Test
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21.12.2015

Reloop RMP-4 Test

MP3/CD/USB Tabletop-Player & MIDI-Controller

Auf den Spuren der CDJs

Der Hersteller Reloop bringt mit dem RMP-4 den legitimen Nachfolger des RMP-3 Alpha in den Handel. Neben dem sieben Zoll großen Jogwheel bietet der RMP-4 eine umfangreiche Performance-Sektion inklusive Loop Rolls und Sampler. Der Single-Tabletop-Player, der sich der Einverleibung von CD-Medien und USB-Datenträgern verschrieben hat, kann zudem als USB-Controller zur MIDI-Steuerung von jedweder DJ-Applikation fungieren. Aktuell wird das Reloop-Tool von Virtual DJ 8 (Pro Infinity) nativ unterstützt, ein Mapping für NIs Traktor 2.6 gibt’s zudem im Download-Bereich auf der Homepage des Herstellers. Einzig die Funktion als Audiointerface bleibt dem Medien-Player verwehrt.

Der Vorgänger RMP-3 Alpha hatte eine eigene Effektsektion an Bord, die beim RMP-4 dem Rotstift zum Opfer fiel. Dieser hat dafür aber so einige neue Features im Gepäck. Hierzu zählen der Deck Sync zu einem zweiten Player, acht Hot Loops, Loop Rolls, Sampler, Quantisierung für Hot Cues & Hot Loops, der Slip Mode und eine Micropitch-Funktion, um nur mal ein paar zu nennen. Reloop hat den neuen Sprössling also bis unter die Zähne bewaffnet, was sich auch in der UVP widerspiegelt. Der Player ist beim DJ-Ausstatter für UVP 499 Euro zu haben und somit 100 Euro teurer als sein Vorgänger. Ob er diesen Aufschlag auch wert ist, soll der folgende Test zeigen.  

Details

Aus dem schlichten, schwarzen Karton befördere ich nach und nach den RMP-4, ein Euronetz-, ein USB-, ein 3,5 Millimeter-Miniklinken- und ein Standard-USB-Kabel sowie eine mehrsprachige Bedienungsanleitung, die neben Englisch auch Deutsch kann – na bitte! Der auf vier stylischen Füßen stehende, vier Kilogramm schwere Tabletop macht auf den ersten Blick einen soliden Eindruck, auch wenn das Chassis ausschließlich aus Kunststoff gefertigt wurde. 

Erste Kontaktaufnahme

Die Bedienoberfläche des Tabletop-Players ist geprägt von dem großen Jogwheel, das sehr leichtgängig ist und dem Nutzer keinen allzu großen Widerstand entgegensetzt. Ein späterer Blick ins Handbuch offenbart, dass am physischen Widerstand nichts geändert werden kann, nur die Übersetzung im Utility-Menü lässt sich in Sensibilitätsstufen von -20 bis +20 einstellen, sodass sich auch DJs, die bisher ausschließlich CDJs genutzt haben, das entsprechend umkonfigurieren können.

Optische Medien in Form von Audio-CDs oder selbst gebrannten Daten-Discs (MP3-CDs) finden Zugang über ein auf dem Frontpanel untergebrachtes Slot-In-Laufwerk, das fast schon gierig meinen ersten Silberling mit einem lauten Surren verschluckt (nur der anschließende feinmechanische Rülpser fehlte). Wie auch beim RMP-3 Alpha findet sich der „Tempomat", hier in Form eines 100 Millimeter langen Pitchfaders auf der rechten Flanke des Laufwerks ein.

Um das Rad herum sind eine Menge Buttons arrangiert, die allesamt mehr als hinreichend beschriftet sind. Irgendwie finde ich die Bedienoberfläche ein bisschen überladen bzw. unruhig und auf den ersten Blick unübersichtlich. Symbole auf und Beschriftungen unterhalb und/oder oberhalb der Taster verwirren mich und ich finde, dass man schon sehr genau hinschauen muss, welche Funktion man nun auslöst. Insbesondere betrifft das die linksseitigen, in einer Spalte angeordneten Buttons. Aber gut, vielleicht gibt sich das ja nach einer gewissen Einarbeitungszeit ...

Display

Zentral oben thront ein VF-Display, das in zwei Zeilen alle nötigen Informationen liefern soll, was für mich aufgrund der Tatsache, dass man in Ordnern nach Tracks (Stichwort „Liste") suchen muss, einen faden Beigeschmack bekommt. Das haben schon einige Hersteller versucht und für mein Dafürhalten nie überzeugend umgesetzt, da das Display Prinzip bedingt nur einen Titel anstatt wie gewünscht eine Liste (d. h. mindestens drei File-Namen) darstellen kann. In der linken oberen Ecke hat ein USB-Port für Sticks und Festplatten Platz gefunden.

Insgesamt wirkt das Chassis des CD-Players auf mich recht wuchtig und tatsächlich: Ein direkter Vergleich mit einem Denon DN-S1000 bestätigt diesen Eindruck. Die nüchternen Zahlen hingegen lassen das nicht so offensichtlich werden (B x T x H: 32 x 34 x 11,3 Zentimeter).

Wheel

Das Jog-Rad beträgt im Durchmesser etwa sieben Zoll und ist somit etwa so groß wie eine gute alte Vinyl-Single. Am angeschrägten Rand sind große Fingermulden eingelassen, wie man es auch von Pioneers CDJs kennt. Das Wheel fungiert im Pausenmodus als übergroße Spul- und framegenaue Suchmaschine und kann im Play-Betrieb als Pitchbend fungieren oder mit eingeschalteter Vinyl-Emulation beim Scratchen das Gefühl einer echten Platte vermitteln. Ob Pitchbend oder Scratchen entscheidet die berührungsempfindliche Oberfläche des Rades. Legt man die Hand von oben auf den Teller, wird die Scratch-Funktion aktiviert. Bei seitlichem Anfassen funktioniert er als Pitchbend-Controller: Gegen den Uhrzeigersinn gedreht, wird die Abspielgeschwindigkeit verringert, im Uhrzeigersinn beschleunigt. Kennt man – na klar und funktioniert hier ebenfalls tadellos!

Backpanel

Auf der Geräterückseite haben bis auf die eben erwähnte USB-Schnittstelle alle anderen Buchsen Platz gefunden. Schweift der Blick von links nach rechts, eröffnet das Cinch-Paar den Reigen, gefolgt von einer weiteren einzelnen Cinch-Schnittstelle, über welche die "Smart Link Funktion“ mit einem zweiten Reloop-Player realisiert wird, dem Netzschalter sowie dem Netzanschluss. Darüber hinaus offeriert die Rückseite eine Miniklinkenöffnung für Remote-Anwendungen (Fader Start, Relay Play) und eine USB-Schnittstelle zur Verbindungsaufnahme mit einem weiteren RMP-4 oder einem Rechner zur Verwendung des Testkandidaten als Dirigent einer DJ-Software. Sind zwei Reloop-Player verbunden, können beide Laufwerke auf ein und dasselbe USB-Medium zugreifen. Ein Feature, dessen Überprüfung auf Funktionalität mir aufgrund des fehlenden zweiten Exemplars leider verwehrt bleibt. So erschließt sich die bunte Anschlussvielfalt und Multifunktionalität von Reloops RMP-4 schon bei bloßer Betrachtung des Backpanels und hätte sich hier auch noch ein digitaler Audioausgang eingefunden, wäre der Autor an dieser Stelle gar sprachlos geworden. Ist da aber nicht.

Formatwald

In der linken oberen Ecke werden die USB-Medien angedockt. Unterstützt werden Flash-Speicher und USB-Festplatten, die mit den Dateisystemen FAT12/FAT16 oder FAT32 angelegt wurden. Andere Formatierungen wie NTFS oder HFS+ kann der RMP-4 nicht verarbeiten, was wirklich schade ist und bei 500 Euro hätte drin sein dürfen. Es werden bis zu 999 Ordner pro Datenspeicher und 999 Tracks per Folder gelesen und das MP3-Format, AAC, AiFF und WAVE unterstützt. Die maximale Dateigröße beträgt 341 Megabyte und die größtmögliche Länge eines Tracks 233 Minuten. Als mögliche Sampling-Raten kommen 32, 44,1 und 48 Kilohertz in Frage.

Daten, Data, Datenbank und Co.

Unterhalb des Schlitzes für den Universal Bus sitzt der Source-Button, mit dem der DJ die Quelle, von der er spielen will, auswählt. Der Knopf quittiert jedwedes Drücken bereitwillig durch einen Farbwechsel, wobei rot USB-Medien bedeutet, blau für das CD-Laufwerk steht und violett die rückseitige USB-Verbindung mit einem Rechenknecht oder einem zweiten RMP-4 symbolisiert. Ist die Wahl des Mediums getroffen, navigiert man sich durch die Ordner mittels Drehen des Push-Encoders.

Der Info-Taster rechts neben dem Display schaltet die Tags des selektierten Musikstücks durch. Zurück gelangt der browsende DJ über den Back-Button, der zu meiner Verwunderung auf der linken Seite des Displays logiert und nicht wie üblich neben dem Browse-Encoder sitzt. Selektiert ist immer das Stück, das man gerade sieht, ins Deck geladen wird es durch Drücken des Encoders. Ich finde diese Lösung nicht besonders komfortabel und möchte an dieser Stelle dem Hersteller widersprechen: Größere Musiksammlungen werden so schnell unübersichtlich, insbesondere dann, wenn die eigens angelegten Genre-Ordner wie zum Beispiel „House" oder ähnliches quasi eh schon überlaufen.

Abhilfe schaffen soll eine Datenbank, die mit Hilfe des Data Base Builders (Version 2.0.13.), der als Download auf Reloops Homepage ohne Registrierungsgedöns erhältlich ist, angelegt wird. Ist die Datenbank in Betrieb, sollen die Metadaten der Tracks schneller geladen werden und es können Filter greifen, die im Setup vorausgewählt werden. So lässt sich im Utility-Menü zum Beispiel das Tag „Artist" auswählen, nach dem dann in dem Medium vorsortiert wird. Man kann mit Hilfe der Tasten „Track Search“ einen Buchstaben selektieren, meinetwegen Artists mit „G“, sodass man anschließend mit dem Navigations-Encoder einfach nur noch durch die Künstler, die mit „G“ beginnen browst, um dann per Push den gewünschten Song auszuwählen.

Bei meinen ersten Versuchen, eine auf dem RMP-4 funktionierende Datenbank zu erstellen, scheiterte das Vorhaben diverse Male. Zuerst versuchte ich es mit einer Neuformatierung, dann mit einem anderen Stick und schließlich wechselte ich vom Mac zum PC. Aber auch erst mein zweiter Anlauf am PC sollte Früchte tragen, sodass ich schlussendlich dann doch irgendwann eine Datenbank auf dem Stick laufen hatte.

Das Programm selbst wies auf dem MacBook Pro, Mitte 2012, Intel i5, 2,5 GHz, 8 GB RAM, OS X 10.10.5 nach getaner Arbeit aus, dass es praktisch keine Metadaten gefunden hat, was man auf dem ersten Screenshot sehen kann: „88 Files without artist“. Der Bericht auf dem PC hingegen (Intel i5 Desktop, 2,3 GHz, 16 GB RAM, MS Win 7 SP1) klingt da versöhnlicher: „0 Files without artist“. Menno, was für ein Krampf!

RMP-4 Funktionstelegramm

Natürlich verfügt der RMP-4 über diverse Standardfunktionen, die ein DJ-Player in petto haben sollte. Hierzu zählen ein (de)aktivierbarer Slip-Modus, Instant Reverse Play, Auto BPM Counter, ein Tap-Taster zur manuellen Korrektur des BPM-Wertes, verschiedene Arbeitsbereiche für den 100 Millimeter Pitchfader mit 4, 8, 16 und 100 Prozent und einen Key Lock, der die originäre Tonhöhe beim Ändern der Abspielgeschwindigkeit einfriert.

RMP-4 Sonderfunktionen

Reloops Testkandidat wartet allerdings auch mit ein paar Sonderfunktionen auf, die nicht unbedingt zum Budget-Bereich zu zählen sind. Grundsätzlich können das Tempo und die Taktposition mit einem zweiten Player über die rückseitige Smart Link Verbindung synchronisiert werden. Die Pitchbend-Buttons verfügen über einen Micropitch-Modus, der in Kombination mit der Shift-Taste ins Leben gerufen wird. Einmal aktiv, kann der Pitch-Wert in 0,01-Prozent-Schritten angepasst werden. Sehr praktisch, weil sehr genau, was manchmal gebraucht wird.

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