Software
Test
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03.07.2019

Praxis

Studio One 4.5

Presonus hat in Version 4.5 von Studio One mehr als 70 Veränderungen und Verbesserungen vorgenommen, darunter auch viele sehr große Änderungen, die die DAW entscheidend voranbringen, und genau auf diese beschränken wir uns auch im folgenden Test. Dieses Mal wurden wieder viele User-Wünsche berücksichtigt, weshalb das Update trotz seiner Größe komplett kostenlos ist.      

Verringerte CPU-Last

Wir starten direkt mit einem Hammer. Presonus hat es geschafft, die CPU-Auslastung bei VST-Instrumenten deutlich zu senken. Nach eigenen Angaben geschah dies zwar nur bei der Verwendung von Multi-Instrumenten, meiner Meinung nach zeigen sich die Auswirkungen aber auch in allen anderen Bereichen. Bei nativen Plugins gibt der Hersteller bis zu 70 Prozent Ersparnis an, bei Drittanbieter-Plugins bis zu 50 Prozent. Auch wenn die angegebenen Werte natürlich nicht genau nachgeprüft werden können, zeigt die Leistungsanzeige auch ohne Multi-Instrumente deutlich weniger Auslastung. Davon profitieren wahrscheinlich eher ältere Rechner oder Laptops, aber auch bei einem modernen Computer muss die eine oder andere Spur dadurch weniger gefreezt werden. Außerdem werden Arrangements deutlich schneller geöffnet als früher. 

 

I/O-Settings

Wer seine Projekte an verschiedenen Orten, oder Projekte anderer Produzenten in seinem eigenen Studio öffnen möchte, kann jetzt sein I/O-Routing als Preset abspeichern und gegebenenfalls mit sich nehmen. Außerdem lässt sich die Reihenfolge der In- und Outputs verändern und das Colour-Coding, das wir schon von den einzelnen Spuren her kennen, auf Ein- und Ausgänge anwenden. Dadurch behält man bei komplexen Setups einen wesentlich besseren Überblick.

Neue Sidechaining-Optionen

Auch Sidechaining ist in Studio One nun noch flexibler geworden, denn bei Version 4.5 ist jetzt auch das sogenannte Reverse Sidechaining möglich. Dieses lässt euch direkt am sidechainfähigen Plugin diejenige Spur auswählen, deren Signal als Quelle genutzt werden soll. Das spart ihr nicht nur wieder einiges an Zeit, sondern ihr werdet vor allem auch zum kreativen Ausprobieren eingeladen. Und das Praktische: Wird darüber hinaus ein Track dupliziert, werden auch gleich alle Sidechain-Einstellungen mitkopiert.

 

Unterstützung weiterer Dateiformate

Auch bei den Dateiformaten hat Presonus aufgestockt. Nun sind auch MP3s mit variabler Bitrate sowie AACs und ALACs (Apple Lossless Audio Codec) beim Export von Audios möglich und außerdem ein Mixdown in Mono.  

Ein Video kann nun nicht mehr nur abgespielt, sondern auch samt erstellter Musik exportiert werden. Dabei hat man die Möglichkeit, nur bestimmte Bereiche des Videos mit Musik zu versehen. Das ist in der Arbeit mit einem Regisseur eine sehr wertvolle Option, wenn zum Beispiel Änderungen an einer Szene gezeigt werden sollen. Als Formate stehen Quicktime, M4V-Video und MPEG4 zur Verfügung. 

Verbesserte Darstellung

Auch bei der Darstellung hat sich etwas getan. Erstens lassen sich die Wellenformen nun glätten. Das hört sich jetzt nicht so besonders an, ist optisch aber tatsächlich eine riesiger Unterschied, besonders auf HD-Displays. Ohne Zoom wirken die Wellenformen dadurch wesentlich sanfter und schmeicheln dem Auge mehr. Diese Funktion lässt sich unter dem Pfad „Optionen – Erweitert – Bearbeitung – Wellenformen geglättet zeichnen“ an- und abschalten. Nachteil dabei: Entscheidet man sich für die Glättung, wird die Welle bei sehr viel Zoom zwar weicher dargestellt, dafür aber nicht mehr ausgemalt. Damit geht aus meiner Sicht etwas die Übersicht verloren. 

Zweitens gibt es unter Raster die  neue Option „an Nulldurchgängen ausrichten“. Damit findet die DAW selbstständig den Punkt in der Audiodatei, an dem kein Pegel anliegt. Gerade, wer viel mit Samples oder mit der Verarbeitung vieler Audio-Aufnahmen zu tun hat, spart hier sehr viel Zeit.

Und drittens können die Darstellungsoptionen nun für die verschiedenen Fenster separat gewählt werden. Zum Beispiel kann im Arrangement-Fenster die Snap-to-zero-Funktion deaktiviert, im Editor aber gleichzeitig aktiviert werden.

Neue Eingangsoptionen

Das große Stichwort ist hier der softwarebasierte Input-Gain. Damit kann der Pegel jedes Signals direkt am Eingang in der Software geregelt werden. Will man zum Beispiel eine Gitarre mit Overdrive aufnehmen, kann dieses Signal genauso in das Audiointerface eingeschleift als auch in Studio One pegelreduziert werden. Auch das Umkehren der Phase eines Signals ist wesentlich leichter geworden, und zwar im wahrsten Sinne des Wortes „with the push of a button“. Diese Optionen stehen für jede Art von Spur zur Verfügung. Sie lassen sich für eine bessere Übersicht aber auch über die Mixeroptionen ein- und ausblenden.

Außerdem gibt es nun Pre-Fader-Metering. Damit wird der Pegel eines Signals auch dann angezeigt, wenn der Fader ganz nach unten gezogen wurde. Eine weitere wichtige Neuerung, wie ich finde.

Audio-Batch-Converter

Der neue Audio-Batch-Converter gehört zu den Überraschungen des Updates, mit denen wahrscheinlich niemand gerechnet hat. Müssen im großen Stil Audiodateien umgewandelt oder bearbeitet werden, kann dies bequem im Converter erledigt werden, und zwar in einem Durchlauf für mehrere Dateien. So kann das Dateiformat oder die Samplerate geändert werden, der Gleichspannungsversatz entfernt oder die Dateien ausgeblendet werden. Selbst Effekte lassen sich in einem Abwasch auf alle Spuren legen und rendern, sogar von Drittanbietern. Im Umgang mit vielen Audiospuren oder völlig ungeordneten Dateien kann der Converter somit zum Time- und Livesaver werden. Allerdings kostet er rund 50 Euro extra.  

Flexiblerer Noten- und MIDI-Editor

Auch die Noten-Editierung wurde von Presonus verbessert. Dazu wurde das Notenaktionsmenu (Aktivierung durch Klick mit der rechten Maustaste auf ein Event) deutlich vergrößert. Noten können jetzt zufällig verteilt, ausgedünnt oder gespiegelt werden. Selbstverständlich ist es auch möglich, alle neuen Funktionen Tastaturkurzbefehlen zuzuweisen und in Macros einzubinden. 

Plugin-Manager

Den Plugin-Manager gab es zwar auch schon in Version 4.0, allerdings kam er bisher nur dann zum Vorschein, wenn man ihn über die Optionen aktiviert nach neuen Plugins oder virtuellen Instrumenten hat suchen lassen. Danach verschwand er wieder. Ab 4.5 lässt sich der Manager jederzeit über das Ansichtsmenu aufrufen und zudem kann er jetzt auch viel mehr. Plugins können gesucht und nach Typ oder Hersteller gefiltert werden. Oder man blendet bestimmte Plugins einfach aus, wenn man für ein bestimmtes Projekt nur auf eine kleinere Auswahl zugreifen, aber nicht immer durch alle installierten Plugins im Browser scrollen möchte. Und endlich muss man dazu jetzt nicht mehr Studio One abermals öffnen, weil nicht wie früher erst bei einem Neustart der Software nach neuen Plugins gesucht werden konnte.

Spuren sperren

Wer hat nicht schon einmal im Eifer des Gefechts einer besonders leidenschaftlichen Recording-Session oder einfach wegen nachlassender Konzentration etwas verschoben oder gar gelöscht? Damit ist bei Studio One jetzt Schluss. Jetzt können ganze Spuren oder einzelne Events gesperrt werden. Die sogenannte Zeitsperre verhindert, dass das Event verschoben werden kann, die Bearbeitungssperre verhindert Veränderungen jeglicher Art. Beides tritt gleichzeitig in Kraft, wenn die gesamte Spur gesperrt wird.

Nektar Panorama Integration

Neben den hauseigenen Controllern Faderport V2, Faderport 8 und Faderport 16 unterstützt Studio One nun auch externe Hardware mit direkter DAW-Integration, nämlich die Nektar-Panorama-Serie. Wie die Einrichtung abläuft und wie  die DAW- und Plugin-Steuerung funktioniert, kannst du in unserem Workshop nachlesen.

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