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Test
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19.09.2016

Orange O-Bass Test

Viersaitiger E-Bass

Hippe Nostalgie zum Discountpreis!

Nach einer längeren Durststrecke, die sich durch die 80er- und 90er-Jahre zog, gelang der mittlerweile seit mehr als 40 Jahren existierenden britischen Firma Orange ein erstaunliches Millenium-Comeback. Seit der Jahrtausendwende gab es kein Jahr, in dem man in der Schmiede der optisch auffälligen Verstärkerprodukte nicht mit einer Überraschung aufwarten konnte. Einen großen Anteil an dieser Wiederauferstehung hat der seit 1998 zum Orange-Team gehörende technische Direktor Adrian Emsley, der stets mit unkonventionellen Designideen und offensivem Marketing für frischen Wind in der Company sorgt.

Sein neuestes "Brainchild" ist besonders ungewöhnlich, denn zum ersten Mal stellt Orange ein Produkt vor, das nichts mit Amps, Boxen oder Pedalen zu tun hat: einen reinrassigen E-Bass! Genauer gesagt: einen knalligen Low-Cost-Bass im Vintage-Design, der auf den gleichermaßen simplen wie genialen Namen "O-Bass" hört. Das ruft natürlich Skeptiker auf den Plan. Fremdprodukt im eigenen Haus - ist das ein Geniestreich oder eher ein Ofenschuss?

Wir haben den Orange O-Bass in jener schrillen Farboption zum Test erhalten, die der Firma den Namen gibt. Wie man bei Orange selbst auf der Webseite den legendären Gitarristen Les Paul zitiert, soll dieser gesagt haben: "Menschen hören mit den Augen!"

Details

Voller Spannung fische ich den 3,6 kg leichten Orange O-Bass aus seiner im Lieferumfang enthaltenen Gigbag. Diese Gigbag erfüllt das, was man für den günstigen Gesamtpreis erwarten darf - nicht mehr, aber auch nicht weniger! Sie ist dezent gepolstert und besitzt immerhin sogar einen per Klettband versetzbaren Halsfixierungsblock, der verhindert, dass die angewinkelte Kopfplatte aufliegt, wenn man den Bass in der Tasche rücklings auf den Boden legt.

Unser in China produzierter oranger Testbass; allerdings existieren auch noch die beiden Farboptionen "Off-Black" und "Teardrop Sunburst" für all diejenigen, die es vielleicht doch lieber etwas weniger knallig mögen.

Die Form des aus Okoumé gefertigten Korpusses wurde an das Les-Paul-Design angelehnt, allerdings ohne ausgearbeitetes unteres Cutaway. Auffällig ist die Form des dreilagigen weißen Pickguards, das gemäß Orange-Designer Adrian Emsley entweder "einen Formel-1-Ring oder Seepferdchen-Konturen" skizziert. Äh, ja! Ungewöhnlicherweise fügt Orange bei Lieferung jedem O-Bass ein zweites Schlagbrett in alternativer Farboption hinzu, welches der Käufer bei Bedarf dann anstelle des installierten Pickguards anbringen kann. Beim orangefarbenen Modell hat man die Wahl zwischen einem weißen oder einem schwarzen Pickguard, bei den anderen Modellen kann man zwischen Weiß und Tortoise wählen. Eine schicke Idee, die eine begrenzter Form individuelle Gestaltungsmöglichkeit bietet.

Ein hochohmiger (8 kOhm) passiver Splitcoil-Tonabnehmer soll laut Orange "knurren wie ein Polizeihund" und ist zusätzlich um einige Millimeter näher in die Halsposition gerückt als gemeinhin bei P-Bass-Konstruktionen üblich - angeblich, um dem Bass noch etwas mehr "Low End" zu verleihen. Die Soundkontrolle übernehmen spartanisch ein Lautstärkeregler und eine passive Tonblende, die ebenso wie die Klinkenbuchse auf dem Schlagbrett montiert wurden. Beim eventuellen Austausch des mitgelieferten alternativen Pickguards müssen diese Elemente daher leider auch stets neu verschraubt werden.

Der schlanke vierfach verschraubte Ahornhals wurde ebenso orange lackiert wie der Korpus. Seinen Übergang zur angewinkelten Kopfplatte hat im Sattelbereich nicht verstärkt. Der Headstock selbst ist mit vier großen offenen Mechaniken in asymmetrischer 2:2-Anordnung bestückt. Optische Besonderheit bietet ein weißes Overlay mit einem schwarzen "Orange"-Schriftzug.

Der Zugang zur bidirektionalen Halsstellschiene liegt im Sattelbereich und wird von einer vierfach verschraubten schwarzen Kunststoffplatte verdeckt, welche das O-Bass-Logo schmückt. Apropos Sattel: der schwarze Kunststoffsattel wirkt auf mich etwas grob gefeilt. Die Saiten liegen tief in den Sattelkerben versenkt, was ihnen zwar einen festen Sitz im Sattel verleiht, bei Verwendung dickerer Saitenstärken allerdings dazu führen könnte, dass man die Kerbenbreite nachfeilen muss. Bei dünneren Saiten könnte dies zudem potenziell ein Rasseln der Leersaiten begünstigen.

Die Mensur beträgt 34 Zoll, und für die Bundierung des Rosewood-Griffbretts wurden 20 Medium Jumbo-Bünde verwendet. Zur Orientierung dienen sowohl Punkteinlagen (Dot Inlays) auf dem Griffbrett, als auch kleine Punktmarkierungen an der oberen Griffbrettflanke. Der Hals-/Korpusübergang liegt im Bereich des 16. Bundes im oberen Korpusbereich, während der untere Bereich bis zum 19. Bund ausgeschnitten ist. Dennoch ist der Zugang bis zum 20. Bund minimal eingeschränkt, da der Daumen der Greifhand nicht über den Halsbefestigungsblock am 16. Bund gelangen kann.

Die Brücke ist eine Standard 2D-Winkelblechbrücke aus Chrom mit einkerbigen Reiterchen. Doppelte Führungsschienen, in denen jeweils die Höhenstellschrauben lagern, verhindern ein seitliches Verschieben der Reiterchen. Die Saitenaufhängung erfolgt durch Fädelführung im Blechwinkel der Bridge. Da der O-Bass über kein oberes Cutaway-Horn verfügt, ist der vordere Gurtpin in der Korpuskurve kurz vor dem Halsübergang angebracht. Die Verkürzung des Bodies in diesem Bereich führt zwangsläufig zu einer Verlagerung des Schwerpunktes und resultiert in einer durchaus spürbaren Kopflastigkeit.

Die Verarbeitung des Testbasses wirkt insgesamt gut und solide. Lediglich im Bereich der Halstasche im Bereich des Übergangs von Hals zu Korpus ist eine sichtbare Lücke erkennbar, die man souveräner hätte hinbekommen können. Im Verlauf des Tests konnte ich diesem Umstand jedoch keine negativen Einflüsse auf Sound und Handling abringen.

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