Test
2
25.01.2012

PRAXIS

Ein echter Stimmbandschmeichler

Vor allem die Betonung der hohen Mitten und Höhen wirkt auf unserer Gesangsaufnahme natürlich zunächst einmal wunderschön glitzernd und präsent und dementsprechend äußerst schmeichelnd für die Stimme unserer Sängerin. Auch wenn der Bereich der tiefen Mitten etwas belegt wirkt, bekommt man vorerst das Gefühl, es hier mit einem wirklich sehr ordentlich klingenden Mikrofon zu tun zu haben, und dass in Sachen EQ-ing nicht mehr all zu viel Arbeit nötig sein wird, um die Vocals in eine Mix-taugliche Form zu bringen.

Der Bereich der Mitten wirkt aufgrund der Betonungen von tiefen Mitten und Höhen etwas zurückhaltend, und auch der Übergang zwischen hohen Mitten und Höhen macht keinen vollkommen natürlichen Eindruck. Eine so edle Tiefe und Samtigkeit wie bei den Vergleichsaufnahmen mit dem Neumann TLM 103 darf man hier nicht erwarten, andererseits muss man in seine Überlegungen natürlich auch mit einbeziehen, dass dieses Mikrofon einer weit höheren Preisklasse entstammt und ein Vielfaches des NT2-A kostet. Fairer ist da die Gegenüberstellung mit dem MXL 2003, das ebenfalls eine einigermaßen saubere klangliche Basis liefert, dem Tiefpreiskünstler aus dem Hause Røde meiner Meinung nach aber nicht wirklich das Wasser reichen kann. Im Gegensatz zu unserem Testkandidaten klingt es bisweilen etwas verwaschen in den unteren Bereichen und gleichzeitig scharf und überpräsent (um nicht zu sagen aggressiv) in den Höhen. Trotz einiger schmeichelnder „Frequenzbandschminke“ präsentiert sich das NT2-A also noch als weitaus linearer und ehrlicher als sein Konkurrent aus dem Hause MXL. 

Die Gesangsspuren wurden für die Vergleiche zwischen den Mikrofonen mit Nierencharakteristik aufgenommen. Die Achtercharakteristik lässt das NT2-A dagegen gleichzeitig auch „nach hinten“ hören und erfasst somit etwas mehr des Raumklangs, klingt in ihrem Frequenzbild aber sehr ähnlich. Linearer in den Mitten wirkt dagegen die Kugelcharakteristik, die allerdings auch den meisten Raumanteil mit aufzeichnet und für Gesangsaufnahmen wohl nur in den seltensten Fällen die erste Wahl sein wird. Anwendungsgebiete sind typischerweise Raum-Mikrofonierungen, wie sie beispielsweise bei Schlagzeugaufnahmen zum Einsatz kommen. 

Im Großen und Ganzen klingt das NT2-A gemessen an seinem Preis wirklich richtig gut und lässt den Mitbewerber aus der gleichen Preisklasse mit einem vergleichsweise ausgewogenen Klang ein ganzes Stück hinter sich. Eine weitere interessante Frage ist allerdings auch, inwieweit sich das aufgenommene Signal im Nachhinein noch formen lässt. Auch wenn man es vielleicht als Selbstverständlichkeit erwarten mag, dass Equalizer so zugreifen, wie man sie einstellt, gilt trotzdem die gute alte Tontechnikerweisheit, dass man nichts anheben kann, was nicht von Vornherein da ist. Die Signale aus manchen Mikrofonen wollen sich einfach nicht so gut shapen lassen wie die Signale aus anderen Mikrofonen. Um das NT2-A auch in dieser Hinsicht zu testen, habe ich die drei Gesangsspuren durch jeweils zwei identische EQ-Einstellungen geschickt, die den Brustbereich bei etwa 200 Hz, die Luft bei ca. 6 kHz und die Höhen um 12 kHz anheben – einmal in einer zurückhaltenderen und einmal in einer sehr deutlichen Variante. 

Hier offenbaren sich nun doch die Grenzen unseres Testmikrofons aus dem Budget-Bereich. Auch wenn der Klang von vornherein einen positiven Eindruck hinterlässt, wirkt das Signal des NT2-A ähnlich wie beim MXL 2003 nicht sehr formbar und scheint durch die gut gemeinte EQ-Bearbeitung fast ein wenig an Charme einzubüßen. Kein Vergleich zu dem bearbeiteten Signal, das mit dem Neumann TLM 103 aufgenommen wurde und das zeigt, was hinter dem Frequenzgang eines hochwertigeren Mikrofons noch Schönes zu finden ist.

2 / 3
.

Verwandte Artikel

User Kommentare