Test
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28.08.2017

Remo Powerstroke P3 Fiberskyn und Hazy Felt Tone Bassdrum Felle Test

Bassdrum-Felle

Gefilzt!

Willkommen im Gestern! Die Schallplatte ist zurück, Retro-Drumsets sowieso, und jetzt erweitert der amerikanische Fellhersteller Remo seine Produktpalette um Bassdrum-Felle mit integrierten Filzstreifen. Pionier ist man damit allerdings nicht, bei Aquarian sind ähnlich konstruierte Felle bereits seit ein paar Jahren im Sortiment. Powerstroke P3 Hazy und Fiberskyn Felt Tone heißen unsere heutigen Testexemplare mit vollem Namen, erhältlich sind die Modelle zusätzlich auch in einer „coated“ Variante, welche jedoch nicht Teil des Reviews ist. Da stellt sich natürlich die Frage, warum man in Zeiten einer kaum noch überschaubaren Zahl vorgedämpfter Felle und Muffling-Methoden noch eine weitere braucht?

Der Ansatz, den Ausklang der Bassdrum mithilfe eines Textilstreifens zu begrenzen, ist fast so alt wie das moderne Drumset selbst. Wer historische Fotos von Schlagzeugen betrachtet, wird häufig auf den sich hell hinter dem Resonanzfell abzeichnenden Sustain-Dämpfer stoßen, Trommler aller Stile haben damals damit gearbeitet. Vorgedämpfte Felle gab es noch nicht, und auch die Ventilierung der Trommel mittels Öffnung im Resonanzfell setzte sich erst durch, als die Musik lauter wurde und man für rockige Stile mehr „Kick“ im Bassdrumsound und die Möglichkeit der internen Mikrofonierung benötigte. Obwohl der Filzstreifen mit dem Aufkommen von Spezialfellen wie dem Remo Powerstroke, dem Evans Emad oder dem Aquarian Superkick aus der Rock- und Popmusik nahezu verschwunden ist, schwören besonders Anhänger einer natürlich klingenden Bassdrum nach wie vor auf die etwas schrullige Textil-Lösung. Ob Remos komfortabel zu handhabende Neuzugänge den klassischen Sound erzeugen, lest ihr auf den folgenden Zeilen. 

Details & Praxis

Die Filzstreifen sind nicht mit der Folie verklebt

Meine beiden Testobjekte messen jeweils 20 Zoll und sind – abgesehen von den Folien – identisch gefertigt. Ihre Basiskonstruktion ohne Felt Tone Feature findet sich auch bei anderen Produkten wieder. So entspricht die Fiberskyn Felt Tone Version dem Fiberskyn 3 FD Diplomat Bassdrum-Fell, welches über eine spezielle, einem Naturfell nachempfundene Struktur verfügt. Das Hazy-Modell hingegen teilt sich seine Folie mit einem Smooth White Ambassador, also einer glatten, semi-transparenten Ausführung mittlerer Stärke. Wer angesichts des Powerstroke P3-Labels beider Testfelle den charakteristischen, breiten Dämpfring am Rand erwartet hat, wird bei der näheren Inspektion der Innenseiten eines Besseren belehrt. Um die Membranen nicht zu überdämpfen, haben die Remo-Entwickler den Felt Tones nur einen 1,3 Zentimeter breiten, durchsichtigen Innenring spendiert, welcher etwa auf einem Drittel des Fellrundes zudem eine Art Trägerbrücke von knappen 5,5 Zentimetern Breite bildet. Mit der Unterseite dieser Brücke sind die Filzstreifen vollflächig verklebt, das Fell selbst berühren sie zwar, sind aber nicht mit ihm verbunden. Das verwendete Filzmaterial ist etwas fester und dicker ausgeführt als mein eigener, separater Bassdrum-Dämpfungsfilz. Die Verarbeitung der Testexemplare ist gut, wobei zu erwähnen ist, dass der Filzstreifen beim Hazy Modell nicht besonders passgenau eingesetzt wurde und sich daher auf einer Seite etwas von der Folie abwölbt.  

Im Handling sind die Felt Tones der klassischen Lösung klar überlegen

Wer mal mit einem Filzstreifen als Dämpfung gearbeitet hat, der weiß, dass das Einlegen, Straffen und Stimmen des Fells eine etwas knifflige Angelegenheit sein kann. Sie geht so: Streifen an der gewünschten Position über den offenen Kessel legen, Fell darüber platzieren und gleichzeitig darauf achten, dass der Filz darunter gespannt und faltenfrei bleibt. Bei Kesseln, die nicht unterdimensioniert gefertigt sind (also bei fast allen alten Bassdrums) gilt es zudem, dem korrekten Sitz des Fellkragens mit etwas Druck nachzuhelfen, denn der Filzstreifen erzeugt eine Verdickung des Kessels. Ist das geschafft, gilt es, dem Fell eine passende Stimmung zu entlocken, was oft gar nicht so einfach ist, denn die Modifikation wirkt wie eine absichtlich herbei geführte Gratungsbeschädigung. All diesen Malaisen wird der Anwender der Remo Felt Tones nicht ausgesetzt, denn die Filzstreifen berühren die Gratung nicht, und die Konstruktion gewährleistet zudem immer eine passende Spannung der Textileinlage. Bei der Handhabung gibt es also schonmal Pluspunkte, die Felt Tones lassen sich wie konventionelle Felle verwenden.

Im Einsatz geben sich die Felt Tones trocken und kontrolliert

Um heraus zu finden, was die beiden Testkandidaten klanglich so drauf haben, habe ich sie in verschiedenen Anwendungen an meiner 20x13 Zoll großen Wahan Buche Bassdrum ausprobiert und aufgenommen. Dabei habe ich versucht, möglichst konstante Tunings zu erzielen, um eine gute Vergleichbarkeit zu gewährleisten. Eines wird schon beim Klopftest ohne Bassdrum klar: Die beiden Felt Tones tragen das P3-Label zu Recht, denn sie erzeugen trockene Sounds mit sehr kurzem Sustain. Daran dürfte nicht nur der eingebaute Filzstreifen selbst einen großen Anteil haben, sondern auch der schmale Dämpfring. Im Vergleich mit meinen beiden Referenzfellen, dem Fiberskyn FD sowie dem Ambassador Smooth White fällt auf, dass der Grundcharakter beider Felle weitgehend erhalten bleibt, insgesamt aber eben deutlich kontrollierter ausfällt. Ich habe euch einige Soundfiles aufgenommen, wobei ich komplett auf weitere Dämpfung im Bassdrum-Inneren verzichtet habe. In den ersten vier Beispielen hört ihr die beiden Testobjekte einmal einzeln und einmal im Groove, wobei der erste Teil jeweils mit aufgelegtem Fuß gespielt ist, der zweite mit „versenktem“ Beater. Vor dem Resonanzfell ist die Bassdrum ist mit einem Sontronics DM1-B Mikrofon abgenommen, ein Kondensator Bassdrum-Mikrofon mit tendenziell neutralem Klang. Auf der Schlagseite kommt ein auf den Auftreffpunkt des Beaters gerichtetes Shure SM57 zum Einsatz und für  den Gesamtklang ein Mojave MA201fet Großmembrankondensator-Mikrofon in etwa einem Meter Entferung zum Resonanzfell. Im Video könnt ihr euch zusätzlich anhören, wie die Testfelle auf der Batter-Seite klingen.

In puncto Flexibilität sind die Felt Tones begrenzt 

Die folgenden vier Klangbeispiele habe ich mit dem Ambassador Smooth White aufgenommen, einmal ohne und einmal mit manuell angebrachtem Filzstreifen. Hier wird besonders deutlich, dass die Felt Tone Konstruktion ziemlich radikal in das Obertonverhalten der Basisfelle eingreift. Wer also einen natürlichen Bassdrumsound mit „atmendem“ Resonanzfell-Anteil sucht, wird vielleicht nicht unbedingt glücklich mit den fest installierten Streifen, wobei ich davon ausgehe, dass größere Bassdrums ein etwas längeres Sustain begünstigen, weil der Filzanteil im Verhältnis zur Membranfläche geringer ausfällt. Als Sound-Bastler vermisse ich auch die Flexibilität, welche die traditionelle Lösung mit separatem Filzstreifen mit sich bringt. Dies gilt allerdings auch für die anderen vorgedämpften Fell-Modelle und kann den Felt Tones nicht als Nachteil angekreidet werden.  

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