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22.06.2019

Plug-ins im Abo mieten: Praktisch oder Abzocke?

Wer sich für Plug-ins interessiert – und das trifft bestimmt auf einen Großteil von uns zu – hat bestimmt schon mal die diversen Mietangebote von Herstellern gesehen. Für einen monatlichen Betrag gibt es Zugriff auf eine Auswahl von Plug-ins eines Entwicklers, manchmal ist es auch die gesamte Kollektion. Mietkauf, auch als „Rent-to-Own“ oder unter ähnlicher Bezeichnung bekannt, ist ebenfalls nichts Ungewöhnliches mehr. Sind das die zukünftigen Wege der digitalen Distribution? Bringt das Vorteile? Ist das ein guter Deal oder einfach nur Abzocke? Dieser Artikel versucht, Vor- und Nachteile herauszustellen. Aber auch eure Meinung interessiert uns! Wie denkt ihr über dieses Thema?

Abo/Subscription

Gute Beispiele für das Modell mit monatlichen Subscriptions sind Roland Cloud oder das Slate Digital Everything Bundle der Slate Digital All Access Pass. Der monatliche Preis richtet sich nach dem Abo, für das ihr euch entscheidet. Je länger dieses läuft, desto kleiner fällt der Preis aus. Bei Roland müsst ihr mindestens für ein Jahr abschließen, bei Slate Digital kann auf Wunsch auch strikt monatlich gearbeitet werden – dann ist die Gebühr aber noch mal um einiges höher, als wenn ihr längerfristig mietet. Oft gibt es neben den Plug-ins zusätzlichen Bonus wie Cloud-Speicher, Online-Kurse oder Möglichkeiten für gemeinsames Arbeiten an Projekten. Die DAW Pro Tools von Avid geht seit ein paar Jahren ebenfalls den Abo-Weg, alternativ gib es weiterhin die sogenannte Perpetual License. Ähnlich ist es bei Bitwig mit Studio. Hier zahlt ihr für zukünftige Updates einen Obolus („Upgrade Plan“) oder müsst euch die nächsten Versionen nochmals neu kaufen.

Gobbler ist eine Website, die sich auf Abos von verschiedenen Anbietern spezialisiert hat. Hier findet ihr Angebote von Softube, Eventide, SSL, NUGEN Audio, XILS-Lab, McDSP, Le Sound oder auch Slate und vielen weiteren Entwicklern.

Mal durchrechnen

Ich will mal das SSL Native Complete Bundle für ein Gedankenspiel nehmen. Wenn ich das Bundle kaufen will, muss ich aktuell 1.199 Euro bezahlen. 10 Plug-ins sind in dieser Kollektion enthalten. Bei Gobbler bezahle ich knapp 150 US-Dollar, wenn ich das Paket für ein Jahr miete und im Vorfeld bezahle. Wenn ich für ein Jahr buche, aber monatlich bezahlen will, kostet mich das aufgerundet 15 US-Dollar pro Monat, also knapp 180 US-Dollar für das Jahr. Wenn ich monatlich miete und dabei jederzeit kündigen will, muss ich knapp 25 US-Dollar hinlegen. Auf das Jahr gerechnet sind das gut 300 US-Dollar, also doppelt so teuer wie bei der erstgenannten Option. Selbst bei dieser eher teuren Variante würde sich der Kauf im Vergleich erst nach vier Jahren rentieren, bei dem günstigen Angebot sogar erst nach acht Jahren. Während des Abos hätte ich aber immer die aktuellsten Versionen.

Waves bietet gleich verschiedene Modelle an, der Update-Plan ist dabei so ein bisschen versteckt. Denn grundsätzlich könnt ihr jedes Plug-in des Herstellers kaufen, praktischerweise gibt es permanent Sales mit teils ordentlichen Rabatten. Wenn ihr ein Produkt gekauft habt, geht die Geschichte mit dem Update-Plan los. Denn nur für ein Jahr bekommt ihr Updates und Support. Das Plug-in gehört euch zwar dauerhaft, aber wenn ihr weiterhin Updates und Service haben wollt, müsst ihr den Update-Plan verlängern. Der Preis richtet sich nach der Anzahl der lizensierten Produkte, die ihr aktualisieren wollt. Bei Bundles bekommt ihr während der Laufzeit automatisch neue Produkte, wenn diese dem Paket zugefügt werden. Außerdem gibt es Rabatte beim Kauf von neuen Plug-ins. Neu ist Waves Audio Flex. Dabei handelt es sich im Prinzip um einen Mietkauf. Für bis zu 20 Plug-ins zahlt ihr 24 Monate lang einen festen Betrag und am Ende gehört euch die Software.

Rent-to-Own

Waves ist nicht das einzige Unternehmen, das dieses Modell benutzt. Vorreiter war in dieser Hinsicht der Sample-Anbieter Splice. Für den Vertrieb von Samples scheint das Abo generell eine sehr erfolgreiche Methode des Vertriebs zu sein. Splice hat aber sehr früh ganzheitlich gedacht und auch Software im Angebot aufgenommen. Dafür hat sich der Distributor das Rent-to-Own-Prinzip ausgedacht und mit dem Mietkauf des Wavteable-Synthesizers Serum von Xfer Records direkt einen Coup gelandet. Der Entwickler Xfer Records macht nie Sales. Rent-to-Own war also eine gute Gelegenheit, den Software-Synthesizer legal zu erwerben und quasi monatlich abzustottern.

Der Verkaufspreis fällt nicht höher aus als üblich. Wenn das Geld knapp ist, kann eine Pause eingelegt werden und auch eine Kündigung ist jederzeit möglich. Wer will, kann auch den restlichen Betrag auf einmal bezahlen. Was mit Serum angefangen hat, ist mittlerweile auf eine ganze Palette von Produkten diverser Hersteller ausgeweitet worden. Arturia, iZotope, D16 Group, Accusonus, Softube und weitere renommierte Entwickler sind dabei. Ich selbst habe übrigens Serum über Splice gekauft und finde das Prinzip sehr gelungen. Aber nicht nur Waves oder Splice bieten Mietkauf an — auch ein Hersteller wie Propellerhead hat sich neuerdings dafür entschieden.

Vor- und Nachteile von Subscription-Modellen

+ wenn die Software nur kurzweilig genutzt wird, kann es günstiger sein als Kauf der Vollversionen

+ ihr habt immer die aktuellsten Versionen und Service

+ häufig zusätzlicher Bonus (z.B. Online-Kurse)

– die Software „gehört“ euch nur, solange ihr bezahlt

– Installation zusätzlicher Software notwendig

– ihr müsst regelmäßig online sein, um die Lizenz zu prüfen

Vor- und Nachteile von Mietkauf

+ nach der Laufzeit gehört euch die Software

+ der Preis fällt nicht höher als beim Direktkauf aus

+ ihr werdet monatlich mit einem kleinen Betrag belastet

+ kann jederzeit gekündigt werden, Software ist dann allerdings futsch

– Installation zusätzlicher Software notwendig

– ihr müsst regelmäßig online sein, um die Lizenz zu prüfen

– Updates nach der Laufzeit müsst ihr eventuell wieder bezahlen

Fazit

Das Mieten von Software ist unter gewissen Umständen besser als der Ruf. Bei Bundles rentiert sich der Kauf erst nach Jahren, wenn man den üblichen Verkaufspreis zu Rate zieht. Immer aktuelle Updates und mehr Service sind klare Vorteile. Mietkauf ist eine günstige Methode, ein Plug-in auf legalem Weg entweder kurzfristig zu nutzen oder langfristig zu erwerben und dafür nicht viel Geld auf einen Schlag auszugeben. Sowohl beim Abo als auch bei Rent-to-Own muss eine zusätzliche Software installiert werden, die sich um die Lizenz kümmert. Der Rechner muss also regelmäßig online sein. Am besten ist, wenn Kunden die Wahl haben und nicht zu einer Methode gezwungen werden. Ein Mietanbieter wie Gobbler wäre richtig genial, wenn User sich aus dem Angebot der verschiedenen Hersteller ein individuelles Bundle zusammenstellen könnten.

Auch in anderen Bereichen wie Fotografie, Grafik und Design ist diese Art der Kundenbindung schon lange angekommen. Hier sollte man darauf achten, alle Abos im Blick zu haben, so dass das Konto am Monatsende für einen Kasten Wasser noch ein wenig im Plus steht.

Was denkt ihr?

Habt ihr schon mal Plug-ins gemietet oder als Rent2Buy erworben? Ist Subscription Geldmacherei? Was können die Hersteller besser machen? Fragen über Fragen. Ich freue mich auf eure Meinung!

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