Hersteller_Roland Software
Test
10
23.09.2015

Praxis

Sound

Der Grundsound des SYSTEM-100 Plug-Out Synthesizers gefällt mir für einen Software Synth ausgesprochen gut, wie schon die anderen drei Plug-Outs. Für mein Empfinden fängt Rolands ACB-Technik (Advanced Circuit Behavior) die Eigenschaften der analogen Schaltkreise tatsächlich ziemlich überzeugend ein, obwohl man natürlich immer noch hört und vor allem spürt, dass man nicht das Original unter den Fingern hat. Die Oszillator-Schwingungsformen kommen klar und kräftig daher.

Sehr gut gelungen finde ich auch das kernige Filter. Es klingt für mein Empfinden etwas rauer und nicht ganz so vornehm wie viele andere Roland-Filter, was mir gut gefällt. Das Filter lässt sich gut kontrollierbar in Eigenschwingung versetzen. Hier hört ihr einige Filterfahrten mit unterschiedlichen Resonanzeinstellungen. Das zweite Beispiel zeigt die Selbstoszillation – zu hören ist nur das schwingende Filter, alle anderen Klangquellen sind im Mixer herunter geregelt.

Bässe, Leads und andere monophone Sounds gelingen schnell und können klanglich zumeist überzeugen. Schon ohne Patchverbindungen ist der SYSTEM-100 Plug-Out Synth ein vielseitiger, gut klingender Software Synthesizer. Richtig interessant wird es aber, wenn man die Patchbuchsen und die Routing-Matrix kreativ einsetzt. Durch die vielfältigen Möglichkeiten die LFOs und S&H ins Spiel zu bringen und die Hüllkurven zu triggern, eignet sich der Synth ganz besonders für pulsierende Klänge voller Bewegung, wie es auch schon beim Original der Fall war. Die Möglichkeiten zur Frequenzmodulation von Oszillator 1 und Filter von verschiedenen Quellen sind ebenfalls sehr willkommen und für so manchen glockenartigen, metallischen oder auch mal völlig kranken Sound gut. Dabei darf ruhig mal Kollege Zufall die Zügel bzw. Patchkabel in die Hand nehmen – das Patchfeld kann eine echte Inspirationsquelle sein.

Die drei Effekte Phaser, Reverb und Delay verfügen wie bei allen Plug-Outs nur über die allernötigsten Bedienelemente, klingen aber allesamt sehr gut. Beim Hall lässt sich nur der Anteil regeln, beim Delay der Anteil und die Zeit. Der Phaser kann über zwei Patchbuchsen von anderen Modulen des Synths gesteuert werden, was interessante Klänge ermöglicht. Insgesamt steht bei dieser Effektsektion aber das schnelle Ergebnis klar im Vordergrund – wer mehr Einstellmöglichkeiten benötigt, wird auf externe Effekte zurückgreifen müssen.

SYSTEM-100 auf dem SYSTEM-1 und SYSTEM-1m

Wer ein SYSTEM-1 oder SYSTEM-1m sein eigen nennt, kann den SYSTEM-100 Plug-Out Synthesizer mit einem Klick auf den Plug-Out-Button auf die Hardware übertragen. Einmal mehr entpuppt sich das SYSTEM-1 als klug gestaltete Oberfläche (ich nenne es mal „Durchschnitts-Synthesizer“), deren Bedienelemente gut zu vielen der klassischen Roland Synths passen. Das SYSTEM-100 sprengt dann aber doch ein bisschen das Panel – so gibt es leider keine Hardware-Regler für die S&H-Abteilung und den zweiten LFO. Insgesamt geht die Bedienung aber recht flott von der Hand und wirft kaum Fragen auf. Ein paar Details sollte man sich merken: etwa, dass der LFO KEY TRIG Button des SYSTEM-1 beim SYSTEM-100 für die Umschaltung des Triggerverhaltens der Hüllkurven zuständig ist, oder dass man den MONO-Knopf drücken muss, um die Notenpriorität einzustellen. Aber die meisten dieser Diskrepanzen hat man schnell drauf, und im Zweifel hilft immer noch der Blick auf die Oberfläche des SYSTEM-100 im SYSTEM-1 Layout.

Besitzer eines SYSTEM-1m sind klar im Vorteil, denn sie kommen in den Genuss der hardwareseitigen Patchbarkeit. Die wichtigsten Patchpunkte des SYSTEM-100 liegen an den Buchsen des SYSTEM-1m an und können hier miteinander und auch mit externem, analogem Equipment verbunden werden. Nicht alle Patchpunkte haben einen Hardware-Abgriff abbekommen, so fehlen zum Beispiel Buchsen für die S&H-Sektion. Aber die Auswahl ist praxisnah, alle wesentlichen CV-Inputs und -Outputs stehen hardwareseitig zur Verfügung. Mit einem patchbaren Software Synthesizer, der einmal als Plug-in in der DAW läuft und sich im nächsten Moment problemlos in ein analoges CV/Gate-Setup integrieren lässt, hat Roland meines Wissens ein Novum geschaffen. Ich finde die Idee toll – in Verbindung mit einem modularen Hardware Synth oder den vielen in jüngerer Zeit wieder erschienenen CV/Gate-fähigen Instrumenten eröffnet das natürlich sehr weitreichende Möglichkeiten.

Schwächen

Bei aller Freude über den guten Sound und die Patchbarkeit gibt es doch ein paar Dinge, die mir nicht so gut gefallen. So hätte ich es zum Beispiel begrüßt, wenn Roland die Umsetzung als Software dafür genutzt hätte, dem SYSTEM-100 die Erkennung von Keyboard Velocity beizubringen. Eine Option zur Beeinflussung der Hüllkurven-Intensitäten per Velocity hätte schon gereicht und meines Erachtens auch nicht am Grundcharakter des Synthesizers gerüttelt. Für Keyboarder, die wirklich spielen möchten und nicht nur Sequenzen programmieren, ist das eine gewisse Einschränkung. In diesem Zusammenhang gibt es gleich noch ein zweites kleines Manko zu vermelden, denn der Plug-Out Synth bietet leider keinen umkomplizierten Weg zum Einsatz von Modulationsrad und Aftertouch. Natürlich empfangen die Regler MIDI-Controllerwerte, aber die Zuweisung muss am sendenden Masterkeyboard erfolgen – man kann nicht einfach im Plug-in einen oder mehrere Parameter dem Modwheel zuweisen. Hinzu kommt, dass die verwendeten Controllernummern nirgendwo dokumentiert sind. Hier hätte ich mir einfach zwei weitere Spalten in der Routing-Matrix gewünscht, über die man diese Spielhilfen zuordnen könnte. Wahrscheinlich hat sich Roland ganz auf die Bedienung per SYSTEM-1 konzentriert, das bekanntlich kein Modulationsrad besitzt. Im Sinne einer guten Spielbarkeit auch über andere Controller Keyboards wäre diese Möglichkeit jedoch schön gewesen.

Bei der Bedienung mit der Maus ist mir wie schon bei den anderen Plug-Outs aufgefallen, dass die Regler zu grob aufgelöst sind. Es ist mit der Maus nicht möglich, alle Stellungen der Fader zu erreichen, was bei der Verwendung als „normales“ Plug-in in der DAW ein echtes Manko ist. Das Schreiben von Automationen per Maus kann man de facto vergessen, beispielsweise erzeugt eine Bewegung des Cutoff-Reglers mit der Maus einen deutlich hörbar stufigen Verlauf. Durch den Einsatz eines Hardware-Controllers (im besten Fall das SYSTEM-1) kann man das Problem zwar umgehen. Wer aber auch mal ganz klassisch mit der Maus arbeitet, wird über kurz oder lang an den Punkt kommen, wo sich der gewünschte Wert nicht einstellen lässt.

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