Bass
Test
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25.09.2015

Praxis

Einmal davon abgesehen, dass ich persönlich schon sehr auf das optische Design der Pigtronix Bass Station abfahre, mache ich mir dennoch einige Gedanken darüber, wie ich das Gerät einsortieren soll. Mir ist natürlich klar, welche Initialidee dahinter steckt. Es hat Ansätze wie ein Multitool, aber dafür bietet es meiner Meinung nach doch etwas zu wenig. Andererseits ist es eher ein Effektgerät, welches "nur so nebenbei" etwas mehr zu bieten hat. Aber ist es denn überhaupt ein Effektgerät? Kann man einen Compressor und einen Booster als Effekt bezeichnen? Da scheiden sich ja bekanntlich die Geister, aber mit Haarspaltereien möchte ich mich nicht aufhalten.

Dann ist da die Idee des schaltbaren Effektloops. Ist das konsequent durchdacht? Hätte man dann nicht diesen FX Loop gleich auch noch regelbar machen sollen, sodass man wahlweise eine angeschlossene Effektkette nicht nur seriell, sondern auch parallel betreiben könnte?

Und zusätzlich ist da noch der DI-Ausgang, der jedoch nicht wirklich ein vollwertig anmutender DI-Ausgang ist, sondern lediglich eine parallel verdrahtete XLR-Buchse hinter dem Klinkenausgang - noch dazu beim Testmodell zu einer Fehlfunktion führend, sobald man beide Buchsen gemeinsam belegt.

Alle abschweifenden Gedanken hinter mir lassend, widme ich mich zunächst einmal dem Herzstück der Pigtronix Bass Station, nämlich dem integrierten Compressor. Dieser beruht laut Beschreibung auf dem Pigtronix Philosopher Bass Compressor. Da ein Compressor für gewöhnlich das erste Element in einer Signalkette gleich unmittelbar nach dem Instrument bildet, ist es auch nicht verwunderlich, dass der Compressor in der Pigtronix Bass Station vor FX Loop und Boost verschaltet ist. Und tatsächlich gefällt mir der Compressor außerordentlich gut! Er lässt sich wahlweise gut dosiert, sowohl als dezenter Soundpolierer, als auch als pumpender Sustaineffekt einsetzen. Dabei besitzt er vor allem einen eigenen Charakter! Im Grunde möchte man ja einen Compressor nicht primär als färbendes Element hören, aber gerade im Einsatzbereich für den E-Bass kommen wir hier zur Verwendung als gezielter "Effekt". Hier spielt der Compressor der Pigtronix Bass Station in der professionellen Liga. Mit wenigen Handgriffen entlockt man ihm druck- und charaktervolle Sounds:

Das nächste Glied in der Schaltungskette ist der schaltbare Mono FX Loop. Wie bereits beschrieben, ist dieser rein seriell ausgelegt. Es gibt kein zusätzliches Poti, mit dessen Hilfe man den Signalanteil des Loopweges mit dem trockenen Basssignal mischen könnte, also quasi einen Parallelbetrieb ermöglichen würde. Das ist etwas bedauerlich, denn es bedeutet eindeutig eine Einschränkung der Möglichkeiten und hätte die Pigtronix Bass Station definitiv aufgewertet. Nichtsdestotrotz leistet der Loopweg gute Dienste. Ich habe im Beispiel einen uralten Touchwah-Effekt eingeschliffen, der den Signalpegel merklich absenkt. Hier kommt interne Booster der Bass Station zum Einsatz, mit dessen Hilfe man den Pegelverlust wieder ausgleichen kann. Das bedeutet aber auch, dass man in einem solchen Fall immer zwei Fußschalter betätigen muss, wenn man den Effektweg ein- oder ausschaltet - also sowohl den Loop-Schalter, als auch den Boost-Schalter. Wenn die Effektkette keinen Einfluss auf den Signalpegel hat, ist das natürlich besser, und man kann den Booster einsetzen, wenn man zwischen zwei Signalpegeln alternieren möchte (z.B. bei einem Solo). Hilfreich wäre es dennoch gewesen, wenn man dem Loopweg gleich einen eigenen Boostregler spendiert hätte, der schon im Weg selbst den Pegel auszugleichen hilft. An der Qualität des Effektwegs an sich ist aber trotzdem nichts auszusetzen:

Der Compressor sitzt vor dem Effektweg und addiert eine weitere Soundnuance hinzu, wenn er eingeschaltet ist:

Ich komme noch einmal explizit auf den Compressor zurück, denn dieser ist wirklich gut: Hier ein Beispiel mit einem etwas dichteren Playback, in dem man die Wirkung des Compressors im Verhältnis zum trockenen Basssignal vergleichen kann. Dann kommt eine weitere Schaltungsvariante des Compressors hinzu: Ein kleiner Kippschalter mit der Bezeichnung "Grit" aktiviert einen röhrenartigen von Jack Bruce inspirierten Overdrive-Effekt. Dieser lässt sich allerdings nicht separat per Fußschalter abrufen, sondern bildet einen Bestandteil des Compressor-Signals, wird also auch zusammen mit dem Compressor an- oder ausgeschaltet, sofern der Kippschalter aktiviert ist.

Die Intensität der Verzerrung des Grit wird, genau wie der Anteil des Compressor-Signals, im Verhältnis zum unkomprimierten Signal mit dem Compression-Regler geregelt, der eigentlich besser Blend-Regler hieße. Es ist entsprechend auch nicht die Intensität der Verzerrung, denn diese bleibt unverändert, sondern der Anteil des verzerrten Signals zum trockenen Signal, der mit dem Compression-Regler verändert wird. Die Unterschiede sind deutlich wahrnehmbar:

Alles in allem kann ich der Pigtronix Bass Station auch ein gutes Nebengeräuschverhalten attestieren. Selbst drastische Compression-Overdrive-Effekte halten sich in Bezug auf Rauschen und Zischeln in moderaten und akzeptablen Grenzen.

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