Hersteller_Pioneer
Test
5
26.05.2013

Praxis

DJs, die schon mal einen Pioneer aus der DJM-Serie unter den Fingern hatten (und das dürfte wohl der Großteil aller aktiven Musikdienstleister sein), dürften mit dem neuen Mischer auf Anhieb zurechtkommen. Und zwar selbst dann, wenn das letzte Arbeitsgerät ein alter DJM-600 war. Es ist schon erstaunlich (und professionell), wie konsequent Pioneer hier das Kern-Layout über alle Produktgenerationen hinweg durchhält. Klar, dass es im Zuge neu hinzukommender Features irgendwann mal zu Platzproblemen kommt.

Für mich ist das jetzt mit den neu hinzugekommenen Sound Color FX eingetreten, die ein bisschen so wirken, als ob sie zwischen der Beat-FX-Einheit „eingerückt“ wären. Das dürfte aber auch der einzige (und nach kurzer Zeit beherrschbare) Fallstrick für Neueinsteiger sein. Dafür entschädigen die vier Color-Programme samt Boost-Taster mit praxistauglichen und einfach bedienbaren Klangverbiegern. Gezielt eingesetzt eignen sie sich hervorragend zur dramaturgischen Aufwertung des Mixes. Allein beim Noise-Effekt ist Vorsicht geboten, denn er bläst einem aufgrund fehlender Lautstärkeregelung sofort nach seiner Aktivierung mit vollem Schub um die Ohren. Was, wenn die dahinterliegende Musik gerade nicht mindestens bei null Dezibel hängt, im Verhältnis entschieden zu laut ist.

Goldrichtig dagegen läuft das Zusammenspiel von Beat FX mit dem extrem schnellen und treffsicheren Beatcounter. Besonders gefallen hat mir hier (wie schon beim Vorgänger DJM-700), dass der gerade gewählte Effekt (besonders Flanger und Phaser) beim Durchschalten des metrischen Teilers mit den beiden Beat-Tastern jeweils neu und ohne hörbare Parametersprünge oder Aussetzer getriggert wird. Aussetzer oder Knackser hat man auch beim Drehen am Programm-Poti nicht zu befürchten, weshalb sich gerade der Wechsel zwischen unterschiedlichen Programmen als durchaus effektvolles Stilmittel erweist (beispielsweise zwischen Slip Roll und Brake).

Gutes kann ich auch aus der EQ-Abteilung berichten. Sie klingt sowohl im Standard-Modus wie auch im Isolator-Betrieb ebenso zupackend wie musikalisch. Gleichsam überzeugend präsentieren sich die Bereiche Lautstärkeregelung, Pegelkontrolle und Monitoring. Besonders hervorzuheben ist der potente Kopfhörerverstärker, der genug Leistungsreserven bereithält, um auch die hochohmigste Membran anzutreiben. Ferner der ausgesprochen groß dimensionierte Headroom des Mischers. Der DJ muss schon gröbste Fehler beim Einpegeln machen, um hier den Anflug eines Zerrens zu provozieren.

Auch im Bereich der neu hinzugekommenen, digitalen Ausstattungsmerkmale hat Pioneer gute Arbeit geleistet. Dass sich der DJM-750 als vollwertige 24-Bit Soundkarte mit acht Kanälen in die heimische Projektstudio-Umgebung einbinden lässt, ist als echter Mehrwert zu verbuchen. Zumal – das darf man in Anbetracht des sportlichen Preises nicht vergessen – die Eingangsverstärker über eine tadellose Klangqualität verfügen. Der Käufer bekommt hier also eine richtig gute Soundkarte “on top”. Wenn der Mikrofoneingang jetzt noch über optionale Phantomspeisung verfügen würde, wäre das Recording-Setup komplett. Ob man die MIDI/Controller-Funktionalität braucht oder nicht, ist natürlich immer eine Frage des ganz individuellen Setups. Die Tatsache, dass dem Pioneer nicht so etwas wie eine „Local-Off-Funktion“, also das Abschalten der internen Klangregelung spendiert wurde, um den Mixer wirklich nur als Soundkarte und Controller zu nutzen, schränkt die Möglichkeiten im Rechnerverbund zu arbeiten doch relativ stark ein. Einen halben Pluspunkt heimst der DJM-750 am Ende auch für seine gut ausgestattete Anschlusssektion ein. Allen voran mit der Stereo-Effektschleife, aber auch mit dem zweifachen Master-Out (XLR symmetrisch, Cinch unsymmetrisch parallel) plus Record-, Booth- und Digital-Out.

2 / 3
.

Verwandte Artikel

User Kommentare