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08.08.2021

Roland 808 Day 2021

8. August, der Tag um die berühmteste Drummachine aller Zeiten

Im Fokus: Roland TR-808 Rhythm Composer

Roland 808 Day 2021 oder der Stellenwert eines alten analogen Drumcomputers in der Evolution populärer Musik. So könnte man das Thema einleiten, denn seit ihrem Erscheinen im Jahr 1980 ist der Roland TR-808 Rhythm Composer bis heute auf unendlich vielen Hits mit ihrem unverkennbaren Sound zu hören und viele musikalische Genres wären ohne sie überhaupt nicht entstanden. 

Sound als Markenzeichen

Der Sound der TR-808 ist Markenzeichen zeitloser Musikgeschichte und immerwährender Inspiration. Mit ihren markanten Bassdrums und den typischen Snares hat die TR-808 etliche Musikstile bereichert und viele Genres der elektronischen Musik sowie ihre Szene geprägt wie kein anderer Drum-Synthesizer auf dieser Welt, wenn man die TR-909 einmal außen vorlässt. So begehrt ist der Sound der TR-808, dass sie unzählige Male gesampelt und in Soundlibraries gepackt, virtuell aufgebaut und für die Nutzung in der DAW vorbereitet und unzählige Male geklont, um in Form physischer Hardware vor einem zu stehen. Die TR-808 ist heute eine wirkliche Legende, die einer Ära ihren Stempel aufdrückte und selbst heute nicht damit fertig ist.

Einsatz mit hoher Erfolgsquote

Die Roland TR-808 ist eine der beliebtesten Drummachines aller Zeiten und hat zum Sound und den Hit-Erfolgen von u. a. Marvin Gaye, Phil Collins, RUN DMC, Beastie Boys, LL Cool J und Public Enemy beigetragen. Der von Kultur-, Musik- und Designliebhabern regelmäßig gefeierte Begriff „808“ taucht selbst in Liedtexten auf und wird bis heute als Titel (Timbaland's 808), Alben (Kanye's 808s & Heartbreak) und sogar als Bandname geführt (808 State), was die Beliebtheit und den Status der kleinen Drummachine deutlich macht.

Wie kam es zur 808?

Betrachtet man die 1970er Jahre und die technischen Möglichkeiten dieser Zeit, so befand sich auch das Genre elektronischer Musikinstrumente dieser Jahre in evolutionärem Aufbruch, mit deutlichem Schub in den 1980er Jahren. Der Gedanke an eine elektronische Rhythmus-Maschine war noch ungewöhnlich, obwohl Menschen zu Hause Musik machten und dafür ein Klavier, eine Orgel oder eine Gitarre einsetzten. Allerdings verfügte kaum ein Haushalt über ein akustisches Schlagzeug, was die häusliche Musik noch rhythmisch begleiten konnte. Hier könnte ein elektronisches Schlagzeug eine praktische und unterhaltsame Möglichkeit bieten, Rhythmus in die häusliche Musikproduktion zu bringen. Man mag es kaum glauben, denn zu diesem Zeitpunkt begann Roland mit der Entwicklung einer Rhythmusmaschine für die Massen und der CompuRhythm CR-78 wurde geboren, der Vorläufer der berühmten TR-808.

1978 erschien Rolands CompuRhythm CR-78 als Nachfolger der TR-77 (Rhythm 77) Drummachine im Markt. Eine Besonderheit der CR-78 lag in der Erzeugung von Patterns (Rhythmusmuster), die auch speicherbar waren. Eigentlich für den Einsatz mit einer elektronischen Orgel gedacht, schmeichelte ihr Sound auch etablierten Musikern u. a. Phil Collins, der die CR-78 ein paar Jahre später in seinem Welt-Hit „In the Air Tonight“ einsetzte.

Ein Nachfolger muss her ... TR-808

Als Roland einen Nachfolger der CR-78 andachte, kümmerte sich ein junges Team um die Entwicklung mit dem Ziel, authentische Drumsounds zu realisieren. In diesem Zusammenhang wurde Hiro Nakamura gebeten, in Zusammenarbeit mit Tadao Kikumoto die analogen Tonerzeugungsschaltungen für das neue Produkt zu entwickeln, um authentische Drum-Sounds zu erzeugen, was problematisch war, denn die Analogtechnik der späten 1970er Jahre war dafür eher ungeeignet. Auch waren Speicherchips für die Verwendung gesampelter Instrumente noch zu teuer, auch befand sich die neue heiß ersehnte Sampling-Technologie noch in den Kinderschuhen. Das sind die Gründe, weshalb Roland die analoge Technik noch weiter verwendete, zunächst auf Basis des Roland System-700-Modulsystems, bevor die daraus entstehenden Klänge mithilfe der TR-808 Technologie nachgebaut wurden. Ein echtes Dilemma, denn die Ära der Samplingtechnologie stand vor der Türe, welche den angestaubten Analogsound endlich modernisieren sollte.

Die von Roland aus der Not getroffene Entscheidung für die neue TR-808 weiterhin Analogtechnik zu verwenden, sollte jedoch in den folgenden Jahren einen tiefgreifenden Einfluss auf die Entwicklung der Musik haben. Das wussten allerdings zu diesem Zeitpunkt weder Roland als Hersteller noch die interessierte Musikwelt. Die TR-808 wurde in der Zeit von 1980 bis 1982 mit einer Auflage von 12.000 Exemplaren produziert, die in dieser Zeit ein echter Flop waren, denn gerade zu Beginn der 1980er Jahre läuteten digitale, Sample-basierte Drummachines eine neue Zeitrechnung ein, wie die in 1982 erschienene LinnDrum.

Aus dem Misserfolg zum Erfolg

Betrachtet man die unglaubliche Evolution eines veralteten und verkannten Drumcomputers zur ewig währenden 'Queen of Drummachines' scheint diese Entwicklung eine echte Bilderbuchgeschichte zu sein, denn die hat mal irgendwann angefangen und ein Ende ist bis heute noch nicht in Sicht, zumal wir heute in einer Zeit leben, in welcher die altehrwürdige Analogtechnik eine wahre Renaissance feiert. Denkt man über die namentlichen Attribute "Rhythm Composer" in der Beschriftung der TR-808 kurz nach, wird die Absicht der Entwickler schnell klar, denn über die 16 verschiedenfarbigen Taster können eigene Beats programmiert und gespeichert werden, was die TR-808 selbst zu einem zugänglichen und kreativen Instrument machte, das sie bis heute immer noch ist.

Wir freuen uns für den Erfolg der TR-808 und hoffen, dass er noch lange währt!

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