwendung hinter dem Verstärker. Leider gibt es bei aller Phasenstarrheit nicht die Möglichkeit, genau dies zu variieren. Der RND Portico 517 etwa erlaubt, DI- und Mikrofon-Signal per Variphase gegeneinander zu verschieben und somit starke Klangänderungen zu erhalten. Schade: Ein Kombigerät aus 517 und RNDI wäre ja eine feine Sache. 

Nachdem per Phantomspeisung die Spannungsversorgung gewährleistet ist (und die Power-LED in ihrem aufdringlichen Blau herumblendet), kann die Box ihre Symmetrierarbeit verrichten. Keine Überraschung: Das macht die Metallkiste richtig gut! Gitarren zeigen feine Nuancen von Saiten und Nebengeräuschen. Ein Rhodes bleibt klar und clean, kann sein Anschlaggeräusch und seine Glockigkeit gut herausspielen, wo andere DI-Boxen das Signal ein wenig vermatschen. Dennoch ist das symmetrierte Signal griffig und hat Biss, auch der Tiefbass bleibt schnell und trocken. Besonders E-Bässen kommt das zugute. Die RNDI ist definitiv nicht von der steril klingenden Fraktion, sondern bringt typischen Übertragersound mit ins Spiel. Vor allem k2 ist auf den Signalen auszumachen, stellenweise auch k3. Die Färbung ist kurz und sauber, zudem ist sie recht zurückhaltend und nicht mit dem dicken Pinsel aufgetragen. Ich halte die Dosis für hervorragend. Auf Einzelsignalen vielleicht wenig aufmerksamkeitserregend, ist die Charakterzugabe aber für moderne Produktionen genau richtig bemessen. Die RND-Mikrofonvorverstärker sprechen übrigens genau die gleiche Sprache. Stellenweise wünsche ich mir dennoch ein bisschen mehr Flexibilität, wie es die Preamps mit dem „Texture“-Poti erlauben, welches das Feedback bis vor den Übertrager regelt. Aber: In einer DI-Box läuft das Signal eben auf die beiden zueinander phaseninvertierten Sekundärwicklungen des Übertragers, und hinter der RNDI wird ja noch eine weitere Verstärkerstufe betrieben werden. Und wer ein bisschen mehr Harmonische im Signal haben möchte, der benutzt einfach den Ausgang des Amps und fährt diesen etwas heißer – et voilà!

Audiobeispiele mit Rainer Wind:

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