Gitarre Hersteller_PRS
Test
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14.04.2019

Praxis

Trocken angespielt klingt die Gitarre luftig und ausgeglichen. Der Primärton ist zwar nicht fendermäßig spitz, dafür bietet er kraftvolle Mitten und einen gewissen Twäng, der dem Anschlag eine deutliche Definition gibt. Die klangliche Reise tendiert wegen der Holzwahl eher in Richtung Les Paul und weniger in Richtung einer Fender/Gibson-Mixtur. Am Gitarrenamp offenbart sich allerdings ein etwas anderes Bild, denn hier kommen plötzlich obere und leicht nasale Mitten zum Vorschein, die ich so nicht erwartet hätte. Am stärksten kommt der Effekt über den Stegpickup zum Tragen. Bevor es an die Audiobeispiel geht, noch ein Hinweis: Damit die Unterschiede zwischen Humbucker- und Split-Modus besser zum Vorschein kommen, gibt es die Beispiele in vier Teilen. Zuerst ein paar Akkorde im Humbucker- und im Singlecoilmodus, gefolgt von einem solistischen Lick, das ich ebenfalls mit dem Humbuckermodus und dann mit dem Singlecoilsound eingespielt habe. So bekommt ihr einen direkten A/B-Vergleich. Hier der Stegpickup am cleanen Amp, beginnend mit der Humbuckereinstellung.

Obwohl die Pickups viele hohe Mitten liefern, kommt man selbst im Splitmodus, der ja im Grunde der berühmten Kombination bei einer Telecaster entspricht, nicht an den Sound des Klassikers heran. Dazu ist der Primärklang schon aufgrund des Tremolos einfach nicht stabil genug. Wie man gut hören kann, klingen die Splitsounds im Gegensatz zum Humbuckermodus sehr dünn und leise, sodass man in dieser Einstellung beim Gig unter Umständen schnell im Bandgefüge untergeht.

Der Halstonabnehmer bringt einen Mix aus jazzigen und bluesigen Soundanleihen. Dadurch sitzt man hier stilistisch auch irgendwo zwischen den Stühlen, denn für Blues klingt die Gitarre zu nasal, während es dem Instrument für wirklich überzeugende Bebop-Sounds einfach an Wärme und Dreidimensionalität fehlt.

Kommen wir zu den High-Gain-Sounds und beginnen wieder mit dem Stegpickup. Auch hier kommt die nasale Härte im Grundsound deutlich zum Vorschein. Ich habe mit vielen Pedalen und Amps herumprobiert, aber die Betonung der oberen Mitten bekommt man nicht in den Griff. Letztlich bin ich dann wieder bei der Kombination gelandet, die ich oft zum Einspielen der bonedo-Soundbeispiele verwende. Dabei handelt es sich um eine alten 100 Watt Marshall JMP im Zusammenspiel mit dem Baldringer Dual Drive.

Hier der Sound beider Pickups in Kombination. Diese Einstellung klingt für meinen Geschmack schon etwas ausgeglichener als die Bridge-Position. Dank der omnipräsenten oberen Mitten sucht man mulmige Klanganteile vergebens.

Auch beim Hals-Pickup kommen die oberen Mitten gut zur Geltung. Sie bescheren der Gitarre in dieser Einstellung auch mit viel Verzerrung eine gute Saitentrennung. So kann man auch problemlos komplexe Akkorde spielen, ohne zu viele mulmige Artefakte zu erhalten.

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