Bass
Test
1
13.07.2011

PRAXIS:

Ist es erst einmal ausgepackt und angeschlossen, erklärt sich das Pedal im Grunde selbst. Beschriftung und Funktion der drei Fußtaster lassen keine Zweifel aufkommen, der A/B-Schalter leuchtet blau für Kanal A und weiß für Kanal B (True Bypass Kanal), zudem ist das Gerät gebaut wie ein Panzer und es ist schwer vorstellbar, dass selbst härtester Tourbetrieb ihm etwas anhaben kann. Einen großen Schwachpunkt stellen bei den meisten handelsüblichen Pedalen die Schalter dar. Da sie mechanisch funktionieren und starken Beanspruchungen ausgesetzt sind, verschließen sie relativ schnell. Oft bilden sie auch wegen ihrer billigen elektronischen Kontakte Verlustquellen in der Klangübertragung. Ich könnte problemlos einige Pedale aus meinem Arsenal aufzählen, die schon im Neuzustand mit Wackelkontakten glänzten, Dynamikschwankungen verursachten und bereits nach wenigen Wochen ersetzt werden mussten. Und dazu gehörten auch einige Geräte namhafter Hersteller, die offensichtlich am falschen Platz sparen.

Pedale aus der Produktion von Lehle – auch der Basswitch - arbeiten nicht mit Schaltern, sondern mit Goldkontaktrelais. Der eigentliche Schalter überträgt den Schaltvorgang lediglich mechanisch an das Relais, das erst den elektrischen Kontakt herstellt. Dadurch ergibt sich nicht nur ein nahezu verschleißfreies Schalten, sondern auch eine sehr hochwertige Signalverarbeitung.

Der Umschaltvorgang zwischen den Kanälen sowie Mute- und MixLoop/Boost-Schaltvorgänge gehen erfreulich geräuscharm vonstatten. Ein leichtes Umschaltgeräusch ist zwar immer noch zu vernehmen, aber es steht in keinem Verhältnis zum typischen Ploppen mechanischer Schalter.

Zunächst interessiert einmal das Grundrauschen, das bei Bodentretern mit aktiven Bauteilen normal ist. Hier jedoch herrscht erfreuliches Schweigen, außer in extremen EQ-Einstellungen auf Kanal A, die in der Praxis aber kaum Verwendung finden dürften. Die Regler arbeiten mit bis zu +18dB Boost (und Cut), was sehr extreme Frequenzanhebungen/-absenkungen ermöglicht.

Hier zunächst ein Beispiel für einen neutralen Grundsound:

Das ist das trockene, lineare Signal über den DI-Out, also ein unverfälschter passiver Sadowsky Jazzbass. Das Resultat ist über jeden Zweifel erhaben, klar, dynamisch, sauber.

Die 4-Band-Klangregelung ist extrem effektiv und die Frequenzbänder sehr musikalisch gewählt. Bei den folgenden vier Beispielen hört man, wie die Regler durch das komplette Frequenzband geschoben werden, während die Basslinie spielt. Bei den beiden parametrischen Mitten wurden die Bänder stark geboostet. Dazu sei gesagt, dass man die dadurch deutlich hervortretenden Frequenzen auch genauso stark absenken kann, wodurch sich alle möglichen Soundvarianten realisieren lassen.

Die schnelle Ansprache und hohe Impulskraft zeigt sich am folgenden Beispiel einer Slapfigur. Per Klangregelung sind die Mitten zu einem typischen Slapsound abgesenkt - hier gespielt auf einem Squier Jazzbass.

Bislang haben wir uns dem Pedal nur mit passiven Bässen gewidmet. Im nächsten Clip hören wir bis zu fünf Fretlessbässe gleichzeitig. Alle gespielt auf einem Wal-Fretless, aktiv mit sehr hohem Output. Die hohe Ausgangsleistung des Basses bedeutet kein Problem für den Eingang des Basswitch, kein Zerren, keine ungewollte Kompression, also volle Dynamik. Mit der Klangregelung des Basswitch erzielt man sehr seidige Fretless-Mitten. Auffällig ist die Klarheit, Transparenz und Trennung der vielen unterschiedlichen Signale, was ein eindeutiges Zeichen für eine hohe Klanggüte darstellt.

Ebenfalls interessant ist, wie sich der Basswitch mit hifiartigen Bässen verhält. Hier kommt es darauf an, ob der Preamp in der Lage ist, die kristallklaren Höhen im Kilohertz-Bereich abzubilden. Zu Gehör kommen daher im nächsten Soundclip ein MusicMan 25th Anniversary in der Motownstyle-Begleitung mit enormer Durchsetzungskraft und ein Yamaha TRB-6 Saiter für die Melodie. Zusätzlich wurde der parallele Effektloop mit einem Delay bestückt und der Mix Regler auf 50% gestellt. Der Sound des Melodiebasses behält trotz Delay sehr schön seine Präsenz.

Zuletzt ist bedeutsam, wie sich das Pedal in einer Kombination aus seriellem und parallelem Effektweg macht. Daher wurden in den seriellen Effektweg ein stark limitierender Kompressor und im parallelen Weg ein Overdrive und ein Chorus eingeschleift. Zudem kommt ein Halbresonanzbass zum Einsatz, in diesem Fall ein Epiphone Jack Casady Signature. Wiederum begeistert mich die Signaltreue und Durchsetzungskraft, obwohl bereits einiges veranstaltet wurde, um den Sound zu verfremden.

Bei all den Soundmöglichkeiten darf man natürlich nicht die Primärfunktion des Basswitch vergessen, nämlich die des A/B Switchers. Die Idee, einen unbearbeiteten Thru-Kanal mit einem hochwertigen Bufferkanal und 4-Band-Klangregelung zu kombinieren, ergibt Sinn. An den Thru B-Kanal schließt man den Bass an, dessen Sound entweder linear am besten klingt oder der selbst schon weitgehend zufriedenstellend justiert werden kann. Den A-Kanal verwendet man dann für den zweiten Bass und gleicht ihn in Lautstärke und Sound an den Kanal-B-Bass an. Das hat sich in der Praxis mit den unterschiedlichsten Instrumenten hervorragend bewährt. Es gibt sicherlich auch Fälle, bei denen man sich für beide Kanäle eine Klangregelung wünschen würde. Beispielsweise dann, wenn man ganz ohne Verstärker arbeitet, wie z.B. im Orchester oder auch bei speziellen In-Ear-Monitoring Situationen, oder aber bei der Verwendung zweier passiver Bässe mit sehr unterschiedlicher Charakteristik. Die Frage ist immer: Wo zieht man als Konstrukteur die Grenze zwischen Nutzen, Anwendbarkeit und Kosten? Ich sehe beim Basswitch hier ein optimales Verhältnis zwischen diesen Punkten und das Fehlen einer zweiten Klangregelung ist deshalb absolut vertretbar.

Im einkanaligen Betrieb, bei dem man dann mit einem Bass zwei unterschiedliche Sounds abrufen kann, bietet die vorhandene Konstruktion sogar die optimale Chance zum A/B-Vergleich zwischen unbearbeitetem und modifiziertem Signal, was z.B. extrem hilfreich im Studio ist. Dort, wo der Kopf beginnt, sich in den Höreindruck einzuschalten, ist eine Referenz zu einem hochwertigen Neutralsignal immens wichtig. Nur so lässt sich letztlich klar beurteilen, ob man sich soundmäßig auf dem richtigen Weg befindet.

Der Liveeinsatz des Basswitch ist ebenfalls ein Genuss, denn die Versenkung der Potis raubt einem die immerwährende Sorge um ihr Überleben unter der Schuhsohle. Die Verwendbarkeit sämtlicher Netzteilvarianten von 9 - 20V in beliebiger Polung, sowohl Gleich- als auch Wechselstrom, bedeutet eine kaum zu überbietende Praxisnähe. Die Verkabelung der Effekte, der Anschluss eines Tuners, alles absolut unproblematisch und gut durchdacht.

3 / 4
.

Verwandte Artikel

User Kommentare