Test
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31.10.2018

Praxis

Das Rode NT-1 ist vernünftig bepreist

Rode ist bekannt dafür, Gerätschaften anzubieten, die sich qualitativ mit teureren Marken messen können. Trotz des nicht gerade als Billiglohnland geltenden Australien – einer westlichen Industrienation – bleiben die Preise für Rode-Produkte immer erstaunlich günstig. Das Rode NT-1 ist jedoch um ein ganzes Stück teurer als das NT-1A, kann jedoch weiterhin als vernünftig bepreist gelten. Angesichts der Verarbeitungsqualität und Ausstattung gibt es nichts zu mäkeln.

Direkt besprochen, zeigen sich die Eigenschaften, die das Rode NT-1 auf dem Papier mitbringt, auch in der Praxis: Es ist tatsächlich reichlich linear. Für aufgenommene Stimmen bedeutet das, dass es nicht per se dick und nah rüberkommt, sondern recht natürlich. Da ist der Vergleich mit dem ebenfalls neutralen Audio-Technica AT5045, einem ausgewiesenen Instrumentenmikrofon der 1500-Euro-Klasse, natürlich interessant: Himmelweite Unterschiede klingen anders, aber dennoch ist das AT hier, was die Feindynamik angeht, deutlich vorne. Und auch was die technische Dynamik angeht: Auch bei hohen Schalldrücken durch Trompete oder Bassdrum „kippte“ das Signal nicht schlagartig in die Zerr-Hölle, und tatsächlich rauschte das Mikrofon weniger as viele Preamps.

Kein Soundstempel durch das NT-1

Dass das NT-1 gar nicht versucht, das Audiosignal zu stempeln, finde ich sehr passend und würde es daher jedem User empfehlen, der sich mit Audio und Sound auch wirklich auseinandersetzen will, anstatt nur ein „Set it and forget it“-Mikrofon für Podcasting oder gelegentliche Vocalaufnahmen zu suchen. Unbearbeitet klingt das NT-1 daher vielleicht etwas scharf, aber mit Equalizer und eventuell De-Esser hat man die Dinge schnell im Griff – und bleibt flexibler! Ein wenig wird durch das NT-1 der Hochmittenbereich unterstützt, wodurch das Signal nicht allzu reserviert und lasch erscheint. Das tun viele Mikros, auch deutlich teurere (…und wenn nicht, oft der Tontechniker mit dem EQ).

Abstand zum NT-1 halten

Nicht axial eintreffende Signale werden bei 45 Grad schon etwas verfärbt, klingen aber erst ab 90 Grad wirklich löchrig. Das ist angemessen für ein Mikrofon dieser Preisklasse, aber auch kein Weltwunder. Nahe Besprechung macht die tendenziell weichen Bässe deutlich voluminöser, gibt dem Signal Wärme und Nähe. Unter zehn Zentimetern Abstand zur Kapsel beginnt das Mikrofon dann etwas zu schwimmen. Um dem Konturverlust entgegenzuwirken, sollte man einen Abstand von zehn Zentimetern halten – zum Poppfilter, nicht zur Kapsel. Dass dieser nötig ist, zeigt das Audiobeispiel ohne Filter. Das sind auch gute Nachrichten, denn anders als viele Mikros mit „integriertem Poppfilter“ ist die Membran nicht zu sehr durch Gaze und Stoff verbaut, was der Klarheit der Höhen entgegenkommen kann. Die interne Kapselaufhängung macht einen guten Job, richtig entkoppeln kann man ein Mikrofon meist nur mit externer Spinne. Bedenkt man, dass wohl nur wenige Käufer des Rode NT-1 ihrem Mikrofon ein ungefähr ebenso teures Stativ gönnen werden, ist es also mehr als vernünftig, dass dem NT-1 Kit elastische Halterung und Poppschutz direkt beiliegen.

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