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08.09.2021

Presets und Soundware für u-he Zebra

Software-Instrument-Erweiterung

Nachschub für das charismatische Steppentier

Unter den Softwareprodukten der Berliner Softwareschmiede um Urs Heckmann ragt u-he Zebra als echter Klassiker hervor. Diesen Synthesizer gibt es bereits seit 2007 – und noch immer hält er zahlreiche Designer und Musik bei bester Editierlaune. Ein Faktor für diese bleibende Aktualität: Fast monatlich erscheint eine neue Soundlibrary, die u-he Zebra praktisch ewig jung hält. Einige aktuellere Releases stellen wir hier exemplarisch vor. Dabei haben uns nicht nur die Klangdaten für u-he Zebra, sondern auch ein paar Kommentare der Sounddesigner erreicht. Was gleich augenscheinlich wird: In der Filmmusik fühlt sich der Synthesizer von Urs Heckmann offensichtlich besonders wohl. Wer übrigens hinter die Kulissen von u-he schauen möchte, findet hier das passende Bonedo-Feature.

Details

Komplex, vielseitig, charakterstark

Das Arbeitstier u-he Zebra 2 bietet eine durchaus komplexe Engine mit vier Wavetable-Oszillatoren, die sich relativ gut über das skalierbare Benutzer-Interface handeln lässt. Der Preis bleibt bei etwas unter 200 Euro über Jahre stabil. Neben Zebra 2 gibt es eine alternative Version, die eigens für den Filmmusikkomponisten Hans Zimmer entwickelt worden ist und so einige Extras beinhaltet: „ZebraHZ“ bietet acht weitere Filter, zwei weitere Comb-Filter, vier weitere MSEG, zwölf weitere Slots der Modulationsmatrix oder auch drei Resonatoren nach Vorbild des Polymoog. „Dark Zebra“ ist wiederum eine Soundbank mit 400 Presets, die aus einem Teamwork zwischen Hans Zimmer und u-he-Sound-Designer Howard Scarr hervorgeht. Viele der Klänge sind im Soundtrack zu „The Dark Knight“ und „The Dark Knight Rises“ verwendet worden. Sie basiert auf der Engine von ZebraHZ.

Fünf Soundanbieter und ihre Produkte für u-he Zebra 

Luftrum

Stephan Baer hat inzwischen Tausende von Sounds mit u-he Zebra erstellt. Er schätzt vor allem die enorme klangliche Flexibilität, die Filter, den individuellen Klangcharakter sowie die Oberfläche, bei der alle Parameter leicht zugänglich sind. Viele Presets seines Packs „Axion“ für ZebraHZ, das über Luftrum erhältlich ist, verdeutlichen seine Liebe zu diesem besonderen Software-Synthesizer. Wir fokussieren uns auf drei Presets aus „Axion“ mit Hörbeispielen.

Demo 01 – Preset „PL Matmos“: Dieses Patch zeigt die Verwendung der mehrstufigen Hüllkurven sowie die Modulation des Filters und die Möglichkeit, weitere Layer mittels Modulationsrad zu ergänzen.

Demo 02 – Preset „SC Panopticon Noir“: Dark Zebra empfiehlt sich für Sounds der Kategorie „Soundscape“. Stephan Baer mag es auch bei diesem Patch, morphende und sich ständig verändernde Atmosphären zu schaffen – die Möglichkeiten sind quasi endlos.

Demo 03 – Preset „PL Out of Bounds“: Dieses Patch liefert ein weiteres Beispiel für die Erzeugung von Impulsen mit mehrstufigen Hüllkurven. Percussive Sounds sind ein weiterer Bereich, in dem Dark Zebra wirklich gut ist. Die Kammfilter sind dafür phänomenal.

The Unfinished

Ausgiebig mit u-he Zebra beschäftigt hat sich auch Matt Bowdler aka The Unfinished. Sein Interesse gilt mittlerweile der Entwicklung organischer und weniger synthetischer Klänge. Dies gelingt zum Beispiel sehr gut mit dem Kammfilter. Matt Bowdler mag aber ebenso Pads und rhythmische Sequenzen.

Demo 04 – Preset „PD May 10th“ (Zebra Tunguska): Dieses relativ einfach strukturierte Synthpad besteht aus einem Sägezahn- und einem FM-Oszillator. Dank Quad-Stack-Modus bekommt es einen warmen und dichten Klang. Es ist ein hybrider Sound, der analoge und digitale Klangeigenschaften verschmelzen lässt und das Multimode-Filter sehr klangprägend verwendet.

Demo 05 – Preset „LP Energizer“ (Zebra Lazarus Vol 4): Mit den MSEGs (Multi Stage Envelope Generators) und den X/Y-Performance-Reglern entstehen teilweise originelle Drumloops. Dieses Preset basiert auf vier einzelnen Sounds. Die Sequenz jedes Drum-Elements wird per MSEG-Pattern (Filter Cutoff) gesteuert. Bis zu 128 Schritte stehen bei der Programmierung der MSEG bereit.

Demo 06 - Preset „ST Devil's Star“ (Zebra Nordsund Snow): Bei diesem Patch kommt der dissonante Modus des Kammfilters sowie mehrere LFOs und Hüllkurven zum Einsatz.

Tom Wolfe

Überwiegend cinematisch sind die Sounds von Tom Wolfe, was man schon anhand seines Slogans „Synthesized Solutions for Film“ erkennt. Diese Beispiele aus seinem Set „Translucid“ sind hörenswert.

Demo 07 – Preset „ARP Bedtime Stories“: Dieses Arpeggiator-Preset nutzt den brillanten Cross-Mod-Filter von Zebra, um die Filter im Stereofeld zu versetzen und so ein einzigartiges Stereobild zu erzeugen. Dank der Fähigkeit von Zebra, jeden verfügbaren Parameter zu modulieren, lässt sich das Modulationsrad verwenden, um diesen glasigen Sound während des Spiels nahtlos in einen tranceartigen Sägezahn zu verwandeln.

Demo 08 – Preset „KEY Suitcase Lullaby“: So schön und einfach kann Zebra klingen. Mit nur zwei Werks-Oszillator-Presets entsteht ein zartes, aber knackiges E-Piano mit viel Ausdruck und Spielbarkeit. Der großartige Nu Rev Reverb verhilft noch zu einer klanglichen Ruhe.

Demo 09 – Preset „PD Sea Bed“: Diese Fläche nutzt 22 Oszillatoren (per Stacking), ohne die CPU übermäßig zu strapazieren. Diese vielen Oszillatoren verleihen dem Preset eine phasige, ambiente Qualität, die per Comb-Filter noch akzentuiert wird.

Treeswift Audio

Das Soundset „Isla“ von Jan Morgenstern basiert auf dem Element Wasser. Für meditative und cineastische Musik ist es sehr ergiebig. Alle Wassergeräusche entstehen mit dem Noise-Modul von u-he Zebra.

Demo 10 – Preset „E06 Spring of Radiance“: Hier kommt das Comb-Modul von u-he Zebra sehr effektiv zum Tragen. Es bietet Physical Modeling (Karplus-Strong).

Demo 11 – Preset „C02 Yonaguni“: Dies ist ein Bass-Drone-Layer aus additiven Oszillatoren, deren Obertonstruktur per Comb-Modul im „Blown"-Modus moduliert wird. Die Unterwasseratmosphäre entsteht wiederum mit dem Noise-Modul.

Demo 12 – Preset „F10 Westfjord Triplets“: Dieser Arpeggiator-Sound wird vor allem durch die gitarrenartigen Klänge eines Comb-Moduls im Diff-Modus erzeugt; als Eingangssignal dienen perkussive FM-Klänge. Das halbtonale Schlagwerk stammt aus einer Mischung aus sehr kurzen Rauschimpulsen, die den Anschlag sowie zufällige Wassertropfen simulieren und durch ein weiteres Comb-Modul im Dissonant-Modus um einen organischen Klangkörper ergänzt werden.

Whatabaudio

Für Andreas Moisa ist „Zebra 2 noch immer der absolute Workhorse-Synth, mit dem man ungewöhnliche Wege gehen kann.“ Das Kernstück ist für ihn der 4-Kanal-Mixer. Damit lassen sich nicht nur klassische Multitrack-Patches erzeugen, sondern auch Sounds mixtechnisch anreichern, so auch bei seinem Set „Crime Fundamentals“.

Demo 13 – Preset „ARP Thin Plucks“: Dies ist ein gutes Beispiel für den Mixereinsatz. Um den relativ simplen und hellen Arp-Sound etwas breiter zu machen, habe ich das Hauptsignal auf einen zweiten Kanal geleitet, das zweite Signal mit einem LFO schnell von links nach rechts gepanned und leise hinzugemischt. Dadurch wirkt der Klang einfach etwas räumlicher.

Demo 14 – Ein weiteres gutes Beispiel ist „CYCLE Strange Feelings“: Das Patch ist ein atonaler Rhythmus, der sich überall gut einfügt. Inspiriert von Wide Blue Sounds Orbit nutze ich vier unterschiedlich klingende Oszillatoren, die jeweils abwechselnd nur eine Viertel lang klingen und dabei von links nach rechts wandern.

Demo 15 – Preset „PAD Confessed“: Dieser Sound setzt einen speziellen Trick von Howard Scarr um. Mithilfe des Modulation Mappers wird jeder einzelnen Stimme eine andere Position im Panorama gegeben. Spielt man einen Akkord, werden sämtliche Töne im Stereobild anders verteilt und es ergibt sich ein sehr breiter Klang. Gleichzeitig kann man die einzelnen Töne unterschiedlich verstimmen. Das Ergebnis ist ein analoger und schwebender Sound.

Fazit

Beim Sounddesign ist noch lange kein Ende in Sicht: u-he Zebra und die Variante mit dem Kürzel HZ sind klanglich großartige und überdies zugängliche Synthesizer, für die es ein riesiges Angebot an erstklassigen Sounds zu entdecken gibt. Neben den hier genannten bietet u-he auch selber einige Kollektionen an, so etwa das charismatische Set „Zebratron“ von Howard Scarr. Unser Tipp zum Schluss: Nicht nur ausgiebig konsumieren, sondern auch einmal einige dieser individuellen Klänge selbst unter die Lupe nehmen. So lernt man Zebra besser kennen und bekommt Ideen fürs persönliche Synth-Programming – viel Spaß mit den Presets von u-he Zebra!

  • FEATURES
  • Hersteller: u-he
  • Name: Zebra
  • Typ: Software-Synthesizer
  • Systemvoraussetzungen:
  • Ab Windows 7
  • Mac OS X ab 10.9
  • VST, AU, AAX, NKS
  • PREIS
  • 188 Euro

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