Bass Hersteller_Radial_Engineering
Test
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10.09.2015

Praxis

Zusammenfassend kann man sagen: Der Bassbone V2 ist eine Preamp DI-Box mit zwei getrennten Kanälen, die als zweikanaliger Preamp mit einem Bass oder als A/B-Preamp zum Umschalten zwischen zwei Bässen verwendet werden kann. Optional lassen sich die beiden Kanäle jedoch auch simultan betreiben und miteinander mischen, das wird aber nach meiner Einschätzung für wenige Nutzer relevant sein. Kanal 1 verfügt neben dem unbearbeiteten Signalfluss über zwei fest vorgegebene Preshape-Filter, während Kanal 2 einen vollwertigen und frei regelbaren 3-Band-EQ bereitstellt, zusätzlich angereichert mit der Möglichkeit, zwei unterschiedlich stark agierende HiPass-Filter hinzuzuschalten. Weiterhin lässt sich die Eingangsimpedanz von Kanal 2 anheben und so speziell an Piezotonabnehmer anpassen. Man hat also einen weniger und einen stärker flexibel ausgelegten Kanal zur Verfügung. Der Mono-Effektloop kann wahlweise entweder einzeln auf einen Kanal oder aber auch auf beide Kanäle geroutet werden. Dabei hat man die Möglichkeit, den Effektanteil stufenlos von 0% bis 100% zu regeln.

Das ist nur der grobe Umriss, mit dem ich noch einmal die Kernfunktion erläutern möchte. Für mich liegt diese primär darin, zwischen zwei Bässen umschalten zu können, für die nur ein gemeinsamer Ausgangskanal zum Amp via Klinkenbuchse und/oder zum Mischpult via XLR/DI Ausgang bereitsteht. Natürlich ist auch die Verwendung als 2-Kanal Preamp mit nur einem Bass und dadurch mögliche schnelle Soundwechsel interessant. Ich denke dennoch, dass wohl primär diejenigen nach einem Bassbone V2 greifen werden, die das Handling im Umgang mit zwei parallel angeschlossenen Bässen vereinfachen wollen. Wer übrigens nach einer A/B Preamp DI-Box sucht, die zwei gleichwertig und identisch ausgerichtete Kanäle mit separaten 3-Band-EQs für jeden Kanal offeriert, der wird ebenfalls bei Radial fündig unter dem Produktnamen "OD-2 Channel Bass Preamp". Dies nur als Randnotiz.

Testen wir also einmal die Schalt- und Soundmöglichkeiten, die sich mit dem Bassbone V2 eröffnen. Zuerst vergleichen wir die Preshape EQ-Stellungen von Kanal 1. Gleich vorweg: Der Bassbone V2 verfügt nicht über einen True-Bypass, das heißt, das Bass-Signal durchläuft stets Schaltkreise. Eine Stromversorgung ist also unabdingbar, weswegen man auch auf der Bühne von der Kabelklemme neben der Netzbuchse Gebrauch machen sollte, sofern der Bassbone 2 nicht fest in ein Pedalboard verbaut wird. So kann das Netzkabel nämlich nicht versehentlich während des Betriebs abgezogen werden. Dennoch unterscheidet sich der Sound eines angeschlossenen Basses an Kanal 1 des Bassbone V2 in EQ-Stellung "Normal" nicht hörbar vom direkt an den Amp angeschlossenen Bass. Die Signalgüte ist also sehr hoch und über einen fehlenden True Bypass brauchen wir hier nicht zu klagen.

Beim Vergleich der Preshape-Filter in Kanal 1 gefällt mir TONE-A sehr gut. Der Ton wird deutlich runder und voluminöser, jedoch nicht matschig. TONE-B dagegen klingt für mich etwas zu dünn. Diese Preshape-Kurve ist deutlich für den Slapstyle ausgerichtet, doch selbst dafür klingt sie etwas mager. Man hätte vielleicht die Mittenabsenkung statt bei 350 Hz doch eher wie schon bei TONE-A bei 650 Hz oder sogar noch etwas höher bei 800Hz ansetzen sollen. Aber das ist Geschmacksache. Etwas besser verhält sich das TONE-B Filter Shape in Verbindung mit einem aktiven Bass und dort angehobenen Bässen.

Zum Vergleich habe ich ein weiteres Beispiel mit dem EQ des Kanals 2 aufgenommen, den ich gezielter auf das Fingerspiel ausrichten konnte. Es zeigt, dass man experimentieren muss, welchen seiner zwei angeschlossenen Bässe man welchem Kanal zuordnet, um ein optimales Resultat zu erhalten.

Ein weiteres Beispiel auf Kanal 2, diesmal mit einer wärmeren Einstellung anhand abgesenkter Höhen:

Kanal 2 gestaltet sich äußerst flexibel. Die ausgewählten Frequenzbänder der 3-Band Klangregelung wurden gut angepasst, um weitreichend jedem Bass ausreichend unter die Arme zu greifen, falls Bedarf und Notwendigkeit besteht. Dabei verhält sich der Bassbone V2 wirklich äußerst geräuscharm. Er ist definitiv live- und studiotauglich.

Radial preist ja förmlich die ideale Fusion mit Piezotonabnehmer an, da man die Eingangsimpedanz von Kanal 2 auf 10 mOhm anheben kann. Das Resultat, hier anhand eines elektrischen Upright mit Piezosystem, klingt durchaus überzeugend.

In Zusammenwirkung mit akustischen oder halbakustischen Bässen kann es speziell im Livebetrieb zu unbeliebten Tiefresonanzen kommen, denen man gezielt durch Low Cut- bzw. HiPass-Filter entgegenwirken kann. Dadurch sinkt die Bass-Feedbackempfindlichkeit und der Sound wird transparenter. Der Effekt ist natürlich nur hörbar auf Wiedergabesystemen, die in der Lage sind, Frequenzen unterhalb von 60 Hz wiederzugeben. Das folgende Beispiel zeigt drei Mal die gleiche Bassfigur in der Reihenfolge "Linear", "HiPass oberhalb 60Hz" und "HiPass oberhalb 35 Hz", wobei die Frequenzen unterhalb der Trennfrequenz nicht abgeschnitten, sondern abgemildert werden. Im Sound bleibt also noch ausreichend Volumen. Da Kanal 2 bereits von der Impedanzanpassung auf Piezosysteme ausgerichtet ist, hat man auch den HiPass-Filter nur Kanal 2 zugeordnet. Mir gefällt die musikalisch wirkende, milde Abstufung. Hier geht es um realistischen Einsatz und nicht um Effekthascherei.

Der Bassbone V2 besitzt eine Boostfunktion. Das Problem: Der FOH-Mischer kennt die Setlist nicht und der Moment mit dem einzigen kurzen Bass-Solo des Abends naht. Man legt los, was das Zeug hält, aber draußen kann niemand die Nuancen des virtuosen Spiels wahrnehmen, denn die Lautstärke des Bass-Signals bleibt auf vorherigem Begleitlevel. Volumenpoti am Bass ist bereits voll aufgedreht - keine Reserven mehr zum Nachschieben. Hier kommt die Boostfunktion in's Spiel. Mit bis zu beachtlichen zusätzlichen +8dB kann man sein Signal auf ein Level bringen, das sogar die obligatorischen Schwätzer an der Theke zum Zuhören zwingt. Allerdings empfiehlt es sich in solchen Fällen, den Input-Level des FOH-Pultes beim Soundcheck auf die Boostlautstärke einzupegeln, denn sonst wird man zwangsläufig auf der PA unschöne Verzerrungen hören, wenn das Solo hereinbricht.

Der Schaltvorgang des Boosters wird von einem leisen Knacken begleitet, sowohl beim Ein- als auch beim Ausschalten des Boost. Im Beispiel erfolgen mehrere Level-Wechsel, man kann das Knacken im Playback weniger deutlich, aber dennoch hörbar wahrnehmen. Im zweiten Beispiel ohne Playback wird deutlich, wie das Knacken klingt. Es ist nicht überdimensional laut, aber man könnte sich daran stören.

Sehr positiv ist die Tatsache, dass die Boostfunktion beim Bassbone V2 auch zusammen mit dem Effektloop eingesetzt werden kann. Das war zwar auch beim Vorgängermodell möglich, allerdings ließ sich dort der Effektanteil im Loop nicht regeln. Das ist beim Bassbone V2 nun viel besser gelöst und der Loop kann stufenlos von 0% über alle Parallel-Abstufungen bis zu 100%, also seriell, eingesetzt werden. Sollte durch die Effektkette Pegel verlorengehen, lässt sich dies problemlos mit dem Boostregler wieder ausgleichen. Schade ist und bleibt einzig und alleine, dass man nur alternativ wählen kann, ob man den Boostschalter für die Boost- oder alternativ für die Mute-Funktion nutzen möchte. Ich erachte beide Funktionen für durchaus relevant, wobei viele Situationen wohl noch stärkere Priorität auf die Möglichkeit lenken werden, das Signal zum Stimmen stummzuschalten.

In der Praxis bewährt es sich, auf Kanal 1 den Bass einzusetzen, dessen Sound nicht mehr weiterbearbeitet werden muss, während man, bedingt durch die flexibleren EQ-Möglichkeiten, auf Kanal 2 den Bass einsetzen sollte, der von externer Sound-Modifikation abhängiger ist.

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